Anspruchsvoll, aber deshalb nicht minder beeindruckend ist der 41. Pretziener Musiksommer in die Saison gestartet. Den Auftakt hat am Pfingstsonntag die Pianistin Sofja Gülbadamova gestaltet.

Pretzien l Ein Hingucker und Ohrenschmaus zugleich ist Sofja Gülbadamova. Die Pianistin ist weltweit bekannt - die internationalen Bühnen sind ihr zuhause. Doch in der beschaulichen Pretziener St.-Thomas-Kirche fühlt sich die Ausnahmekünstlerin auch sichtlich wohl. Seit nunmehr zwölf Jahren tritt sie im Rahmen des Pretziener Musiksommers in dem Sakralbau auf - so auch am Pfingstssonntag. Im schwarzen Kleid und das Prinzessinnenhaar bis zur Hüfte betritt sie die Bühne. Mit ihrer zarten Stimme und dem leichten russischen Akzent begrüßt sie ihr Publikum, das sich das Konzerterlebnis aus gutem Grund nicht entgehen lässt.

Waren es 2014 Humoresken, denen sich die Künstlerin gewidmet hat, stellt sie 2015 Clara Schumann in den Mittelpunkt. Dabei bringt sie nicht die Stücke der Komponistin selbst zu Gehör, sondern konzentriert sich auf Robert Schumann und Johannes Brahms. Denn beide Komponisten haben der Dame einst Werke gewidmet.

Und so präsentiert Sofja Gülbadamova am Sonntag im ersten Konzertteil die Novoletten op. 21 von Schumann. "Eine größere Liebeserklärung von einem Musiker gibt es nicht", sagt Sofja Gülbadamova dazu an das Publikum gerichtet. Schumann selbst soll die Novoletten als "innig zusammenhängende, abenteuerliche Geschichten" bezeichnet haben. Das können die Zuhörer dank der eindrucksvollen Interpretation der Pianistin bestätigen.

Verwirrte Gefühlswelt des Komponisten

Denn Sofja Gülbadamova versteht es, eine bunte Klangfantasie zu gestalten. Eindrucksvoll auch, wie sie zarte und schlagkräftige Töne miteinander verbindet.

Dieselbe Gestaltungspalette bietet die Musikerin nach der Pause. Mit der Sonate Nr. 2 fis-Moll op. 2 von Johannes Brahms spielt sie eine "verschleierte Symphonie", wie sie der Komponist Robert Schumann genannt haben soll. Das liege daran, so Sofja Gülbadamova, dass Brahms orchestral gedacht habe. Für sie sei diese Sonate insofern bewegend, als dass "sie als Vorhersage für Brahms Leben" gesehen werden kann. "Er hatte später das Lebensmotto `Frei, aber einsam`", erklärt sie. Genau diese Maxime sei in diesem Werk zu hören. Überwältigend, wie die zierliche Frau diese verworrene Gefühlswelt des Sonaten-Autors auf dem Flügel zum Leben erweckt.

Damit eröffnet Sofja Gülbadamova Begeisterung pur beim Publikum, das sich schließlich zwei Zugaben erklatscht.

Die nächste Pretziener Sommermusik findet am Sonnabend, 4. Juli, statt. Um 17 Uhr treten die Dresdner Bachsolisten auf.