Bad Salzelmen l Der Apothekergarten in der Heinrich-Heine-Straße ist ein Anziehungspunkt in Schönebeck gewesen. 2012 wurde er geschlossen - weil das Grundstück an private Häuslebauer verkauft wurde. Nun gibt es einen adäquaten Ersatz.

Am Fuße des Gradierwerkes auf dem abgezäunten Gelände hinter dem Kunsthof ist der neue beschauliche, aber sehenswerte Kräuter- und Erlebnisgarten entstanden. Die Mitstreiter von damals sind die selben: Der Kurpark, das Christliche Jugenddorf Deutschland und die Ehrenamtlichen Carsten Müller sowie Sabine Focke.

Wer den ehemaligen Apothekergarten kennt, der sollte sich schleunigst von seinen Erinnerungen verabschieden. Denn der neue Garten ist anders, aber nicht minder schön. Davon überzeugen können sich Neugierige bei den abendlichen Rundgängen, die in alter Tradition wieder angeboten werden. Neu ist: Jeder Termin - immer der erste Montag im Monat um 19 Uhr - ist einem bestimmten Thema gewidmet. Außer die Auftaktveranstaltung, hierbei boten die Apotheker Carsten Müller und Sabine Focke eine Art gesunden Rund-um-Schlag.

"Wir haben den Rahmen weitergefasst", erklärt Carsten Müller. Demnach sei der neue Namen des Gartens auch Programm. "Wir haben hier nicht nur Heilpflanzen, sondern wollen alle Sinne ansprechen", sagt er. Dabei geht es um das Anfassen, Riechen, Schmecken und Sehen. "Vielleicht findet hier bei uns auch die gestandene Hausfrau noch etwas Neues", sagt er schmunzelnd und geht direkt auf das Fachliche ein.

"Knoblauch, Senf und Kümmel beinhalten einen Wirkstoff, der das Wachstum von bestimmten Organismen verhindert und damit beispielsweise Blähungen vorbeugt", erklärt Carsten Müller seinem Publikum, das in gemütlicher Runde auf der Grünfläche zusammensitzt. Jeder Gast hat ein Tässchen frisch aufgebrühten Tee in der Hand, denn zu Beginn des Rundgangs macht der Apotheker auf die Gesundheitswirkung der Kräuter aufmerksam. So seien seiner Ausführung nach Tees aus dem Discounter geschmacklich okay, jedoch könne man nur eine gesundheitsfördernde Wirkung von jenen Teebeuteln erwarten, die einzeln verpackt sind.

Für den Geschmack beim Kochen, so der Apotheker, sorgen unter anderem mediterrane Kräuter, die meist mehrjährig seien und verholzt. Natürlich hat er auch Beispiele parat: "Beifuß, Oregano und Rosmarin lässt man mitkochen." Geschmacklich und ebenso gesundheitsfördernd sei die Zitronenmelisse.

"Sie beruhigt bei nervöser Unruhe", erklärt er und reicht den Gästen das besagte Pflänzlein, damit auch jeder weiß, wovon hier die Rede ist. Das ist der Grundsatz der abendlichen Rundgänge - nicht nur Theorie, sondern auch Praxis. "Zitronenmelisse gibt auch ein leckeres Aroma im Wasser, man muss nicht immer eine ganze Zitrone hinzufügen", weist er Alternativen zu Altbewährten auf. Gleichwohl gibt der Fachmann zu: "Ich lerne auch mit dem Entstehen des Gartens." So wächst in dem neuen Kräuter- und Erlebnisgarten beispielsweise das Currykraut. Seinen Geschmack sieht man der Pflanze nicht an, aber man riecht es eindeutig.

Und hätten sie gewusst, dass es den Basilikum, der gemeinhin zu Tomate-Mozarella gegessen wird, in verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt? Hier verhält es sich ähnlich wie mit der Pfefferminze, erklärt Carsten Müller und reicht den Gästen einige Blätter des Zimtbasilikums. Für Abwechslung im Salat könne auch Gundermann sorgen, bekannt als Soldatenpetersilie. Oder auch Gänseblümchen. Dass die Tipps des Fachmanns sich am Ende tatsächlich zu einem Genuss verbinden, das beweist der selbstgemachte Salat, den bei der Auftaktveranstaltung der abendlichen Rundgänge jeder Gast probieren kann.