Mehr als 50 Vertreter der heimischen Wirtschaft und weiterer Institutionen haben gestern bei der Premiere eines Calbenser Unternehmenstages teilgenommen. Neben Vorträgen stand bei der rund sechsstündigen Veranstaltung das Vernetzen im Vordergrund.

Calbe l "Das ist ihr Vitamin B" begrüßte Jessica Hammermann gestern Morgen die Gäste, die sich in eine Schlange am Eingang des Teutloff-Schulungszentrums einreihten. Dabei gab die Calbenser Marketingfachfrau in Referenz auf die gelben Sonnenblumen der Einladung zum Unternehmertag jeden Teilnehmer ein kleines Honigglas mit entsprechender Aufschrift in die Hand.

Der Slogan verdeutlichte, um was es bei dieser Veranstaltung eigentlich geht. Gemeinsam sollen in einer strukturschwachsen Region die Kräfte gebündelt werden. "Dabei spielt der gegenseitige Austausch eine große Rolle", meint beispielsweise Vermögensberater Andreas Gauditz.

So ist es auch das erklärte Ziel von Initiator und Bürgermeister Sven Hause, dass Wirtschaftsvertreter der Saalestadt und der Umgebung wieder stärker zusammenrücken und sich besser vernetzen.

Fachkräftemangel droht in Calbe und der Region

Die Forderung nach einem Unternehmerstammtisch oder einem Ort des Austauschs in Wirtschaftsfragen schwelt bei heimischen Unternehmern schon seit langem.

Sie alle haben mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen wie einen sich zuspitzenden Fachkräftemangel. "Das macht uns für die Zukunft große Sorgen", meint Annett Koschmieder, Leiterin des Calbenser Seniorenwohnparks "Tannenhof." Im Bereich der Altenpflege werde es zunehmend schwieriger, überhaupt noch geeignete Bewerber zu finden. Genau dort will Calbes Stadtoberhaupt den Hebel ansetzen. Zu Beginn führte er die mehr als 50 Anwesenden mit Zahlen und Fakten in das Thema der Demografie ein. Demnach lebten mit Stand von Ende Juni 2013 in Calbe immerhin 3021 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte.

Auspendler als Potenziale für die Saalestadt

"Davon arbeiteten nur 1101 Menschen auch an ihrem Wohnort", erklärte Hause. "Das heißt, das 1920 Menschen jeden Tag von Calbe zu ihrer außerhalb gelegenen Arbeitsstätte pendeln." Die Schlussfolgerung: Sowohl die Arbeitgeber als auch die Stadt müssten die Anstrengungen verstärken, die Wohn- und Arbeitsbedingungen dahingehend zu verbessern, um die hohe Auspendlerquote zu senken. "Stadt, Schulträger und Wirtschaft müssen alles dafür tun, dass künftige Schulabgänger die Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten vor Ort noch besser kennen und nutzen", sagt Hause. Eine beispielgebende Veranstaltung ist der jährliche "Tag der Berufe" in der Sekundarschule "J. G. Herder", dessen Neuauflage für den 17. September geplant ist.

Sven Hause war mit der Resonanz des ersten Calbenser Unternehmertages zufrieden. "Das sollte der Auftakt sein, der jährlich an einem anderen Ort in Calbe veranstaltet werden wird", kündigte Hause an und bedankte sich mit Blick auf Geschäftsführerin Gabriele Rotter-Kiel bei der Teutloff gGmbH für die Gastfreundschaft.

Über die zahlreichen Vorträge zu den Themenbereichen Mindestlohn, Fördermöglichkeiten, Breitbandversorgung oder Unternehmensnachfolge soll in späteren Ausgaben berichtet werden.

 

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