50 kleine Igel sind bei der engagierten Tierschützerin Liesa Telker gegenwärtig Pensionsgäste. Die große Zahl resultiert zweifelsfrei aus dem hohen Grundwasserstand, der den Lebensraum der Tiere einengt.

Barby. Seit 1999 betreibt die Barbyerin in der Brandgasse eine "Igelstation". Im kleinen Stall des Hauses befinden sich Boxen, in denen die Stacheltiere überwintern können.

"Als ich vor elf Jahren einen Igel gefunden habe und ihn nach Schönebeck zu einer Igelschützerin brachte, hat die mich gefragt, ob ich das in Barby nicht auch machen möchte", beschreibt Liesa Telker den Beginn ihres Engagements. Seitdem bewahrte sie einige hundert Borstel vor dem sicheren Tod.

"Ich dachte, ich traue meinen Augen nicht"

Die Existenz der "Igelstation" hat sich mittlerweile zur Institution entwickelt. Besonders im Spätherbst und Winter werden die Pflegefälle gebracht. Dazu gehören Igel, die nach Wintereinbruch, bei Dauerfrost oder Schnee herumirren. Man findet sie hauptsächlich bei Tag. Es kann sich um kranke oder schwache Alttiere handeln; oft sind es auch Jungtiere, die spät geboren, eventuell auch krank sind oder sich wegen des geringen Nahrungsangebots im Spätherbst kein für den Winterschlaf ausreichendes Fettpolster anfressen konnten.

Liesa Telker unterzieht sie nach intensiver Begutachtung einer obligatorischen Prozedur: Sie werden entwurmt und von den Flöhen befreit. Wenn es erforderlich ist, muss der Tierarzt zu Rate gezogen werden.

Es gab schon Fälle, wo sie Jungtiere mit der Flasche groß zog. Ihre übrigen Wintergäste werden dreimal täglich gefüttert. Das geschieht mit handelsüblichem Katzenfutter, das aus der eigenen Tasche bezahlt wird. "Dabei geht fast meine gesamte Rente drauf", gesteht die Barbyerin. Zwar würde sie hin und wieder eine Sachspende von wohlmeinenden Tierfreunden bekommen – regelmäßige finanzielle Zuwendungen gäbe es jedoch nicht.

Im Februar und März klingelt der biologische Wecker unter dem Stachelfell. Und was machen die Gäste der Pension Liesa dann? Sie fressen und fressen und fressen … Erst im Mai können sie wieder ausgesetzt werden.

In der Tierwelt scheint sich das große Herz der Rentnerin herumgesprochen zu haben. Nur so ist es zu erklären, dass einige Kreaturen von selbst den Weg zu ihr finden.

Auch schon mal über den Luftweg!

Als das Hochwasser vor wenigen Tagen an das Brücktor schwappte, Heerscharen Schaulustiger das Naturspektakel täglich verfolgten, landete ein Bläßhuhn auf dem kleinen Hof in der Brandgasse. "Ich dachte, ich traue meinen Augen nicht. Da saß eines Morgens ein schwarzer Vogel in unserem kleinen Teich", berichtet Liesa Telker. Als ob es ringsumher nicht schon genug Wasser gibt, das mehr Fläche als eine vier Quadratmeter große "Pfütze" einnimmt.

Nachdem die "Pensionsmutter Liesa" dem ulkigen Vogel ein paar Mahlzeiten gereicht hatte und er im Schönebecker Tierheim untersucht worden war, trollte sich das Huhn und entflatterte wieder Richtung Elbe.