22 Schaustellungen und über hundert Mitwirkende zogen gestern bei der traditionellen Lichtmess durch das Elbedörfchen. Trotz des stürmischen Wetters säumten zahlreiche Besucher die Glinder Dorfstraße.

Glinde. "Hallo, liebe Lichtmessfreunde, die Uhr von St. Matthäus hat zweimal geschlagen und die Festwagen haben sich an der Kirche formiert", begrüßte der 2. Lichtmessvorstand und Moderator Uwe Sevecke die wetterfesten Gäste per Lautsprecheranlage. Während sich am Fuße des Gotteshauses nach alter Tradition die verschiedenen Fahrzeuge und Fußtrupps sammelten, nahmen die ehrenwerten Lichtmessvorstände im Festsaal des Goldenen Ankers einen zur Brust. Hier wird nach jahrzehntelangem Brauch die "Kronleuchterrunde" gegeben. Kurz darauf schritten sie dem Umzug voran. Zum ersten Mal an der Spitze marschierte der neue 1. Vorstand Harald Schmidt, der Wilhelm Trittel ablöste.

Alles andere war wie immer: Rolf Roggisch trug die Sonne, das Schönebecker Blasorchester sorgte für den rechten Sound, Gero Maaß und Friedel Alexy hatten die Holzstange mit den Bratwürsten auf der Schulter, Albert Grygiel schenkte wie ein mobiler Oberkellner Klaren an treue Besucher aus.

Wenn in Vorbereitung des Umzugs die Bautrupps alle Jahre wieder über Inhalt und Form grübeln, brauchten sich Steffen und Ralf Randel keine großen Gedanken machen: Sie spielten sich selbst. "Die Beiden haben gegenwärtig einen Swimmingpool im Keller", erklärte Moderartor Sevecke.

Ebenfalls vom Thema Wasser ließ sich das Trio Oswald/Preusser/Roeder inspirieren. Sie führten als Rattenfänger die Nager in ordentliche Bahnen, nachdem sie die Flut aus den Löchern getrieben hatte.

<6>Stefan Krüger und sein Trupp ließen die Finanzkrise mit samt ihren Rettungsschirmen anklingen. Die jungen Männer um Gero Weinhardt demonstrierten schwarzhumorig, wie sie sich die Rente mit 67 vorstellen: Kaum hat der Mensch dieses Alter erreicht, befördert ihn eine Rutsche ins Jenseits. Im bizarren Kontrast dazu stand, dass der Popsänger Elton John in einem Alter Vater wurde, in dem andere in Rente gehen.

<7>Dixiklo-Vermieter reiben sich die Hände

Schön schräg wippten ein paar Herren "vom anderen Ufer" mit den Hüften, die als Village People daher kamen. Auf ihrem Fahrzeug brannten nicht nur dutzende Fackeln und ein Ölfeuer, damit ihnen "warm" wurde.

<8>Natürlich durften aktuelle Themen wie der Dioxinskandal und das "Abenteuer" Deutsche Bahn nicht fehlen.

<9>Recht deftig ging es bei Starke/Bode/Bode zu. Die Drei bewiesen, dass es "Essen auf Rädern" schon im "Kannibalenland" gab.

<10>Nach ihrer Premiere im vergangenen Jahr erinnerten Karl Wiebelitz und Günter Krieg an Glindes Windmüllerzeit. Auch diese beiden Herren spielten sich selbst, erlernten sie dieses Handwerk doch vor fast 60 Jahren.

<11>Schön auch die Hommage an den ersten Menschen im Weltall. Der Trupp um Arno Broermann hatte eine Gagarin-Rakete gebaut. Eine technische Meisterleistung, die dank eines Hebemobils sechs Meter in den Himmel gehoben werden konnte. Subtiles Kontrast-Detail am Rande: Ein schneidiger Sowjetoffizier hatte für die Hightech-Rakete einen alten, verbeulten, verrosteten Werkzeugkoffer am Mann.

<12>Ebenso international das Erinnern an 100 Jahre Ralley Monte Carlo von Max und Robert Weiß.

Nach Winterdienst, Gesundheitsreform und Castortransport spießten die Glinder noch ein weiteres Ungemach auf. Arne Kutschbach und Chris Werner machten deutlich, dass sich Dixiklo-Vermieter gegenwärtig die Hände reiben. Der Grund: Drängwasser staut sich in den Abwasserleitungen.

"Lassen Sie uns nicht den Mut verlieren und durch unsere Lichtmess den Umschwung einleiten", sagte Harald Schmidt, 1. Lichtmessvorstand in der traditionellen Ansprache zum Abschluss. Was nicht etwa politisch, sondern kalendarisch gemeint war. Es wird bald Frühling. Schmidt erinnerte daran, welche Bedeutung das Fest einst für die Bauern hatte: "Zur Lichtmess wechselten die Mägde und Knechte ihren Arbeitgeber und der Lohn für das vergangene Jahr wurde bezahlt." Und noch was: Ganz wichtig sei es auch gewesen, dass man zu diesem Zeitpunkt keinen Mist und keine Jauche fahren durfte, sonst wäre das Vieh krank geworden.

Ein Besucher raunte nach diesem Satz: "Na, hoffentlich bleiben die Viecher heute gesund, bei diesen massenhaften Abwassertouren des Zweckverbandes …"