Die Großmühlinger kämpfen seit mehr als zehn Jahren für einen Radweg nach Eggersdorf. Hauptargument ist, dass der Bördeland-Ortsteil Schulstandort ist und die Kinder zwischen beiden Orten pendeln. Außerdem würde das Radwegenetz in Bördeland mit einer neuen Verbindung endlich geschlossen.

Großmühlingen. In der Grundschule in Großmühlingen lernen derzeit 95 Jungen und Mädchen. Die Kinder müssen, wenn sie Sportunterricht haben, nach Eggersdorf in die Sporthalle fahren. Der Einzugsbereich der Grundschule erstreckt sich von Großmühlingen über Kleinmühlingen, Eggersdorf und Zens. "Viele Kinder fahren mit dem Fahrrad zur Schule, oder würden gerne den Drahtesel nutzen, wenn die Verbindung sicherer wäre", sagt Großmühlingens Ortsbürgermeisterin Ute Möbius.

Für sie Grund genug, das Thema während eines Arbeitstreffens der Bördeland-Ortsbürgermeister mit Sachsen-Anhalts Landesentwicklungs- und Verkehrsminister Dr. Karl-Heinz Daehre (CDU) in Biere anzusprechen. "Wir haben dem Kreis schon seit Jahren den Bedarf angemeldet und die entsprechenden Beschlüsse dazu im Gemeinderat von Bördeland gefasst", so die Ortschefin. Der Salzlandkreis ist so genannter Baulastträger der Straße zwischen Eggersdorf und Großmühlingen. Er ist für den Ausbau der Fahrbahn, aber auch der Nebenanlagen verantwortlich, zu denen ein Radweg gehören würde.

"Bördeland ist dann endlich Radwege-technisch voll erschlossen"

Doch bisher trägt man in Bernburg den Bedarf nicht mit. "Den Schulstandort Grundschule gibt es ja nicht erst seit gestern", sagt Ute Möbius und drückt ihr Unverständnis darüber aus, dass das Anliegen der Großmühlinger noch kein Gehör gefunden hat. Mehr noch: Durch die Christliche Sekundarschule – noch in der Genehmigungsphase, aber wegen der Nachfrage zukunftsträchtig – habe sich der Schulstandort erweitert, so die Ortschefin. In der Schule in freier Trägerschaft lernen rund 20 Kinder.

Bauminister Dr. Karl-Heinz Daehre sagte zu, die Angelegenheit prüfen zu wollen. Er hatte aber ganz konkrete und gute Nachrichten. Denn das Radweg-Projekt ist seinem Haus bekannt und Teil des Landesverkehrswegeplanes. Kommunen, Kreise und Städte, zeigen ihren Bedarf von Radwegen in eigenen Planungen an, das Land fasst sie in seinem Plan mit dem "Bandwurm-Namen" zusammen. So sind Mittel in Höhe von rund 176 000 Euro für die rund drei Kilometer lange Strecke veranschlagt, das Land könnte 122 000 Euro tragen. Der Bauminister nannte die Kriterien, die für eine finanzielle Unterstützung durch das Land gegeben sein müssten: "Die Antragsteller müssen nachweisen, dass der Bedarf da und der Weg touristisch von Bedeutung ist, an wichtigen Verkehrsstrecken liegt und das Radwegenetz insgesamt geschlossen wird." Dass der Radweg Schulweg ist, sei ein tragender Aspekt, sagte Daehre.

Und auch in punkto Lückenschluss können die Bördeländer mithalten. Bauamtsleiter Georg Skorsetz erklärt, dass es bereits Radwege zwischen Klein- und Großmühlingen, zwischen Eickendorf und Großmühlingen und zwischen Eickendorf und Biere gebe. Das Teilstück Eggersdorf - Großmühlingen wäre die konsequente und wichtige Ergänzung. "Wir könnten dann sagen: Die Gemeinde Bördeland ist Radwege-technisch voll erschlossen", so der Bauamtsleiter.

In der kommenden Woche will Bauminister Karl-Heinz Daehre Vertreter aus dem Salzlandkreis und aus der Gemeinde Bördeland einladen. Bei dem Treffen sollen verschiedene Straßen- und Wegebauprojekte in der Gemeinde besprochen werden, so zum Beispiel die Straße von Zens nach Calbe (Volksstimme berichtete). In diesem Zusammenhang wird es auch um den Radweg gehen, kündigten die Beteiligten des Treffens in Biere an.