Nach der Neugestaltung des Storchplatzes im vergangenen Jahr schreiben sich die Mitglieder des Verschönerungsvereins nun das nächste Ziel in unmittelbarer Nähe auf die Fahnen: Die Rekonstruktion der Saaleufers am Schiffsanleger in der Bernburger Straße. Das Projekt wurde nun erstmals den Mitgliedern des Umweltausschusses vorgestellt.

Calbe. Da staunte nicht nur Ausschussvorsitzender Hans-Heinrich Pangratz (Freie Wähler). Am Montagnachmitag war die Sitzung des Umweltausschusses so gut besucht wie lange nicht mehr. Das einzige Thema auf der öffentlichen Tagesordnung lockte zusätzliche Besucher in den Beratungsraum des Rathauses II in der Schloßstraße. Das Projekt, das vorgestellt werden sollte, dürfte nicht nur eingefleischte Calbenser interessieren.

Saale soll erlebbarer gemacht werden

Die freie Landschaftsarchitektin Dagmar Welz brachte es in ihren einleitenden Worten auf den Punkt: "Wir wollen die Saale wieder erlebbarer machen." Die Calbenserin legte technische Zeichnungen, Skizzen und Fotos auf den Tisch, anhand derer sie die Verschönerung eines bis jetzt vernachlässigten Kleinods im Zentrum der Rolandstadt erläuterte. "Der Uferbereich unterhalb des Storchplatzes soll neu gestaltet werden, der naturnahe Charakter soll aber erhalten bleiben."

Bisher ist die Böschung unterhalb des Aussichtspunktes in der Bernburger Straße kein Hingucker. Verkrauteter Wildwuchs wechselt sich mit herumliegenden Müll ab. Bei der Neugestaltung soll nach Planungen des Verschönerungsvereins die bestehende Zuwegung zum Schiffsanleger erhalten bleiben. Langgezogene Treppenstufen sollen hinabführen zu einem rund 2,50 breiten Weg, der am Saaleufer gegenüber des Buchtenkraftwerkes entlang führen soll. Herzstück werde eine rund 50 Zentimeter hohe Gabionenwand (mit Steinen gefüllter Drahtkorb), auf der sich auch gesetzt werden könne. Der Plan sieht vor, davor Wasserbausteine aufzuschütten. Dabei habe das Wasser- und Schifffahrtsamt in Bernburg seine Unterstützung bereits zugesagt.

Bei der Böschung handle es sich keineswegs um einfaches Terrain. "Die Höhenverhältnisse sind an dieser Stelle sehr unterschiedlich, und die Statik in diesem Bereich muss genau im Auge behalten werden", so die Diplom-Ingenieurin. Denn bevor die Böschung vor Jahrzehnten zur Stabilisierung der Bernburger Straße angeschüttet wurde, waren in der Saalemauer Bootsstellplätze integriert. Das bezeugte eine historische Fotografie von Hermann Schütz, der ebenso wie Wolfgang Schäfer als Mitglied des Verschönerungsvereins der Sitzung beiwohnte.

"Die Oberfläche der Böschung soll ausgeglichen, aber so wenig wie möglich angefasst werden", machte Bürgermeister Dieter Tischmeyer (parteilos), ebenfalls Mitglied im Verschönerungsverein, deutlich. Wildwuchs und schiefe Bäume, die bereits markiert sind, sollten weichen. Der Blick vom neu gestalteten Storchplatz zum Saalebogen soll so durch weniger Geäst gestört werden. "Auch die Untere Naturschutzbehörde steht dem Vorhaben positiv gegenüber", so das Stadtoberhaupt weiter. Punktuell sollen auf der Böschung Gehölzgruppen angepflanzt, der Rest der einfacheren Pflege wegen mit Gras eingesät werden. "Da die Vogelschonzeit naht, ist mit der Fällung jetzt Eile geboten", machte Dagmar Welz aufmerksam. Im nichtöffentlichen Teil der Sitzung wurden sogleich diese Anträge der Baumbeseitigung behandelt.

Kostenbeteiligung der Stadt ist unumgehbar

Gerhard Denkert (Unabhängig für Calbe) fragte gegen Schluss der Ausführungen nach dem Kostenanteil, der neben der ehrenamtlich geleisteten Arbeit der Vereinsmitglieder auf das Stadtsäckel zukommen könnte. "Es wird nicht ohne eine Kostenbeteiligung der Stadt gehen", anwortete Bauamtsleiter Volker Ludwig. Die genauen Kosten müssten erst ermittelt werden. "Ich finde das Projekt eine wundervolle Ergänzung zum Storchplatz", meinte Hans-Heinrich Pangratz. "Ich hoffe, es wird ein Erfolg."