Die geplante Biomethananlage, Modernisierungen im Plattenbaugebiet Pömmelter Straße und ein Konzept zum Umgang mit Drängwasser waren drei wichtige Punkte, die auf der Tagesordnung der Ortschaftsratssitzung in Barby standen.

Barby. Die "Barby Betriebs GbR" beabsichtigt nahe Cyprehne eine Biomethananlage zu errichten und zu betreiben. Ursprünglich sollte das dort erzeugte Gas in eine Netzleitung der EMS eingespeist werden, die parallel zur Calbenser Chaussee verläuft. Da das nach neuester Marktlage nicht mehr wirtschaftlich sei, entwickelte die Firma ein anderes Konzept: Das erzeugte Gas soll über eine 3,6 Kilometer lange Leitung in das Barbyer Stadtgebiet transportiert werden und in Blockheizkraftwerken in Wärme umgewandelt werden. Abnehmer könnten Wohnungsbaugesellschaften, das Grundbucharchiv, die Reha-Klink oder städtische Verwaltungsgebäude sein.

Schlagkräftiges Argument

Die "Barby Betriebs GbR", ein landwirtschaftlicher Betrieb, dessen Sitz auf Colphus ist, warb für diese Idee mit einem schlagkräftigen Argument: die Wärmekosten würden rund 30 Prozent unter den aktuell üblichen liegen. Der Ortschaftsrat stimmte diesem dezentralen Energieerzeugungsvorhaben zu, das letzte Wort hat jedoch der Stadtrat.

Bürgermeister Jens Strube teilte ein Ergebnis aus dem nicht öffentlichen Teil der vergangenen Stadtratssitzung mit: Das Plattenbaugebiet Pömmelter Straße/Schenkenweg wird zum Teil rekonstruiert, zum Teil abgerissen. Stehen bleiben soll der straßenbegleitende Block in der Pömmelter Straße, "rückgebaut" wird ein querstehender Block in Richtung Wasserwerk. Die Mieter würden während der Rekonstruktionsmaßnahmen in Ausweichwohnungen unterkommen. Das Plattenbaugebiet machte in den vergangenen Jahren durch seine maroden und gesperrten Balkone Schlagzeilen.

Natürlich wurde in der Ortschaftsratssitzung auch das Thema Drängwasser behandelt: Bauamtsleiter Holger Goldschmidt erinnerte an ein 1993 erarbeitetes Hochwasserkonzept, das in Ermangelung von Fördergeldern jedoch praktisch nicht umgesetzt wurde. Darin waren Schöpfwerke nahe Cargill, Tornitz und Glinde vorgesehen. In der Konzeption sei das Augenmerk auch auf einige Brücken- und Rohrdurchlässe gerichtet worden. Ein erneuter Vorstoß zur Realisierung sei 2003 erneut aus finanziellen Gründen gescheitert. Goldschmidt bezifferte die geplante Investitionssumme mit drei Millionen Euro.

Jetzt werde das Thema Schöpfwerk Glinde verstärkt diskutiert und in die zu gründenden Arbeitsgruppen eingebracht.

"Wir müssen auch abklären, ob solche Sandsack-Verbaumaßnahmen wie an Pömmeltes Burgwall und bei Tornitz durch Erdwälle dauerhaft ersetzt werden sollten", kündigte Holger Goldschmidt an. An die Adresse des Abwasserzweckverbandes (AZV) richtete der Amtsleiter eine Empfehlung. "Man ist dort gut beraten, wenn die Abwasserpumpwerke so hergerichtet werden, dass sie das Drängwasser nicht in Gefahr bringt." Damit meinte er zu tief liegende Schaltschränke und Kanaleinläufe. In Wespen wurde wochenlang der Dorfteich abgepumpt, da der AZV-Station ein Kurzschluss drohte. Das beträfe auch eine Station in Tornitz.

Bauflächen genau unter die Lupe nehmen

Ortschaftsrat Frank Ziegenhein (CDU), der als Verwaltungschef diese Konzeption vor 18 Jahren erarbeiten ließ, drängte auf die Schöpfwerke. Er griff ohne es zu wissen eine Idee auf, die im Katastrophenstab vor zwei Wochen schonmal Thema war: Ein Graben vom Düsteren Sumpf (nahe Maxit) in Richtung Stadthafen. Von dort könne man gefahrlos in den Hafen pumpen, ohne die Deiche durch Vibration zu gefährden. Damit würde ein Teil des Drängwassers schon vor dem Langen Siel in Glinde "abgefangen".

Bauamtsmitarbeiterin Uschi Käsebier teilte mit, dass sämtliche potenziellen Eigenheimbauflächen im jetzigen Zustand fotografiert und dokumentiert wurden. Auf den meisten steht das Drängwasser. "Die Stadt Barby muss sich genau überlegen, ob diese Flächen zukünftig bebaut werden sollen", sagte die Fachfrau.