Große Freude bei der Arbeitsgruppe "Stolpersteine". Nach einem Jahr rührigen Spendensammeln haben die Mitglieder jetzt so viel Geld zusammen, dass die ersten 22 von 70 Stolpersteinen verlegt werden können. Sie sollen an die früheren jüdischen Mitbürger der Stadt erinnern. Am 16. März werden sie in der Kirchstraße gesetzt.

Schönebeck. Ein Meilenstein steht der Arbeitsgruppe "Stolpersteine" bevor. Mitte März werden die ersten 22 Steine in Bad Salzelmen verlegt, die an frühere jüdische Mitbürger erinnern sollen. Für die engagierten Mitglieder der Arbeitsgruppe ist das ein erster Etappensieg. "Wir haben jetzt 2750 Euro auf unserem Spendenkonto", berichtet Reinhard Banse zufrieden. Innerhalb eines Jahres hat die Arbeitsgruppe damit genügend Geld zusammen, um die ersten 22 von insgesamt 70 Stolpersteinen zu verlegen. Einen Termin haben die Schönebecker Stolperstein-Initiatoren schon gefunden. Am 16. März ist es soweit. Dann wird der renommierte Künstler Gunter Demnig in die Elbestadt kommen.

Mit sogenannten Stolpersteinen, das sind im Boden eingelassene Messingplatten auf Gehwegen, will der Künstler im Zuge seines bundesweit bekannten Kunstprojektes an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

Den Anfang macht die Kirchstraße 1 in Bad Salzelmen. Die Inschrift des ersten Steins, so verrät Banse vorab, wird den Namen und das Schicksal der Familie Sachs aufzeigen. "Hier wohnte Hedwig Sachs, Jahrgang 1866, deportiert 1942, ermordet in Theresienstadt", liest Banse vor, was ab dem 16. März alle Passanten lesen können, die in der Salzelmener Kirchstraße unterwegs sind. "In der Kirchstraße haben damals sehr viele Juden gewohnt", berichtet Banse weiter. Der Stadtrat hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Regelmäßig steht er in Kontakt mit der in Schönebeck geborenen Jüdin Judy Urman, die heute in den USA lebt. "Es ist schrecklich, wenn man die Einzelschicksale kennenlernt", sagt Reinhard Banse betroffen. Deshalb ist sein einziges Ziel mit dieser Aktion: "Wir müssen gegen das Vergessen kämpfen."

Aus diesem Grund hatte der FDP-Mann 2009 die Initiative ergriffen. Resultat: Der Stadtrat entschied im Oktober 2009 mit diesem überregionalen Projekt an Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Dann geriet die Aktion Stolpersteine jedoch fast wegen fehlender Unterstützung selbst ins Stolpern.

Die Verwaltung argumentierte 2009, dass der Stadt Kosten entstünden, wenn sich jemand mit der Betreuung eines Spendenkontos und der Verwaltung eingehender Spenden beschäftige. Auch sei eine Ausstellung von Spendenbescheinigungen seitens der Verwaltung spendenrechtlich nicht ohne weiteres möglich. Daraufhin hat die Arbeitsgruppe selbst ein Spendenkonto eingerichtet. "Auf Antrag bei der Salzlandsparkasse wurde genehmigt, dass die Kontoführung auch weiter von dem Kreditinstitut übernommen wird", berichtet Banse.

Während der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses brachte Banse das Thema Stolpersteine, diesmal mit dem aktuellen Termin, zur Sprache. "Gibt es eine unterstützende Zusammenarbeit mit der Verwaltung", wollte er wissen. Oberbürgermeister Hans-Jürgen Haase zeigte sich irritiert über die strikte Vorgabe. "Das ist ja wie ein Befehl", merkte er an. Stadtrat René Wölfer (SPD) hielt fest, dass ein offizieller Bauantrag gestellt werden müsse, da ja der Gehweg ein Stück weit aufgerissen werden muss. "Einige Formalien müssen wir einhalten", meinte Baudezernent Guido Schmidt. Er fügte hinzu: "Aber die stimmen wir jetzt ab." Den Stolpersteinen stehe sozusagen nichts im Wege.

Reinhard Banse lässt sich ohnehin nicht beirren. Er denkt derweil schon an die nächsten Stolpersteine. Für die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteines fallen Kosten in Höhe von 95 Euro an. Das heißt, die bisher gesammelten 2750 Euro werden mit der Verlegung der ersten 22 Steine fast völlig ausgeschöpft. "Ich finde es bemerkenswert, dass zum Beispiel auch eine fünfte Klasse der Gorki-Schule Geld gesammelt hat." Vor allem vor dem Hintergrund, dass Banse auch die Fraktionen im Stadtrat angefragt hat, ob sie einen Stein stiften wollen. Bis auf seine eigene Fraktion konnte auf dem Spendenkonto bisher noch kein politisches Zeichen verbucht werden. "Auch Kleinstbeträge sind willkommen", spricht Reinhard Banse daher nicht nur Gruppen, Vereine und Unternehmen an. Auch Einzelpersonen können mit jedem Euro helfen.