Auch Müll hat seinen Wert! So lautete das Thema einer Projektwoche der Sachsendorfer Kita "Lebenshilfe Bördeland". Die Beschäftigung mit diesem Thema gipfelte am Ende in einer Modenschau. Alle "Designerstücke" bestanden ausschließlich aus Dingen, die wir normalerweise in der Gelben Tonne entsorgen.

Sachsendorf. Zu Beginn Kindermund: Auf der Suche nach einem Modenschau-Bräutigam fiel die Wahl auf Lenny. Er sollte mit Paula das Hochzeitspaar geben. Der Dreijährige war mit seinem rüschenbesetzten "Frack" einverstanden. Aber irgendwas vermisste Lenny doch noch. Als modischen Kontrapunkt, sozusagen. "Ich möchte eine Biene um den Hals haben", bat der Knirps.

"Eine Biene? Lenny, was denn für eine Bie… Ach so, eine Fliege", lachte die Erzieherin. Irgend so ein fliegendes Insekt war es jedenfalls.

Diese und andere heitere Geschichten erlebten die Erzieherinnen in Vorbereitung einer besonderen Modenschau. Aus alten Verpackungs- und Stoffresten wurden "Designerkleider" gefertigt und am vergangenen Dienstag einem "breiten Publikum" präsentiert. Eltern, Omas und Opas erlebten einen schönen Nachmittag.

Kindergarten-Moderatorin Karin Dänzer führte durch das Programm. Was sich anhörte, wie auf dem Laufsteg von Karl Lagerfeld: "Bei diesem Modell hat sich unser Designer etwas ganz Besonderes ausgedacht: Die Bluse edel verarbeitet, der Rock mit einer raffinierten Federzusammenstellung eingefasst."

Das Wort "edel" fiel bei dieser Modenschau relativ oft. Ein wirkungsvoller Kontrast, da die "Trägermaterialien" ja hauptsächlich Mülltüten waren.

Die Modenschau war kein vergnüglicher Selbstzweck, sondern hatte auch eine pädagogische Vorgeschichte. Weil in der Kita der Müll getrennt wird, hatten die Erzieherinnen beobachtet, welche Fragen sich bei den Kindern auftaten. "Das passte gut in unser pädagogisches Konzept Bildung elementar", erinnert sich Leiterin Annett Gneiser. Hierbei sollen mit Hilfe einer Projektwoche beim Nachwuchs Eigenaktivitäten geweckt und unterstützt werden.

Deshalb setzte man bei der Mülltrennung an und vermittelte, dass auch wertvoll sein kann, was in gelbe, blaue und schwarze Behälter geworfen wird.

Außerdem war den Erwachsenen nicht verborgen geblieben, wie gerne sich die Knirpse mit allen möglichen Alltagsgegenständen verkleideten. "So entstand die Idee, Kleidungsstücke zu fertigen, die überwiegend aus Kunststofftüten bestehen", ergänzt die Leiterin.

Annett Gneiser und ihren Kolleginnen kam dabei eine alte Weisheit gerade recht: Die kindliche Fantasie braucht keine teuren, fertigen Spielzeuge. So kann aus einem alten Karton alles werden: Auto, Flugzeug, Schiff oder sogar Ritterburg.

Ähnlich war es dann auch bei der "Müll-Modenschau". "Die Kinder wollen von sich aus Ideen entwickeln. Das wird von uns natürlich unterstützt", sagt Annett Gneiser. Und sie fügt hinzu, dass der Nachwuchs "nur halb so viel Spaß an Sachen aus dem Laden gehabt hätte". Strahlende Kinderaugen also, als aus dem schwarzen Müllsack ein edles Abendkleid wurde.

Unter den Zuschauern waren auch Viola Otto und ihr Ehemann, deren Tochter Lilly Fee zu den "Models" zählte. Die Wahl-Zuchauerin lobt die gute Atmosphäre in der Kindertagesstätte. "Anfangs fiel es mir schwer, morgens unsere Tochter abzugeben. Das hat sich aber schnell geändert. Hier herrscht so ein herzliches Klima", lobt die Förderschullehrerin.