Seit August vergangenen Jahres finden in einem Wohngebäude in der Neuen Wohnstadt Kinder und Jugendliche in Tages- und Wohngruppen unter dem Dach einer Caritas-Trägergesellschaft ein Zuhause. Bischof Dr. Gerhard Feige besuchte kürzlich die Einrichtung und kam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ins Gespräch.

Calbe. Von außen weist lediglich ein kleines Schild am Haus gegenüber der Lessing-Grundschule ganz unscheinbar auf das hin, was sich im Inneren der Martin-Andersen-Nexö-Straße Nr. 5 verbirgt: der Caritas Kinder- und Jugendhilfeverbund "St. Elisabeth".

Dort leben seit wenigen Monaten fünf Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren in einer Wohngruppe zusammen. Jungen und Mädchen haben jeder ein eigenes Zimmer. Küche, Bad oder Aufenthaltsraum werden gemeinsam genutzt, es gibt Haustiere. "Wir wollen familienähnliche Strukturen schaffen, bei denen sowohl Wärme und Werte aber auch Tagesstrukturen und Regeln vermittelt werden", sagt die gelernte Erzieherin und Leiterin der Wohngruppe Manuela Windirsch, die seit mehr als 25 Jahren in diesem Bereich arbeitet, zuvor beispielsweise in der Einrichtung in der Magdeburger Straße. Vertrauen, Geduld und menschliche Zuwendung seien unabhängig von Konfession und Weltanschauung der Schlüssel, um die Kinder und Jugendlichen, die oft aus sozial schwierigen Verhältnissen kommen, rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr zu betreuen. Insgesamt zehn dieser heilpädagogischen Plätze stehen im sanierten und von der Calbenser Wohnungsbaugesellschaft (CWG) vermieteten Haus zur Verfügung. "Wir nehmen sowohl vom Jugendamt vermittelte Kinder als auch Waisen oder in einem Notfall vermittelte Kinder in unsere Obhut", sagt Leiter Frank Schmidt, einer der zwölf Mitarbeiter der Einrichtung.

Zum Angebot der Caritas-Trägergesellschaft St. Mauritius gGmbH gehört außerdem eine Tagesgruppe mit Sieben- bis 13-Jährigen. Betreuerin Diana Weselyn holt bei Bedarf die Kinder von der Schule ab, bereitet ein gemeinsames Mittagessen zu, hilft ihnen bei den Hausaufgaben. Am späten Nachmittag gehen die Kinder nach Hause. "Wir versuchen, die Eltern so sehr es geht, mit einzubeziehen, was machmal sehr schwierig ist. Oft liegt beim Jugendamt ein Antrag zur Erziehungshilfe vor", erklärt Diana Weselyn in der Gesprächsrunde. Die Kosten würden nach vereinbarten Tagessätzen vom Salzlandkreis getragen.

Auf die Frage von Bischof Dr. Gerhard Feige, wie sich die Einrichtung von anderen Kinderheimen unterscheide, antwortet Sozialpädagoge Michael Schmelzer: "Wir sind viel kleiner und haben familienähnlichere Strukturen als klassische Kinderheime."

"Es herrscht eine stärkere Tendenz zur Verwahrlosung"

Den 59-jährigen katholischen Theologen interessierte zudem die Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen, wenn sie in die Einrichtung kommen. Nach Aussagen der Mitarbeiterinnen handle es sich häufig um die "zweite oder dritte Generation Hartz IV". Sie bekämen aus dem Elternhaus immer weniger Werte vermittelt. "Die Tendenz zu einer Verwahrlosung hat klar zugenommen", sagt Leiter Frank Schmidt, der außerdem ein großes Kinderheim der Caritas in Sandersleben leitet. Bischof Dr. Gerhard Feige sowie die Pfarrer Robert Denzel und Dr. Thomas Thorak unterstrichen nach einer Besichtigung die Notwendigkeit der Einrichtung. Im Rahmen seiner Visitation (Kontrollbesuch eines vorgesetzten Geistlichen einer ihm unterstellten Einrichtung) besuchten sie außerdem die Sozialstation, den Jugendhof und das Wohnheim für seelisch Behinderte in der Magdeburger Straße, die sich ebenfalls in Caritas-Trägerschaft befinden.