Im August dieses Jahres feiert die Elbestadt Barby die 1050. Wiederkehr ihrer urkundlichen Ersterwähnung. Deshalb wird in den kommenden Monaten an Persönlichkeiten erinnert, die aus Barby stammen oder eine Beziehung dazu haben. Heute: der Philosoph Jakob Friedrich Fries.

Barby. Im Schlosspark, nahe des historischen Wachturms "Prinzeßchen", erinnert eine Sandsteinstele an einen berühmten Sohn der Elbestadt.

1986, anlässlich des 1025-jährigen Stadtjubiläums, wurde das Denkmal zu Ehren des gebürtigen Barbyers Jakob Friedrich Fries eingeweiht. Es besteht aus einem Säulenstumpf auf quadratischem Sockel. An der Stele sind ein Reliefporträt sowie die Inschrift "Jeder Person kommt ein absoluter Wert der Würde zu" angebracht.

Öffentliches Antlitz im Schlosspark

Schon vor vielen Jahren war die Kupfertafel durch Unbekannte beschädigt worden. Kinder hatten mit Steinen zielwerfen auf die Platte gemacht und dadurch das Antlitz des Philosophen erheblich verunstaltet. Der Calbenser Bildhauer Otto Plönnies – er schuf die Tafel 1986 und lebte einige Jahre in Barby – rekonstruierte sie 2005 unentgeltlich. Doch das nur am Rande, weil es das einzige öffentlich sichtbare Bildnis des Geistesschaffenden in seiner Geburtsstadt ist.

Jakob Friedrich Fries wurde am 23. August 1773 in Barby geboren und war Zögling der Herrnhuter Brüdergemeine, die im Barbyer Schloss eine Bildungsstätte ("academica barbyensis") betrieb. Lang blieb er nicht in der Elbestadt, da sein Vater ihn zur weiteren Ausbildung nach Niesky (Oberlausitz) schickte.

Seit 1805 arbeitete Fries als Professor der theologischen Philosophie in Heidelberg und ab 1816 in Jena.

Wegen seiner Teilnahme am Wartburgfest, seiner Parteinahme für die Burschenschaften, wurde er im November 1819 vom Lehramt suspendiert, fünf Jahre später darauf aber zum Professor der Physik und Mathematik ernannt. Die Jahre zwischen 1819 und 1824 verbrachte er in Holland.

Ab 1825 durfte er wieder philosophische Vorlesungen halten. Zu seinen Aufgaben zähle auch die Bewertung der Dissertation von Karl Marx. Was nicht zuletzt ein Grund war, dass sein Denkmal 1986 im Schlosspark aufgestellt wurde. Fries starb am 10. August 1843 in Jena.

Psychologische Selbstbeobachtung

Der Barbyer war davon überzeugt, dass man nur durch intensive psychologische Selbstbeobachtung zu unverrückbarer Wahrheit gelangen kann. Alle menschliche Erkenntnis beruhe letztlich auf Glauben, auf einer ursprünglichen und unmittelbaren Gewissheit, die jeder bewussten Reflexion vorausgehe.

Nicht verschwiegen werden soll seine antisemitische Haltung, die im Kontext seiner Zeit zu sehen ist. In seiner Polemik "Über die Gefährdung des Wohlstandes und Charakters der Deutschen durch die Juden" (1816) äußerte er sich deutlich: Er machte die deutschen Juden für den wachsenden gesellschaftlichen Einfluss von Geld verantwortlich und sprach sich für ihre Auswanderung aus Deutschland aus.

Ende der 1990er Jahre wurde der gymnasiale Teil des Barbyer Schulverbundes nach Fries benannt. Heute trägt die Sekundarschule am Markt seinen Namen. Der Weg von der Schloßstraße zum Elbwerder heißt ebenfalls Jakob-Friedrich-Fries-Weg.