Knöllchen mag keiner hinter der eigenen Frontscheibe vorfinden. Trotzdem haben sich 2010 rund 13 900 Autofahrer den Verkehrsregeln widersetzt und dafür ein Verwarngeld von den Schönebecker Politessen kassiert. Die Falschparker haben damit dem Stadtsäckel rund 109 000 Euro eingebracht.

Schönebeck. Regeln sind da, um gebrochen zu werden. Nach diesem Motto haben im vergangenen Jahr im Schönebecker Stadtgebiet rund 13 900 Autofahrer gehandelt. Das zeigt die Statistik des Ordnungsamtes. Sei es das Parken im absoluten Halteverbot, die vergessene Parkscheibe oder der abgelaufene Parkschein - in der Elbestadt scheinen es die Pkw-Fahrer mit den Verkehrsregeln nicht allzu genau zu nehmen.

Fünf Politessen sind täglich in Schönebeck für Recht und Ordnung im Straßenverkehr unterwegs. 2010 haben die ausschließlich weiblichen Mitarbeiter 11 800 Verwarnungen verteilt. Das sind rund 38 Knöllchen, die die Politessen pro Tag hinter Scheibenwischer gesteckt haben. Daraus sind für die Stadt im vergangenen Jahr 98 000 Euro herausgesprungen, informiert Waldemar Liedicke, Chef des Ordnungsamtes im Volksstimme-Gespräch. Das ist aber noch nicht alles, was Schönebeck von seinen Falschparkern bekommen hat. Hinzu kommen noch die 2117 Bußgeldverfahren. Grund: Kraftfahrer hatten nicht innerhalb der vorgegebenen Zwei-Wochen-Frist ihr Verwarngeld bezahlt. Diese brachten der Stadt zusätzlich rund 11 800 Euro ein.

Einbrüche im Personal in Statistik erkennbar

Im Vergleich zum Jahr 2009, so der Ordnungsamtschef, haben 2010 mehr Autofahrer ein Knöllchen kassiert. Das liegt schlicht daran, dass "wir verstärkt aktiv werden mussten", begründet Liedicke. Denn auch das Ordnungsamt sei nicht vor Krankheitsfällen gefeit. Eher im Gegenteil. Liedicke weist ausdrücklich darauf hin, dass die fünf Politessen einen Job ausüben, der durch hohen sozialen Stress gekennzeichnet sei. "Sie werden mit den schlimmsten Beleidigungen konfrontiert", erklärt Liedicke. Der eine sei zwar "robuster", doch an jedem einzelnen Mitarbeiter würde diese vor allem psychische Belastung nagen. Einbrüche im Personal machen sich dann schließlich in der Statistik bemerkbar. In dem Zusammenhang versucht er, Partei für seine Mitarbeiter zu ergreifen: "Die Politessen meinen es nicht persönlich."

"Aber", und bei diesem Satz kommt auch der Ordnungsamtschef um ein Lächeln nicht umhin, "es gibt sogar nette Momente im Arbeitsleben einer Politesse." Damit meint er die Momente, in denen die Mitarbeiter den noch heraneilenden Falschparker sozusagen davonkommen lassen und ihn nur mündlich auf ihren Fehler hinweisen. Bei solchen Begegnungen würde den Politessen auch mal Dankbarkeit entgegengebracht. Seltene Momente im Leben der fünf Ordnungsamtsmitarbeiterinnen. Dabei ist für Waldemar Liedicke ganz einfach klar: "Unsere Mitarbeiter sind nicht als Raubritter unterwegs." Dass manch uneinsichtiger Falschparker dass jedoch anders sieht, das müsse man mehr oder weniger hinnehmen.

"Auch in den Abendstunden oder am Wochenende kontrollieren unsere Mitarbeiter den ruhenden Verkehr", nennt Waldemar Liedicke schließlich eine für viele Falschparker schlechte Nachricht. Vor den "Knöllchenverteilern" ist also an sich keiner sicher. Aber Liedicke verwahrt sich auch grundsätzlich davor, dass seine Mitarbeiter nur zum Geldeintreiben auf den Schönebecker Straßen unterwegs sind. Verwarngeld durch Knöllchen dient nicht vorrangig der Aufbesserung des Stadtsäckels, betont er. "Es hat keinen unterstützenden Charakter." Trotzdem werde selbstverständlich im städtischen Haushalt jährlich eine bestimmte Summe eingerechnet, die aus der Überwachung des ruhenden Verkehrs resultiert.

Parken im Halteverbot führt Rangliste an

Eine Rangliste der Falschparker kann der Chef des Ordnungsamtes recht schnell festlegen. "An erster Stelle ist das Parken im eingeschränkten Halteverbot." Danach folgt das absolute Halteverbot. "Hier sind vor allem die Stellen betroffen, wo an bestimmten Tagen die Kehrmaschine entlang fährt", erläutert Liedicke. Und auf Rang drei folgen die vergessene Parkscheibe beziehungsweise der abgelaufene Parkzettel.

"Es wird nichts ausgelassen", umschreibt Liedicke prägnant all jene Vergehen, die Schönebecker sowie Gäste auf den Stadtstraßen begehen. Noch erstaunlicher, so der Ordnungsamtschef, sind jedoch die Ausreden, die die Falschparker zuweilen servieren. Inzwischen kennt er so manche Geschichte. Und so kann er auch unterscheiden, welche Erklärung der Wahrheit entsprechen könnte und welche nicht.