Das Städtchen Barby ist mit seinen 4090 Einwohnern und dabei zwei Faschingsvereinen eine karnevalistische Hochburg im Salzlandkreis. Aktuell laden die Heimatfreunde zur "Piratenschlacht zur Faschingsnacht". Am Wochenende vor Rosenmontag präsentieren die Kanuten dann ihr diesjähriges Faschingsprogramm.

Barby. In der Heimatfreunde-Eulenspiegel-Bütt steht eine Frau. Und was für eine: Das Möchte-gern-Sternchen Daniela Katzenberger, deren Haupt in Drängwasserzeiten natürlich ein Matrosenkäppi ziert. Vereinsvorsitzender und Büttenredner Frank Sieweck ist in diese Rolle geschlüpft. Im hautengen Mini und mit blonder Zopfperücke bereitet er dem ausverkauften Saal Vergnügen, indem er aktuell-kommunalpolitisches Geschehen aufspießt.

"Der Marktplatz, das ist stadtbekannt, ist bald komplett in einer Hand"

Dabei riefen die verwaisten und immer wieder mit großem Finanzaufwand rein- und rausgehobenen Schiffsanleger der Einheitsgemeinde geradezu nach karnevalistischer Verarbeitung. "Personenschifffahrt gibts hier nur, macht Heino Bernau mal \'ne Tour. Ansonsten nur die Wellen zittern, fährt Fährmann Fröhlich Hühner füttern." Damit sind zwei Barbyer gemeint, die aus Privatgründen auf Tour sind.

Weil die Einbeziehung von bekannten Namen die "halbe närrische Miete" ist, stürzt sich Sieweck natürlich auch auf Patrick Lorbeer, der ein Immobilienbüro in Barby betreibt: "Der Marktplatz, das ist stadtbekannt, ist bald komplett in einer Hand. Überall weht mit viel Eleganz, ein wunderschöner Lorbeerkranz." Dem geht eine Aufzählung "Lolles" Gebäuden voran, die am Ende mit der Vermutung nach dem "Rathauskauf" endet, das ja auch zum Marktensemble gehört.

Der Narr klärt zudem auf, warum Bürgermeister Jens Strube Anfang des Jahres zur Kur musste. Die Gnadauer sind schuld, weil sie sich bis zur Zwangseingemeindung gegen die Einheitsgemeinde wehrten. Die närrische Diagnose: "Der liebe Jens begann zu zittern, im Herz begann es zu gewittern, der Blutzucker schnellte nach oben, der Blutdruck, der begann zu toben ..."

Beeindruckend auch die Leistung der Tanzmädchen und -jungen, die da je nach Altersklasse heißen: Tanz-Mäuse, Tanz-Kids und Dancing-Maries. Letztere bestechen wieder mit mehreren originellen Choreografien und poppigen Titeln, die ins Ohr gehen. Wobei die "Maries" bei der Auswahl der Musik seit Jahren ein Gefühl dafür haben, was beim Publikum ankommt. So zum Beispiel beim "Waka Waka" - Song von Shakira, der zum offiziellen Ohrwurm der Fußballweltmeisterschaft wurde.

Immer wieder sind es die aufwändigen Kostüme und Konstruktionen, die dem Publikumsauge Freude bereiten.

So hat man den größten Kerl der rund 80 Akteure in ein Schildkrötengewand gesteckt. Eine typische Rolle für Thomas Schmandt, der seit 1995 im Verein mitwirkt. Der 43-Jährige ist mit 1,92 Meter Größe und 120 Kilogramm Gewicht dafür prädestiniert, Wirkung zu entfalten. Egal ob er als "350-jährige Galapagos-Schildkröte", Rotes Pferd oder dicke Matroschka durch den Saal tänzelt.

Zweifelt er manchmal an sich, öffentlich in dieser herzigen Maskerade aufzutreten? "Ich frage meine Frau: Willst du mich wirklich so im Saal sehen?" Die Anwort ist deutlich: "Ja!"

Apropos, Saal. Die Dekoration wuchs in 40 Jahren Vereinsgeschichte. Zu sehen sind sogar noch Deko-Elemente aus den Händen Detlef Hildebrands und Günter Zenkers. Heute hat Thomas Schmandt den künstlerischen Hut auf. Was wie bei allen anderen Mitwirkenden auch ein gerüttelt Maß Zeit erfordert. "Ja, stimmt schon", gesteht Schmandt, "aber man muss sie sich einfach nehmen."

Ihm geht es dabei wie vielen Faschings-Frohnaturen. Eigentlich hat man im Alltag viel zu viel Stress, um sich auch noch Narretei ans Bein zu binden. Aber wenn man dann erstmal wieder auf dem Parkett des Rautenkranzes steht, überfällt es einen, das Faschings-Fieber.