Die Saalebrücke bei Tippels-kirchen war und ist Motiv zahlreicher Fotografien. Der Calbenser Heimatfreund Ernst Kuhnert kannte sie unter ihrem einst gebräuchlichen Namen "Wilhelmbrücke". Auf einem historischen Foto entdeckte er schließlich den Namen Hindenburgbrücke. Ein gedrucktes Versehen?

Tippelskirchen. "Wer sich diese Aufnahme ansieht, erkennt doch darauf unsere alte Wilhelmbrücke", sagt Ernst Kuhnert und hält die Schwarz-Weiß-Kopie einer historischen Postkarte in seinen Händen. Davor sind Akteure des damaligen Calbenser Ruderklubs in einem Boot auf der Saale zu sehen, Datum leider unbekannt. "Mir ist völlig fremd, dass diese Brücke einmal den Namen Hindenburgs trug", sagt der rüstige Rentner. Mit über 80 Jahren ist der Calbenser noch immer sehr an der Historie seiner Heimatstadt interessiert. "Vielleicht ist es ja nur ein gedruckter Irrtum?" Ein Rückblick: Ortschronisten sind überzeugt, dass der berühmte Schalk Till Eulenspiegel an Stelle der heutigen Brücke einst auf einem Seil über die Saale balancierte, ein Denkmal erinnert heute noch daran. Gesichert ist, dass es an dieser Stelle einst eine Fährstation gab. In den Aufzeichnungen von Heimatforscher Horst Dieter Steinmetz ist nachzulesen, dass nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 das zeitraubende Übersetzen bei wachsendem Straßenverkehr nicht nur als unzeitgemäß, sondern auch als rückständig empfunden wurde. Der Bau einer Brücke war existenzwichtig für Calbe geworden. Eine rund 106 Meter lange, auf zwei Landpfeilern ruhende Eisenjoch-Brücke wurde in Auftrag gegeben. 1880 montierte die Hütte "Gute Hoffnung" aus Oberhausen an der Ruhr die so genannte Prinz-Wilhelm-Brücke. Der preußische Prinz Wilhelm, der acht Jahre später deutscher Kaiser wurde, weihte diese Brücke anlässlich eines Jagdausfluges in die Gottesgnadener Feldmark am 16. Dezember 1880 feierlich ein, heißt es bei Steinmetz weiter. Bis zum 1. Juli 1907 wurde von den Nutzern der Brücke eine Art Maut gefordert, die ein Brückenwärter einkassierte. Am 13. April 1945 wurde die Brücke zerstört. Es trat wieder eine Behelfsfähre aus Fischerkähnen an deren Stelle, die im Herbst 1946 ihren Betrieb aufnahm. Dass die Brücke zuvor auch auf den Namen des Reichspräsidenten Paul von Hindeburg getauft wurde, sei nach der Revolution von 1918 durchaus möglich, sagt Hanns Schwachenwalde vom Heimatverein. Dennoch habe er von dieser Namensgebung bisher noch nichts gehört. Horst Dieter Steinmetz ist sich ebenfalls nicht hundertprozentig sicher, doch: "Gehört habe ich davon schon. Ich schätze, dass sie in der Zeit des Nationalsozialismus so genannt wurde."

Nach deren Zerstörung wurde 1952 die sogenannte Friedensbrücke dem Verkehr übergeben, die zuvor in Einzelteilen vom unvollendeten Kanal zwischen Halle und Leipzig dorthin verbracht wurde. Die Abfahrt hinab von der Nienburger Straße wurde ausgehoben. Zuvor führte der Weg über den Fährweg.

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