Die Klagen am Volksstimme-Telefon über die Unsauberkeit in den Straßen Schönebecks häufen sich. Die Anrufer fürchten sogar um den deutschlandweiten Ruf der Stadt, den enttäuschte Kurgäste weitertragen könnten. Eine Leserin ist überzeugt, dass es eine innerstädtische Kampagne geben muss. Bei diesem Thema, sagt sie, sollte sich jeder angesprochen fühlen.

Schönebeck (fm). Graubrücken nennt der Autor Erik Neutsch im ersten Buch einer vierteiligen Roman-Serie eine Stadt, in der unschwer Schönebeck zu erkennen ist. Neutsch, selbst gebürtiger Schönebecker, zeigt mit dieser Namensgebung offensichtlich auf, dass seine Heimatstadt auf ihn nicht eben einen bunten Eindruck macht. Vielleicht war das zu DDR-Zeiten industriell geprägte Schönebeck damals in der Tat noch grauer als andere, vergleichbare Städte. Ansichtssache. Doch ist Schönebeck heutzutage - mit einem oft beklagten Mangel an Industrie - auch schmuddeliger als andere Städte?

Volksstimme-Leserin Monika Uhlstein meint: Ja. "Ich hatte jetzt Besuch von ehemaligen Schönebeckern. Sie versicherten mir, dass sie die Stadt so dreckig noch nie gesehen haben", berichtet sie am Leser-Telefon und spricht von unglaublich vielen "Tretminen", von weggeworfenem Papier, von Zigarettenstummeln, die allerorten herumliegen. "Hier ist wirklich einmal eine Kampagne nötig, um die Leute wachzurütteln. Das müssen wir massiv angehen", betont Monika Uhlstein. Daran sollte sich auch die Stadtverwaltung beteiligen, in dem zum Beispiel entlang der großen Straßen (Friedrichstraße, Hellge-Straße, Geschwister-Scholl-Straße) die Kehrmaschinen lieber einmal öfter fahren. Hilfreich könnte es auch sein, wenn Container für die allgemeine Müllbeseitigung aufgestellt würden. Dafür sei die Stadt schließlich da. "Das Problem können wir nicht schleifen lassen", so die Schönebeckerin ausdrücklich. Es müsse auch geklärt werden, wer die Straßenabschnitte vor den leerstehenden Häusern und vor den innerstädtischen Industriebrachen säubert. Sie nennt hier als Beispiel die Schillerstraße, mit den seit Jahren leerstehenden Gebäuden des einstigen Gummiwerkes. Monika Uhlstein: "Wir sind keine schöne Stadt. Okay. Aber wird sind eine dreckige Stadt. Und das ist schlimm." Ihr Appell an alle Bürger: Nur schimpfen reicht nicht. Selbst aktiv werden ist unumgänglich.

Ähnliche Meinungsäußerungen erreichten die Lokalredaktion der Volksstimme insbesondere in den vergangenen Wochen mehrfach. Die Straßen der Stadt seien schmutzig, noch schmutziger als früher. Vor allem in Anbetracht des Kurbades in Bad Salzelmen sei das ein absolut unhaltbarer Zustand, meint Brigitte Nowack. Sie befürchtet, dass Kurgäste einen schlimmen Eindruck von der Stadt bekommen und dieser dann bundesweit die Runde macht.

Doch wie positioniert sich die Stadtverwaltung zum Thema? Sind diese Beschwerden im Rathaus bekannt? Nehmen sie zu? Wie sieht die Zielvereinbarung mit dem Bauhof aus - wie die Touren des Bauhofs? Gibt es Probleme nach dem Winter bei der Stadtreinigung? Gibt es spezielle Auflagen für Kurstädte, was Ordnung und Sicherheit angeht?

Pressesprecher Hans-Peter Wannewitz: "Die Anfragen sind komplex und kaum mit ¿nackten\' schriftlichen Antworten zu beantworten." Er schlägt einen Gesprächstermin mit Ordnungsamtschef Waldemar Liedicke vor. Vielleicht ist das ja der Beginn der eingeforderten Sauberkeits-Kampagne.