Wann ist der richtige Zeitpunkt, zwischen Sekundarschule und Gymnasium zu wählen? Ist mit dieser Entscheidung der weitere Bildungsweg eines Schülers vorbestimmt? Zu diesen und weiteren Fragen diskutierten Kultusministerin Birgitta Wolff und Landtagskandidat Kay Barthel (beide CDU) mit einer ebenso kleinen wie sehr engagierten Gesprächsrunde.

Calbe. Gepflegte Stammtischatmosphäre herrschte am Mittwochabend in der Gaststätte Nordmann. Lediglich sieben Gäste saßen mit den beiden Christdemokraten am Tisch. Dort zeigte sich, dass die Qualität nichts mit der Quantität einer Veranstaltung zu tun haben muss.

"Wir brauchen Ruhe und Kontinuität in Schullandschaft"

"Was wir in unserer heutigen Schullandschaft brauchen, ist Ruhe und Kontinuität", sagte CDU-Stadtrat Alexander Sieche. Der Fördervereinsvorsitzende des Friedrich-Schiller-Gymnasiums sprach sich gegen ein "ständiges Herumdoktern" am Schulsystem im Land aus. "Es ist weniger eine Frage des Systems als der Motivierung von Schülern und Lehrern. Ein gewisser Ansporn muss geschaffen werden", ist Sieche überzeugt. Der Stadtrat streifte zudem die weitere Entwicklung der beiden Grundschulen in Calbe. "Nur langsam steigt bei den Fraktionen die Bereitschaft, sich mit der langfristigen Schließung einer Einrichtung auseinanderzusetzen", sagte Sieche.

"Sie haben durchaus die Möglichkeit, etwas Visionäres zu gestalten, beispielsweise in der Zusammenlegung auf Trägerebene", meinte die 45-jährige Kultusministerin.

Unter anderem stand die Frage im Raum, ob die Schullaufbahnempfehlung nach der vierten Klasse nicht zu früh Kindern den Weg entweder für die Sekundarschule oder das Gymnasium vorgibt. "Wir leben nun mal in einer Wissensgesellschaft. Es ist festzustellen, dass es zu einer Leistungsentwöhnung kommt, wenn Schüler nicht frühzeitig gefordert werden", sagte Birgitta Wolff. Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) fordere beispielsweise einen Studierendenanteil von 40 Prozent. "30 Prozent aller Hochschulzugangsberechtigungen kommen nicht über das Gymnasium", stellte Wolff im gleichen Atemzug heraus. Daher sollte sich nicht nach Abschlüssen, sondern mehr nach Anschlüssen bei der Gestaltung von Bildungswegen orientiert werden. Die Wirtschaftswissenschaftlerin verwies zudem auf die soziale Verantwortung von Unternehmen als Teil der Gesellschaft. Diese müssten beispielsweise auf Praktikaangebote und Ausbildung setzen und nicht ein- fach fertige Fachkräfte anfordern.

Erhard Kiel, Leiter des Friedrich-Schiller-Gymnasiums, sowie alle anderen verwiesen darauf, dass dem Elternhaus in der Vermittlung von Bildung eine elementare Rolle und Verantwortung zukomme. Kiel sowie Stellvertreterin Marlis Fischer bemängelten zudem den zunehmend bürokratischen Aufwand, der auf Schulen laste. Dieser Problematik stimmte Wolff mit Bezug auf das Landesverwaltungsamt in aller Deutlichkeit zu.

 

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