#NULL#Musik, Literatur, Theater und sportliche Darbietungen - das Programm der Benefizgala im Schönebecker Gymnasium am Donnerstag war vielfältig. Der rund vierstündige Abend vor 200 Gästen stand unter dem Motto "Zusammen ist man weniger allein" und verteidigte den Schultitel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Der Erlös kommt der Stolperstein-Aktion in Schönebeck zugute.

Schönebeck. 800 Euro. Das ist der stattliche Erlös der Benefizgala "Zusammen ist man weniger allein" des Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums. Die Schülerinnen und Schüler sind nicht für sich selbst aufgetreten, haben Stücke rezitiert, Theater gespielt, Musik oder Sport vorgeführt. Sie spenden den Erlös an die Stolperstein-Aktion in Schönebeck. Nicht nur zur Freude von Reinhard Banse: "Das war die beste Veranstaltung, die ich je gesehen habe", sagt der Initiator für die Erinnerungsorte an Menschen jüdischen Glaubens, die in der Elbestadt während der Naziherrschaft verfolgt, verschleppt und umgebracht worden sind. Reinhard Banse schwärmt geradezu: "Was die Schüler geleistet haben, ist außergewöhnlich. Alle haben sich mit ihren Begabungen eingebracht." Beim Kulturabend berichtete er, dass sich in Schönebeck die Arbeitsgruppe Zedakah (hebräisch: Gerechtigkeit, Wohltätigkeit) für die Stolpersteine einsetzt.

Dieses Anliegen trifft direkt auf ein Profil der Bildungseinrichtung. Denn das Gymnasium ist seit 2008 mit dem Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" versehen. Das ist ein Projekt von und für Schüler, die gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, aktiv vorgehen und einen Beitrag zu einer gewaltfreien, demokratischen Schule - und Gesellschaft - leisten wollen. "Regelmäßig muss die Schule darstellen, wie sie dieses Projekt mit Leben erfüllt", sagt Ulrike Prill, Lehrerin in der Fachschaft Sozialkunde und verantwortlich für die Organisation des Abends. Im Herbst 2010 sei die Idee gekommen, eine Kultur-Gala zu veranstalten und das Geld für die Stolpersteine zu sammeln. "Verinnerlicht man die Idee von Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage, dann ist es uns geradezu ein Bedürfnis, die Stolperstein-Aktion zu unterstützen", erklärt Ulrike Prill.

Mit dem Schulprofil seien an der Schule zwar nicht neue Arbeitsgruppen entstanden. Vielmehr, so die Lehrerin, würden die Schüler den Blick dafür schärfen, in welche Bereiche des öffentlichen Lebens ihrer Stadt, der Gesellschaft überhaupt, sie sich einbringen könnten. Gezielte Aktionen anstelle von Aktionismus. Ulrike Prill: "Dazu gehört, dass die Schüler mit Politikern ins Gespräch kommen. Sie besuchen Landtag oder Bundestag. Und sie nehmen an wichtigen Veranstaltungen, wie den Gedenkfeiern zum 9. November teil." Da passt ein Kulturabend, an dem alle - von der fünften bis zur zwölften Klasse - zeigen, was sie können. "70 Schülerinnen und Schüler gestalten die Programmpunkte, noch einmal 50 weitere im Hintergrund organisieren Technik, Bühne und Verpflegung", berichtet Ulrike Prill. Jeder könne etwas, habe ein besonderes Talent, das möglicherweise das Gegenüber begeistere und für sich einnehme. "Man lernt die Schüler aus einer ganz anderen Perspektive kennen." So lebe man den Gedanken von "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ganz konkret: Überzeugungskraft anstelle von Ausgrenzung. Schon im Kleinen, in der Schule.

Das strahlt aus und begeisterte die Zuschauer, nicht zuletzt die Ehrengäste wie Bernd Lüdkemeier. "Junge Menschen machen sich Gedanken. Sie fragen, wie die Schule sein soll, in die sie gehen. Sie beleben durch Eigeninitiative und bürgerschaftliches Engagement den Mikrokosmos Schule", so der Direktor der Landeszentrale für Politische Bildung in Sachsen-Anhalt, Träger von "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage".

Damit würden sie ganzheitlich gebildet und auf die Verantwortung in der Gesellschaft, ihre Forderung nach Flexibilität und Mobilität verbunden mit Toleranz und Weltoffenheit vorbereitet.

850 Schulen in Deutschland beteiligen sich an dem Projekt, in Sachsen-Anhalt sind es 58. Bernd Lüdkemeier: "Die Entwicklung zeigt, Sachsen-Anhalt hat eine Erfolgsgeschichte junger Leute, die Verantwortung für sich und ihr Umfeld übernehmen." Schönebeck sei Teil davon und es sei gut, dass mit der Hilfe der Schüler die Stolpersteine in der Stadt verlegt werden können.

 

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