Ein "Rathaus-Center" nach dem groben Vorbild der Hackeschen Höfe in Berlin - das ist einer der Vorschläge, die eine Beratungsfirma Schönebeck zur Entwicklung des Einzelhandels in der Innenstadt gemacht hat. Am Montagabend stellte sie im Bauausschuss eine Expertise vor.

Schönebeck. Der Einzelhandel in Schönebecks Innenstadt ist in seiner jetzigen Form nicht konkurrenzfähig. Zu dem Ergebnis kommt das Gutachten einer Beratungsfirma aus Leipzig, die die Stadt beauftragt hat. "Zwar liegt die Kaufkraft im Vergleich zu benachbarten Städten im Durchschnitt, aber der Umsatz ist deutlich niedriger als etwa in Zerbst, Burg oder Staßfurt", erklärte Büroleiter Dr. Eddy Donat am Montag vor den Mitgliedern des Stadtplanungs-, Bau- und Umweltausschusses.

Für ein Gutachten hatte die Firma sowohl die Rahmenbedingungen und die Aufstellung des Einzelhandels in der Innenstadt geprüft als auch 200 Besucher sowie Experten befragt.

Die Ergebnisse zeichnen nicht ausschließlich ein negatives Bild. Denn die Schönebecker Innenstadt hat der Expertise zufolge durchaus Entwicklungsmöglichkeiten. "Vom Kaufkraftpotenzial fließen 14 Prozent nach außen ins Umland ab", erklärte Donat. Diesen Anteil könne man zurückgewinnen - und vielleicht sogar darüber hinaus neuen Zufluss generieren.

Wie das funktionieren könnte, dazu machte er mehrere Vorschläge. Ein Grundgedanke: Das Innenstadtgebiet solle zwei Magneten haben, die durch die Salzer Straße verbunden sind: den Marktbereich auf der einen Seite, die Schillerstraße auf der anderen. Mit Magnet meint Donat eine Ballung von Geschäften, die Käufer aus Schönebeck und dem Umland anziehen.

Zwei Magneten sollen Besucher anziehen

Eines davon soll ein Einkaufszentrum im Gebiet des ehemaligen Gummiwerks in der in der Schillerstraße bilden. Wie der zuständige Planer Boris Krmela erklärte, wolle man dort Geschäfte ab einer Verkaufsfläche von 400 Quadratmetern einziehen lassen. So soll erstens verhindert werden, dass die kleinen Geschäfte in der restlichen Innenstadt in die Schillerstraße abwandern oder überflüssig werden. Zweitens soll so der Bedarf an Einzelhandelsgeschäften gedeckt werden, die im Zentrum bisher kaum oder gar nicht vorhanden sind, wie zum Beispiel Elektromärkte, Sport- oder Bekleidungsgeschäfte.

Denn laut Gutachten gibt es in Schönebecks Innenstadt überdurchschnittlich viele Lebensmittelgeschäfte, dafür aber zu wenige Läden im Bereich des sogenannten mittelfristigen Bedarfs. In das Einkaufszentrum will ein Investor aus Niedersachsen 7,6 Millionen Euro stecken.

Für den zweiten Magneten, den Markt-Bereich, gibt es hingegen noch keine konkreten Pläne, ob dieser durch einen oder mehrere Investoren gebildet werden könnte und wie genau dieser Magnet überhaupt aussehen soll. Als ein denkbares Modell schlug Dr. Eddy Donat am Montag ein "Rathaus-Center" vor. Dabei gehe es weniger um ein überdachtes Einkaufszentrum. Vielmehr würde man mehrere Geschäfte rund um das Rathaus räumlich miteinander verbinden - nach grobem Vorbild der Hackeschen Höfe in Berlin.

Als andere Möglichkeit zeigte Donat eine Art moderiertes Management auf, bei dem die bestehenden kleinen Geschäfte gemeinsam ihr Angebot und die Rahmenbedingungen verbessern könnten, zum Beispiel durch bessere Zuwegungen oder gemeinsame Stellplätze.

Bei beiden Varianten sollen die bestehenden kleinen Geschäfte und ihr besseres Zusammenwirken das Hauptaugenmerk bilden. Durch die großen Fachmärkte in der Schillerstraße und die kleinen Geschäfte in der Salzer Straße und im Bereich Markt wolle man Kopplungseffekte nutzen. Wer sich zum Beispiel in einem großen Bekleidungsgeschäft ein neues Outfit zulegt, kann anschließend noch beim kleinen Juwelier ein paar hundert Meter weiter nach einer passenden Kette suchen.

Durch die räumliche Trennung von kleinen und großen Geschäften soll laut Vorstellung von Donat kein Bereich des Innenstadtgebiets zwischen Marktplatz und Schillerstraße auf der Strecke bleiben. Eine große Rolle im gesamten Gebiet spielen die Parkplätze. Davon müsse es künftig mehr geben.

Innenstadt soll an Flair gewinnen

Durch Einkaufszentrum und Co. soll die Schönebecker Innenstadt auch an Flair gewinnen. Denn dies ist laut Gutachten ein weiteres Manko. Bei der Befragung gab mehr als die Hälfte an, eher negative oder gar negative Assoziationen mit der Innenstadt zu verbinden. Attribute wie dreckig, trostlos und grau wurden häufig genannt.

Aus den Ergebnissen der Expertise wird nun für den Stadtrat Ende April eine Beschlussvorlage verfasst. Die Planung für das Einkaufszentrum Schillerstraße ist bereits weiter: Am 10. März wird über die Auslegung des Bebauungsplans entschieden. Insgesamt ist die Betrachtung des Einzelhandels jedoch nur ein Baustein eines städtebaulichen Quartierskonzepts zur Stärkung der Altstadt. Dieses soll Mitte des Jahres vorgestellt werden.