Schönebeck. Ein Privatinvestor ist auf dem besten Weg, die Baugenehmigung für ein Einkaufszentrum in der Schillerstraße zu erhalten. Im Hauptausschuss am Dienstag wurden die Auswirkungen auf Schönebecks Altstadt diskutiert.

Hauptnutzer des Einkaufszentrums soll Rewe werden. Der will seinen Standort in der Altstadt aufgeben und in ein großes Supermarktgebäude im baulichen Stil einer Markthalle ziehen. Vorverträge mit dem Investor bestehen bereits. In dem Komplex sollen sich weitere Fachmärkte mit einer Mindestverkaufsfläche von je 400 Quadratmetern ansiedeln. So wollen die Planer die Läden in der Altstadt schützen. Eine Beratungsfirma hat verschiedene Ideen entwickelt, um im Marktbereich einen zweiten Kundenmagneten zu schaffen, sodass der Einkauf im großen Center mit einem Besuch der kleinen Geschäfte verbunden wird (Volksstimme berichte-te).

Dass das funktioniert, daran glaubt Christian Jung, Mitglied der Fraktion Rettet die Altstadt und beratendes Mitglied im Hauptausschuss, nicht. "Die Leute fahren zu Rewe, sacken alles ein und verschwinden wieder", vermutete er und brachte seine Skepsis auf den Punkt: "Wenn wir die Kaufkraft an ein anderes Ende ziehen, ist das ein Todesstoß für die Altstadt."

Baudezernent Guido Schmidt hingegen bezeichnete die geplante Ansiedlung auf dem Gebiet des alten Gummiwerks als Glücksgriff. "Der Mietvertrag mit Rewe läuft aus", erläuterte er. Die Supermarktkette habe ein besseres Konzept verlangt. Komme man dem Wunsch nicht nach, würde Rewe weggehen.

Stadtplaner Michael Gremmes sieht auch unabhängig davon eine Chance in dem Einkaufszentrum: "Verkaufs- flächen in dieser Größenordnung geben die bisherigen Rahmenbedingungen nicht her", erklärte er. Im Bauausschuss einen Tag zuvor hatte Sven Ellert vom Amt für Wirtschaftsförderung darauf hingewiesen, dass es entsprechende Anfragen bereits gegeben habe.

Man könnte doch einen Investor suchen, der das Gebiet hinter der Salzer Straße bebaue, schlug Jung vor. "Wir können uns die Investoren aber nicht so backen, wie wir sie möchten", entgegnete Schmidt.

Markus Baudisch (CDU) stellte fest, dass die wahre Konkurrenz für die Altstadt gar nicht die Schillerstraße sei, sondern Magdeburg. "Nach einem Einkaufsbummel im Bördepark oder im Allee Center, kauft man nicht noch seine Wurst in Schönebeck."

Arnold Krüger (UWG/Grüne/Schall) ging auf das Stadtbild ein: "Wir können froh sein, dass jemand kommt, der dieses kontaminierte Gelände bearbeitet." Zudem sei man in der glücklichen Lage, dass die Landesanstalt für Altlastenfreistellung bereit wäre, diese Entsorgung zu 100 Prozent zu fördern", ergänzte Schmidt.

"Es sieht so aus, als ob das Einkaufszentrum kommt", hielt René Wölfer (SPD) fest. Nun sollte man sehen, dass man die restliche Situation im Blick behalte. "Das Bahnbrückental muss zum Beispiel attraktiver werden." Dafür wünsche er sich mehr Transparenz hinsichtlich der Pläne von Investoren.

In einer gesonderten Stadtratssitzung am 10. März wird über den nächsten Schritt entschieden: darüber, ob der Bebauungsplan öffentlich ausgelegt wird.