Für eines der größten Bauprojekte der Stadt Schönebeck in den vergangenen Jahren wurde gestern der Startschuss gegeben. Für rund vier Millionen Euro lässt die Städtische Wohnungsbau GmbH das Grundstück am Markt neu bebauen. Dort entstehen Geschäfts- und Wohnräume. In einem Jahr soll bereits Einweihung sein.

Schönebeck. Geht es allein nach der Vermietung der neuen Räume, dürfte die Geschäftsführerin der Städtischen Wohnungsbau GmbH (SWB), Sigrid Meyer, zufrieden in den Schlaf finden. Für 29 der 30 Wohnungen liegen bereits Anmeldungen vor. "Und um die letzte Wohnung mache ich mir auch keine Sorgen", so Sigrid Meyer gestern zum ersten Spatenstich für das millionenschwere Bauprojekt.

Das war nicht immer so. Zunächst musste Schönebecks Oberbürgermeister die SWB vor gut zwei Jahren überreden, sich um das Filetstückchen im Herzen der Altstadt zu kümmern. Dort klaffte eine unansehnliche Baulücke, nachdem ein dänischer Investor nach dem Abriss des "Alten Kaufhauses" das Handtuch geworfen hatte.

Als dann nach einem Architektenwettbewerb der 1. Preis öffentlich vorgestellt wurde, schlugen die Wellen erneut hoch. Es gab nicht nur Zustimmung, sondern auch Empörung und brachte Sigrid Meyer um den Schlaf. Doch diese Diskussion im Vorfeld war notwendig. Als "Ufo" bezeichneten die Leser den weißen Bau an der Ecke zum Markt. "Und ich freue mich, dass ein Ufo am Markt niedergeht", nahm Schönebecks Oberbürgermeister Hans-Jürgen Haase den gespieten Ball der Bürger auf.

Er betonte, dass die Stadt mit dem Neubau ein Zeichen in der Altstadt setzen werde und bedankte sich für den Mut der Städtischen Wohnungsbau GmbH, dieses Objekt in dieser Konsequenz durchzuführen. "Wir leben im Jahr 2011 und nicht 1899", so Haase auf die vor einem halben Jahr immer wieder geäußerten Vorwürfe.

Als zeitgemäße und langlebige Architektur beschrieb Architekt Burkhard Przyborows-ki das Wohnhaus. "Ja, was wir hier gestaltet haben, ist nicht alltäglich. Aber wir wollen es so."

Sigrid Meyer bezeichnete den Marktneubau als "Zündschnur für weitere Investitionen" im Bereich der Innenstadt. Sie gab zwar zu, dass ihr die Entscheidung damals zum Neubau nicht leicht gefallen ist, heute aber beweisen Zeichnungen und Modelle des Magdeburger Architekturbüros Kirchner und Przyborows-ki, dass "wir uns richtig entschieden haben". Neben 30 Zwei- und Dreiraumwohnungen werden vier bis fünf Gewerbeeinheiten entstehen. Fahrstühle und moderne Wohnungen sollen die Mieter in die Innenstadt locken. Für Spaziergänger wird der Neubau offen gestaltet, so dass die zwischen Volkshochschule und Neubau angelegte Grünachse in Richtung Elbe genutzt werden kann.

Vier Millionen Euro kostet der SWB-Neubau. Etwa 600 000 Euro sind Fördermittel vom Land. "Wir haben immer an dieses Projekt geglaubt. Denn die Baulücke im Stadtkern stellte über Jahre einen Funktionsverlust dar", machte Torsten Ganz, Abteilungsleiter im Ministerium für Städtebau, gestern deutlich.

Zum Spatenstich waren auch die zukünftigen Mieter eingeladen. Sie zeigten der Volksstimme bereits mit sicheren Bewegungen, wo ihre Wohnungen entstehen werden. "Wir wohnen jetzt schon in einem schönen Stadtgebiet, im Malzmühlenfeld. Dort ist alles saniert. Aber uns fehlt dringend der Fahrstuhl. Man wird eben auch nicht mehr jünger", sagten die Familien Kiesewetter und Gang im Gespräch mit der Volksstimme. Schon in gut einem Jahr sollen sie und weitere Mieter einziehen können.

Im nächsten Jahr feiert die Städtische Wohnungsbau GmbH ihr 20-jähriges Bestehen. Seitdem wurden in die Wohnungen der Stadt rund 180 Millionen Euro investiert, so Geschäftsführerin Sigrid Meyer.