Eine Hiobsbotschaft macht in Schönebeck ihre Runde. Das Hotel Domicil in der Friedrichstraße soll zwangsversteigert werden. Das laufende Geschäft wird davon jedoch nicht beeinflusst, stellt Besitzer Rainer Gehlhaus klar. Seit 1999 versucht er mit seinem Bettenhaus Touristen und Geschäftsreisende in die Innenstadt zu locken. Eine Grundauslastung konnte er aber nicht erreichen. Jetzt ist offenbar endgültig die Luft raus.

Schönebeck. Hinein und hinaus gehen in das Hotel Domicil in der Schönebecker Friedrichstraße nicht viele Menschen. Ginge es nach dem Besitzer Rainer Gehlhaus, könnten sich seine Hoteltüren weitaus öfter öffnen. Doch die konstante Grundbelegung, die er benötigt, um alle Kosten zu bedienen, hat der Schönebecker bis heute nicht erreicht. Seit 1999 führt Gehlhaus das Bettenhaus in der Innenstadt. Seit 2004 hat er richtig zu kämpfen. Jetzt ist die Luft offenbar ganz raus. Das Gebäude steht zur Disposition. Am 22. März soll es zwangsversteigert werden.

"Es ist nicht leicht für mich", gibt Rainer Gehlhaus im Volksstimme-Gespräch offen zu. Seit Jahren kämpft er um sein "Baby", um "sein Haus". Er führt es schließlich seit Beginn, seit 1999. "Andere Häuser in Schönebeck haben schon öfter Eigentümerwechsel hinter sich", versucht er sich selbst Mut zuzusprechen. "Ich habe das Domicil inzwischen elf Jahr geführt", rechnet er zurück. Steht nun alles vor dem Aus?

Rainer Gehlhaus denkt nicht ans Aufgeben. Doch der 37-Jährige sieht die Situation realistisch. "Schönebeck ist keine Urlaubsregion", stellt er fest. Zwar sei der Kurpark ein touristisches Ziel, aber davon profitiere er nicht. "Schönebeck hat damals zu sehr auf den Tourismus gesetzt", schätzt er aus heutiger Sicht ein. Elberadwanderer gebe es außerdem zu wenige. Gehlhaus habe daher vor allem auf Geschäftsreisende gehofft. "Durch größere Unternehmen, deren Mitarbeiter vom westdeutschen Mutterkonzern bei uns einkehrten, konnte ich unter der Woche eine gute Belegung erreichen", erinnert sich der Hotelkaufmann, der unter anderem den Landmaschinen- hersteller Doppstadt als Kunden hatte. "Da waren schonmal zehn Zimmer pro Woche weg", erklärt Gehlhaus, der 49 Betten in seinem Hotel vermieten kann. Doch dann drehte ihm das Schicksal den Rücken zu.

"Innerhalb eines Jahres war die Auslastung um fast 40 Prozent gesunken", berichtet Gehlhaus. Nicht nur Doppstadt brach für den Unternehmer weg, "vor fünf, sechs Jahren haben zwei größere Kunden ihre Standorte in Schönebeck aufgegeben". Seitdem muss der Schönebecker um jeden Euro kämpfen. "Ich habe Schwierigkeiten, meinen Kredit zu bedienen", gibt er zu. Derweil seien die laufenden Ausgaben wie etwa Personalkosten für die acht Mitarbeiter inklusive Azubi kein Problem.

Für Rainer Gehlhaus ist es keine einfache Situation. Im Volksstimme-Gespräch wirkt er gefasst. "Im Gegensatz zu vielen anderen konnte ich mich darauf einstellen", sagt er im nüchternen Ton. Seit einem Jahr ist der Schönebecker vom Zwangsversteigerer als Geschäftsführer eingesetzt. "Die wissen, dass ich mich kümmere und hier auskenne", bewertet er die Entscheidung. Gehlhaus leitet das Domicil seit über elf Jahren. Er war es, der das Haus in der Friedrichstraße 1999 bauen ließ. "Mein Vater war der Architekt", erinnert sich Gehlhaus. Über die Maßen motiviert sei er damals gewesen, voller Tatendrang und Enthusiasmus. Jedoch, das sagt er aus heutiger Sicht, habe er damals nicht gewusst, dass zur gleichen Zeit ein Hotel im vergleichbaren Segment in Schönebeck im Kurpark entsteht. "Zwei Bettenhäuser in dieser Preisklasse sind für Schönebeck zu viel", schätzt er ein. "Man benötigt eine Mindestauslastung", erklärt der Hotelkaufmann. Und genau die habe er nicht - und zwar seit Jahren nicht.

Das macht sich schließlich bemerkbar. Investitionen, zum Beispiel in die Vermarktung, konnten kaum getätigt werden. Vielmehr lief es darauf hinaus, dass Gehlhaus sein Objekt in Schönebeck sogar quersubventionierte mit einem weiteren Hotel in Lehrte bei Hannover. "In Lehrte läuft es gut, und so habe ich dann auch den Überschuss für Schönebeck genutzt", gibt Gehlhaus zu. Dass das aber nicht der Sinn der Sache sei, ist dem Unternehmer bewusst. Für ihn heißt die Devise jetzt mehr oder weniger "abwarten". Der Termin für die Zwangsversteigerung ist für Dienstag, dem 22. März, um 11 Uhr anberaumt. Angegeben wird das viergeschossige Gebäude in der Friedrichstraße mit einem Verkehrswert von 868 000 Euro.

"Ich selber kann nicht mitbieten", sagt Gehlhaus. Mehrere Ideen habe er schon in Gedanken durchgespielt. Fest stehe noch kein Entschluss. Derweil läuft im Hotel Domicil alles wie gewohnt, betont Gehlhaus. "Viele Kunden rufen an und fragen, ob denn die geplanten Veranstaltungen trotzdem stattfinden", berichtet der Geschäftsführer. Er beruhigt: "Ja, es läuft alles so weiter wie bisher."