Mitten in Biere plant ein niederländisches Unternehmen, eine landwirtschaftliche Biogasanlage samt einem Blockheizkraftwerk zu errichten und zu betreiben. Gegen das Vorhaben regt sich jetzt heftiger Widerstand. Während der Gemeinderatssitzung äußerten rund 30 Bürger ihren Unmut, der sich auch gegen die Gemeindeverwaltung richtet.

Biere. "Ich bin 1994 von Magdeburg nach Biere gezogen, um auf dem Land dem lauten Großstadttrubel zu entgehen. Und nun so was", machte Albert Stamm seinem Ärger Luft. Mit seiner Ablehnung gegen den geplanten Bau einer Biogasanlage war er im Bürgersaal der Gemeindeverwaltung nicht allein. Weitere Bie-rer befürchten herbe Einschnitte für ihre Lebensqualität.

Ein Rückblick: Am 9. Februar ging Bördelands Gemeindeverwaltung ein Schreiben des Salzlandkreises zu, in dem die Vertreter aufgefordert werden, die planungsrechtliche Zulässigkeit des Baus innerhalb von zwei Monaten zu prüfen. Demnach beabsichtigt die niederländische Van der Velde Agrar GmbH auf der einstigen LPG-Fläche in der Reformstraße den Bau einer Biogasanlage samt eines Blockheizkraftwerkes mit einer Leistung von 499 Kilowatt. Ein Großprojekt, bei dem Bürger massive Lärm- und Geruchsbelästigungen befürchten.

"Schafft der informierte Bürger Unruhe?"

Lange habe man den Bierern diese Information vorenthalten, empörte sich Helmut Bartlog im Rahmen der Einwohnerfragestunde und richtete seine Kritik vor allem in Richtung von Bürgermeister Bernd Nimmich. Fakt ist: Am 22. Februar wurden Bierer Ortschaftsrat und Gemeinderäte in einer internen Sitzung über das Vorhaben informiert. Eine Ortsrätin hatte dabei empfohlen, so Bartlog, eine Einwohnerversammlung durchzuführen. Sowohl Orts- als auch Gemeindebürgermeister hätten darauf mit Ablehnung reagiert. Bartlog stellte energisch die Frage, ob den Bürgern ihre nach Baugesetzbuch vorgeschriebene Bürgerbeteiligung willentlich und wissentlich vorenthalten wurde. "Und das mit der Begründung, man wolle keine Unruhe", sagte Bartlog. "Da muss man sich doch fragen: Schafft der informierte Bürger Unruhe?"

Bartlog sieht neben der Beteiligung der Bürger nach dem Baugesetzbuch zuallererst die Unterrichtung der Öffentlichkeit als oberste Prämisse bei einem solchen Vorhaben an. Dieser Pflicht seien die Verantwortlichen in keinster Weise nachgekommen. Der Bau der Biogasanlage könne nur realisiert werden, wenn öffentlichen Belangen nichts entgegen stehe. Er ließ offen, ob dies beim Bau der Anlage mitten im bebauten Wohngebiet realistisch sei. "Viele von uns arbeiten im Schichtbetrieb, da wäre Lärm das Schlimmste, was wir kriegen können", sagte eine Anwohnerin laut. "Außerdem verlieren unsere Grundstücke an Wert."

Gemeinderatsvorsitzender Dr. Joachim Renning hatte aufgrund derartiger empörter Zwischenrufe sichtlich Mühe, die Sitzung in geordneten Bahnen zu halten. Bernd Nimmich machte deutlich, dass das Vorhaben zuerst von einem Juristen fachkundig geprüft werden müsse. "Wir sind bei einem solchen Verfahren keine Experten", so das Gemeindeoberhaupt. Rückendeckung von Großmühlingens Ortsbürgermeisterin Ute Möbius: "Wir wissen alle, dass die Prüfung solcher Verfahren Zeit braucht." Nimmich machte ebenfalls deutlich, dass sich der Bierer Ortschaftsrat gegen eine Errichtung positioniert habe. Der Gemeinderat als nächsthöheres Gremium habe bisher noch nie gegen die Ortschaftsratsmeinung gestimmt.

Am Dienstag, dem 15. März, werde sich der Gemeinderat auf einer weiteren Veranstaltung öffentlich positionieren. "Auf ihnen liegt eine große Verantwortung", mahnte Helmut Bartlog abschließend.