Gnadau/Felgeleben. Eine "Radau-Veranstaltung" war das Treffen gestern Nachmittag nicht. Einwohner des Stadtteiles sowie aus Sachsenland und Bad Salzelmen kamen fast eineinhalb Stunden lang mit Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens (CDU) zusammen. Zuvor war der Minister in Gnadau und diskutierte mit Jens Strube und den Ortsteilbürgermeistern. Sie alle einte ein Thema: das Grund- und Drängwasser in der Region.

Ausführlich erläuterte der Minister die gegenwärtige Situation, die erhöhten Niederschlagsmengen in den vergangenen vier Jahren und die Folgen des Hochwassers. "Für das Ansteigen des Grundwassers gibt es aber noch weitere Ursachen. Dazu zählen die niedrige beziehungsweise eingestellte Grundwasserentnahme, das Wiedereinstellen des ursprünglichen Grundwasserspiegels und die Versiegelung von Flächen", so Aeikens. All das hinterlasse nun "nasse Spuren".

Aus diesem Grund wurden nicht nur sieben Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, sondern auch ein Pilotprojekt "nicht nur für die Stadt Schönebeck, sondern auch über die Grenzen hinaus", wie Aeikens es noch einmal deutlich feststellte.

Bis zum Sommer müsse eine "saubere Analysebetrachtung" erstellt werden, danach können in den Regionen unterschiedliche Maßnahmen, die notwendig sind, diskutiert werden. "Die nächste Frage, die dann auf uns zukommt, ist die Finanzierbarkeit", meinte der Minister sowohl in der Bürgermeisterrunde als auch in Felgeleben. "Wir müssen auch darüber reden, was das Land leisten kann."

Konkret sprach Aeikens die Verschiebung von Haushaltsmitteln aus anderen Bereichen an (Städtebau), den Verzicht auf bestimmte Baumaßnahmen und das Abschöpfen von Fördermitteln, so unter anderem von der EU.

Der Felgeleber Frank Neumann lobte Aeikens, weil er seine Hausaufgaben gemacht hatte. "Doch in Fragen des steigenden Grundwassers besteht ein gemeinschaftliches Interesse, und auch die Bürger sind bereit, hier etwas zuzusteuern", so der Einwohner. Beim Abwasser klappe das, beim Müll und beim Straßenbau. "Warum wird nicht ein Grundwasser-Absenkungs-Verband gegründet?" Auf der anderen Seite, so machte ein Bürger deutlich, werden für die Rettung von Banken und zur Kriegsführung Millionen Euro ausgegeben, aber nicht für die Menschen vor Ort.

Dennoch haben die Betroffenen weiter Angst: Nicht nur vor dem Wasser, sondern auch, dass das Thema mit dem Ende des Wahlkampfes womöglich von der Tagesordnung verschwinden könnte. "Das wird nicht passieren. Das Land wird die Menschen und die Kommunen nicht im Stich lassen", so Gunnar Schellenberger (CDU). Das unterstützte auch Petra Grimm-Benne (SPD) im Gespräch mit der Volksstimme.