Calbe. Allein im Januar waren die Calbenser Blauröcke 5245 Stunden beim Kampf gegen das Hochwasser an der Saale und in benachbarten Kommunen im Einsatz, rund fünf Mal so lang wie im gesamten Vorjahr, führte Calbes erfahrener Ortswehrleiter Uwe Wirth in seinem Rechenschaftsbericht auf der Jahreshauptversammlung am Freitagabend aus. Die Wochen waren eine große physische und psychische Belastung für alle Kameraden. Deutlich wurde aber erneut, wie wichtig die funktionierenden Wehren in Calbe und Schwarz in derartigen Notlagen sind.

Engpass in Finanzierung von Führerscheinen

"Der Hochwassereinsatz war in personeller wie auch in technischer Hinsicht schon etwas ganz Besonderes, ganz ohne Reibereien und Kompetenzgerangel", lobte Bürgermeister Dieter Tischmeyer (parteilos) in seiner Ansprache und über-gab zudem eine Dankesurkunde des Wittenberger Landrates für die Hilfestellung beim Hochwasser im benachbarten Landkreis.

Wirth und Stadtwehrleiter Harald Heinicke forderten in gleichem Atemzug die gesicherte Bereitstellung von finanziellen Mitteln. "Beispielsweise steuern wir seit längerem auf einen akuten Mangel an Spezialisten hin, die den CE-Führerschein für Lkw samt Hänger haben", sagte Wirth. Die Kosten für den Einzelnen seien enorm. Privat nütze dieser Führerschein jedoch kaum jemanden etwas.

"Das koste schon einmal mehrere tausend Euro und muss regelmäßig erneuert werden", bestätigte Gerhart Denkert, Fahrlehrer und Stadtrat ("Unabhängig für Calbe") am Rande. "Geld für derartige Ausbildungen muss über mehrere Jahresscheiben bei der Stadt einfach drin sein", sicherte Stadtrat Sven Hause (Alternative Liste Calbe) in seinem Grußwort Unterstützung zu, ebenso wie Christian Behlau (Die Linke) und Uwe Klamm (SPD), der sich während des Saalehochwassers als Deichwache in Trabitz von den Leistungen der Ehrenamtlichen überzeugte. Dieter Tischmeyer verwies in diesem Zusammenhang auf die Anschaffung eines neuen Einsatzleitwagens in diesem Jahr. Abschnittsleiter Tino Puder ergänzte: "Es handelt sich keineswegs um eine Wunschliste, die für die Feuerwehr gedacht ist, sondern die Sicherung einer für die Gemeinde elementaren Aufgabe."

60 Mal wurden Kameraden alarmiert

Ortswehrleier Uwe Wirth kritisierte ebenfalls die Einführung neuer Digitalfunkgeräte. Die Technik sei bisher aufgrund fehlender Voraussetzungen nur begrenzt einsetzbar und auf die Stadt kämen für den Einbau rund 12 000 Euro zu.

Im vergangenen Jahr wurden die Calbenser Kameraden insgesamt 60 Mal alarmiert und rückten zu 14 Klein-, neun Mittel- und vier Großbränden aus.

Zur Sicherung der Einsatzbereitschaft werde großer Wert auf die Nachwuchsarbeit gelegt, da knapp ein Fünftel aller Kameraden älter als 50 Jahre seien, sagte Wirth weiter. Seit 1961 übernimmt in Calbe die Jugendfeuerwehr die entsprechende Ausbildung des Nachwuchses. Derzeit sind 14 männliche und sieben weibliche Nachwuchsbrandschützer aktiv. Seit 2006 hat die Kinderfeuerwehr die Jüngsten mit Spiel, Spaß und der Vermittlung von Grundlagen des Brandschutzes fest im Visier. Derzeit gehören sieben Jungen und drei Mädchen der Gruppe an.