Hat es das überhaupt schonmal gegeben? Der Rosenmontag trifft auf dem Frauentag. Damen, die sich zu mitternächtlicher Stunde beim Kanufasching im Rautenkranz aufhielten, durften darauf mit einem Glas Sekt anstoßen.

Barby. Ein kalendarisch seltenes Ereignis: Der Rosenmontag ging nahtlos in den Internationalen Frauentag über. Ein Grund für die Faschingskanuten, gegen Mitternacht auf das denkwürdige Zusammentreffen zweier so unterschiedlicher Jubeltage mit einem Glas Sekt anzustoßen. Der Verein hatte alle Damen im Saal dazu eingeladen und einen ausgegeben.

Im Kanufaschingsverein spielen seit jeher Frauen eine bedeutende Rolle. Das beginnt bei den Funken-Tanzgruppen, die in drei Altersklassen auftreten.

Wer dem entwachsen ist, scherbelt auch im reiferen Alter über das Parkett. Das geschieht derzeit in einer Nummer, in der W.A. Mozart eine Gruppe barocker Schönen um sich schart.

Unverzichtbarer Bestandteil eines jeden Programms sind die Auftritte der sogenannten Ratsfrauen. Dabei handelt es sich um echte Gruppenarbeit. Es sind die ältesten Damen des Vereins (was bitteschön relativ zu betrachten ist!), die alle Jahre wieder ein heiter-schräges Programm entwickeln, bei dem auch kommunale Eulenspiegeleien aufgespießt werden. Treibende Kraft ist Marietta Ballerstedt, die die Texte schreibt. Sie hob zusammen mit Angelika Kirchhoff das Format Mitte der 1970er Jahre aus der Taufe. Seitdem ist die Ratsfrauen-Nummer Bestandteil des Programms.

Wobei in den Anfangsjahren die Tratschrunde alter Weiber immer ein herziges Bild abgab. Wenn sie im Tetzlaffschen Sinne ihre Welt erklärten, blieb kein Auge trocken. Als die Nummern zu lang und traaschig zu werden drohten, besann man sich eines probaten Mittels: Tanz und Bewegung. So ist vielen Faschingsbesuchern das schwungvolle Wirken einer Nonnentruppe in guter Erinnerung, die sich vom Kultfilm "Sister Act" mit Whoopi Goldberg inspirieren ließ.

Rita Korinth erinnert sich daran, dass die "Ratsherren-Frauen" in den Anfangsjahren des Vereins weit weniger Bühnenpräsenz zeigten, dafür den Männern die Rücken frei hielten und modische Herausforderungen auf den Weg brachten. Da wird zum Beispiel die Geschichte mit der närrischen Kopfbedeckung erzählt. Und die geht so: In den 60er Jahren durfte die Mutter eines Ratsherren in den Westen reisen. Hier kaufte sie eine handelsübliche Narrenkappe, von der Zuhause ein Schnittmuster angefertigt wurde. In der DDR hatten Handel und Gewerbe ja mit der Absicherung von Grundbedürfnissen zu kämpfen und keinen Sinn für Narrenvereine.

Was man den Chinesen heute im großen Stil nachsagt, geschah damals im Kleinen. Bis dahin trugen die Barbyer Kanu-Narrenhäupter Kappen in militärischer Käppiform. Was sich bald ändern sollte. Die nachgeschneiderten Narrenkappen bestanden aus schwarzem Stoff und wurden erst in den 90er Jahren von handelsüblichen aus dem Faschingsversand abgelöst.

Und noch eine "Frauengeschichte": Mitte der 60er Jahre stand Otto Ebert als Faschingsprinz fest. Was fehlte, war eine Prinzessin. Die ließ sich absolut nicht finden. Kurzerhand schlüpfte Fritz Müller in diese Rolle. Weil der halbe Verein (und das Publikum schon gar nicht) über diese Not-Tra- vestienummer Bescheid wusste, wurden beim Auftritt natürlich Tränen gelacht. Es war die Zeit, als fremde Wanderkanuten Ideen mitbrachten. So eine Gruppe Paddler aus Artern, die ein Lied sang, das 35 Jahre später zu ungeahnten Hitparaden-Höhenflügen ansetzte. Man sang damals "Lebt denn der alte Hanickl noch, Hanickl noch, Hanickl noch." Der Holzmichl ist also keine Erfindung unserer Tage.

   

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