Ein großes Jubiläum feierte gestern der Internationale Frauentag. Ein ganzes Jahrhundert hat dieser mittlerweile auf dem Buckel und eine Wandlung vom politischen Instrument zum Feiertag für die Weiblichkeit. Auch die Chefs im Salzlandkreis schenkten ihren Mitarbeiterinnen neben der verdienten Aufmerksamkeit so manche Kleinigkeit, wie die Volksstimme erfuhr.

Schönebeck. "Da ist irgendetwas im Busch", erzählt Andrea Kosin. Noch habe sie von den Männern im Unternehmen nichts bekommen, erwarte aber jeden Moment etwas, wie die Sekretärin des Abfallwirtschaftsbetriebs Salzlandkreis erklärt. Wenige Minuten später stehen Ralf Felgenträger, Leiter der Betriebsorganisation, und Reinhold Kockx, Betriebskoordinator, mit einer Topfpflanze im Büro. Vom Leiter des Unternehmens, Helmut Ulbrich, kommt kurz darauf noch eine herzliche Gratulation. "Das freut mich", lacht Andrea Kosin. Ein Geschenk von den Männern sei ihr im Prinzip egal, so führt sie fort. "Schließlich beehren die mich jeden Tag."

Auf eine Kleinigkeit von ihrem Vorgesetzten wollte hingegen Christine Lühr nicht verzichten. Die Sekretärin vom Bürgermeister der Einheitsgemeinde Bördeland, Bernd Nimmich, schwärmte von den Kleinigkeiten, die die 20 Frauen im Haus überreicht bekamen: "Jede hat eine kleine Flasche Sekt und Süßigkeiten bekommen. Da lege ich aber auch schon Wert drauf", lacht sie. "Aber unser Bürgermeister denkt ja schließlich in jedem Jahr daran", so die Sekretä-rin.

So richtig vergesslich schien sich an diesem besonderen Tag kein Mann zu zeigen. Allerorts im Salzlandkreis, wo sich die Volksstimme umhörte, wurden die Frauen des Hauses beschenkt. "Darüber freut sich doch jede Frau", meint Claudia Naunapper, "wenn ein Mann an solch ein Datum denkt." In ihrem Unternehmen, der Städtischen Wohnungsbau Schönebeck GmbH (SWB) sind 25 Frauen gegenüber zehn Männern in der Überzahl. Da sollte ein Mann doch lieber etwas schenken, oder? "Ja, das machen die schon seit etlichen Jahren", lacht die Chefsekretärin der SWB. In diesem Jahr habe jede Frau eine Tulpe bekommen, wie Claudia Naunapper bemerkt.

"Auch wir sind in der Überzahl", frohlockt Marion Brehmer. "Die vier Männer bei uns haben die 18 Damen zum Mittag eingeladen", erklärt die Referentin des Staßfurter Oberbürgermeisters Rene Zok. In guter, alter Tradition, wie die Frau erzählt. "Die Männer können sogar Kaffee kochen, der hat richtig gut geschmeckt", scherzt Marion Brehmer, nachdem alle Mitarbeiterinnen noch eine Rose bekommen und an einem mit Tulpen geschmückten Tisch Platz genommen hatten. "Dafür revanchieren wir uns dann aber auch am Männertag und lassen uns etwas einfallen", stellt die Referentin im Staßfurter Rathaus dar.

Der Frauentag als Termin für ein herzliches "Danke schön" an die weibliche Bevölkerung. In seiner über 100 Jahre alten Geschichte war dies nicht immer so. Schließlich warben die Gründer in den Anfangsjahren noch um politische Partizipation. Als nämlich die deutsche Sozialistin Clara Zetkin 1910 für die Einführung eines internationalen Frauentags kämpfte, schloss sich die Forderung der damaligen SPD-Politikerin nach einem einzuführenden Frauenwahlrecht gleich mit an. Schließlich feierte der Frauentag am 19. März 1911 seine Premiere, Zetkins politisches Engagement kulminierte 1919 in der Etablierung des Wahlrechts für die weibliche Bevölkerung. Von den Vereinten Nationen (UN) wurde der Internationale Frauentag im Jahre 1977 auf den 8. März festgelegt.

2011 zeigt sich der Ehrentag natürlich zu großen Teilen unpolitisch - die aktuelle Debatte um eine Frauenquote einmal ausgeklammert. Daher war es gestern für die Herren der Schöpfung mal wieder an der Zeit, der holden Weiblichkeit für so vieles zu danken, mit dem sie ihnen den Tag bereichert.

Manchmal machte ein Mann gestern gar solch ein tolles Präsent, dass die Beschenkten damit hinterm Berg halten wollten. "Ja, mein Chef hat daran gedacht", entgegnet Ramona Bartsch auf die Frage, ob denn an dem Ehrentag der Frau auch an sie gedacht wurde. Ihr Chef Thomas Skrobotz habe sich sogar sehr viel Mühe bei dem Geschenk gegeben, stellt die Sekretärin der Elbe-Stahlbau Schönebeck GmbH dar. Womit der Geschäftsführer der Firma ihr aber genau eine Freude gemacht hatte, hielt Ramona Bartsch geheimnisvoll verschlossen. "Ich finde es wirklich toll, dass er an den Frauentag gedacht hat."

Dass der Internationale Frauentag kein Merkzettel für ein notorisches Pflichtgeschenk ist, empfindet auch Dagmar Eigel von der Gebäudereinigung Dräger in Schönebeck so. "Mein Chef kann mir etwas schenken, ich bin der Meinung, er muss es aber nicht zwingend machen", sagt die Sekretärin vom Geschäftsführer Sebastian Dräger. Auf eine Kleinigkeit scheint sie dann allerdings doch noch zu hoffen: "Bis jetzt kam noch nichts, vielleicht bekomme ich ja noch etwas."

Durchaus gut vorbereitet zeigt sich hingegen der Schönebecker Oberbürgermeister Hans-Jürgen Haase. Seine Sekretärin Christina Barby freut sich am Anfang ihres Arbeitstages über eine kleine Sektflasche. "Meistens denkt er an den Frauentag, ich bestehe aber nicht unbedingt darauf", offenbart sie. "Ich hatte aber das Gefühl, dass das Präsent von Herzen kommt, und das ist letztendlich das Wichtigste." Mit dieser Aussage hätte sich sicherlich auch schon Clara Zetkin vor über 100 Jahren anfreunden können.