Gute Nachricht für die Einwohner der Schönebecker Ortsteile Ranies, Plötzky und Pretzien: Rund 1300 Haushalte können ab sofort schnelles Internet beantragen. Die Telekom als Ausbauer kann DSL mit Bandbreiten von bis zu 16 000 Kilobits pro Sekunde zur Verfügung stellen.

Ranies/Plötzky/Pretzien. Noch vor 14 Tagen fühlten sich die Einwohner der drei ostelbischen Dörfer wie im technischen Mittelalter. "Wenn wir hier eine Seite im Internet aufrufen, kann ich dabei Kaffee kochen", beschreibt Ranies\' Ortsbürgermeister Klaus Maser die Situation. Auch Pretziens Stadtrat Ralf Schneckenhaus (Die Linke) ist auf- gebracht. Nicht nur seine Ver- suche, eine 1000er oder gar 2000er Leitung zu bekommen, scheiterten bisher kläglich. Und dies, obwohl der Telekom-Shop Schönebeck schon vollmundig mit einer blitzschnellen 16 000er Leitung geworben hat. Ralf Schneckenhaus\' Geduld wird mit einer 384er Leitung täglich auf eine Probe gestellt.

Vertrieb und Technik sind bei dem magentafarbenen Platzhirsch zwei unterschiedliche Betriebe. Das sagte gestern zur Freigabe des schnellen Internets für die drei Ortsteile Joachim Fricke von der Telekom. "Es gab da Reibungsverluste, aber wir arbeiten daran." Volksstimme-Recherchen bei Betroffenen in den Dörfern bestätigten diese Aussage.

Eine Grundversorgung mit schnellem Internet im ländlichen Bereich aufzubauen, war das Grundanliegen. Das Land stellte Fördermittel zur Verfügung. Doch damit allein war es nicht getan, denn die Resonanz bei den Firmen, das Netz aufzubauen, hielt sich in überschaubaren Grenzen, berichtete Egbert Tramp von der Wirtschaftsförderung in der Stadtverwaltung. "Wir haben 15 Anbieter angeschrieben, lediglich die Telekom machte uns ein Angebot", so Tramp.

Der freute sich gestern gemeinsam mit Schönebecks Oberbürgermeister Hans-Jürgen Haase. "Dieser Schritt des schnellen Internets ist äußerst wichtig für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in unserer Region. Auch profitieren die Unternehmen und mögliche Neuansiedlungen von Gewerbetreibenden von diesem Standortvorteil", machte der Wirtschaftsförderer deutlich.

Für den Politiker Haase war ein anderer Schwerpunkt von Bedeutung. Er sagte, dass Ranies, Plötzky und Pretzien nun schnelles Internet bekommen haben, sei ein Zeichen, dass Schönebeck die drei Ortsteile nicht "eingenommen" habe, sondern dass dort auch etwas getan werde.

Die umfangreichen Arbeiten an dem Netz haben vor gut einem Jahr begonnen. Planung, Bestellung sowie Montage und Schaltarbeiten wurden gestern nun offiziell abgeschlossen. So mussten nicht nur neue Multifunktionsgehäuse aufgestellt und installiert, sondern auch ein rund zehn Kilometer langes Glasfaserkabel gezogen werden. Allein im vergangenen Jahr hat die Telekom rund 300 Millionen Euro in den Breitbandausbau investiert - der teurer ist: Ein Kilometer Kabelarbeiten im Tiefbau kostet bis zu 50 000 Euro.

Mit dem gestrigen Tag verspricht die Telekom in den drei ostelbischen Dörfern: "1300 Haushalte können sofort schnelles Internet buchen", heißt es in einer Pressemitteilung auf Anfrage der Volksstimme. Das betrifft nicht nur Telekom-Kunden, sondern auch deren Mitbewerber. Dazu die Telekom: "Gemäß der Regulierungsvorschriften stellen wir Resellern und Providern einen diskriminierungsfreien Zugang zu unserem Netz zur Verfügung. Kunden, die derzeit einen DSL-Anschluss bei einem anderen Netzbetreiber haben, müssen sich zur Nutzung des neuen DSL-Netzes an ihren jeweiligen Anbieter wenden. Kunden, die mit ihrem Anschluss zur Telekom wechseln möchten, wenden sich bitte an den Telekom-Kundenberater."

Ortsbürgermeister Friedrich Harwig hob daraufhin ungläubig die Augenbrauen. Er wird es heute ausprobieren.