Skeptische Blicke bei den Lautsprecheransagen, gelangweiltes Scharren mit den Füßen, Telefonanrufe bei der Arbeit - so sah es gestern auf dem Schönebecker Bahnhof aus. Denn auch hier hatte der Bahnstreik seine Wirkung gezeigt.

Von Franziska Richter

Schönebeck. Denise Pflug hat es besonders hart gestroffen, denn sie steht gegen 10 Uhr immer noch auf dem Bahnhof, musste aber um 8 Uhr auf Arbeit in Magdeburg sein. "Meine Chefin ist da zum Glück gnädig", gibt sich die junge Frau relativ entspannt. Gabi Gebert steht direkt neben ihr und läuft ungeduldig auf dem Bahnsteig 3 entlang. Auch sie muss nach Magdeburg zur Arbeit: "Ich habe ja Verständnis dafür, dass sie streiken, aber doch nicht im Berufsverkehr. Das ist doch eine Zumutung", ärgert sich die Schönebeckerin.

"Sie werden was erreichen: Ein paar Prozente mehr Lohn wird es geben"

Obwohl der Streikschwerpunkt in Hannover gelegen haben soll und nicht alle Züge im Salzlandkreis betroffen waren, bekamen die Menschen hier den Streik kräftig zu spüren. Bei den Zügen aus Güsten, Aschersleben und Erfurt gab es ersatzlose Ausfälle. Die S-Bahn und die Züge Richtung Halle hingegen fuhren mit einigen Unregelmäßigkeiten, erklärt ein Bahnangestellter.

Das "große Los" gezogen hat Rebecca Pahlke (17) an diesem Tag: Nachdem sie seit 6.30 Uhr zwei Stunden auf dem Bahnhof in Calbe gefroren hatte, ging sie wieder nach Hause, erfuhr, dass sie wegen des Streiks nicht in ihre Berufsschule in Schönebeck musste und nahm sich daher vor, den Tag mit ihrem Freund in Staßfurt zu verbringen. "Ich bin mit dem Bus nach Schönebeck gefahren und hoffe von hier aus nach Staßfurt zu kommen."

In der Kälte herumzustehen, nervt sie: "Ich bin ja schon erkältet und ich weiß nicht, ob sich mein Immunsystem freut über die Kälte hier", sagt Rebecca.

Zu den persönlichen Unannehmlichkeiten, für die sich die Bahn gestern im Minutentakt auf dem Schönebecker Bahnhof entschuldigte, kommt bei vielen das Verständnis für die Streikenden hinzu: "Mit dem Streik werden sie schon etwas erreichen, ein paar Prozente mehr Lohn wird es schon geben", vermutet Ruth Bajorat.

"Wieso haben Bahnnutzer zu leiden, wenn die Privaten streiken?"

Sie sitzt eingemummelt auf der Wartebank und wartet auf den Zug nach Köthen. Obwohl sie ihre Zugfahrt wegen des Streikes auf 10.20 Uhr verlegt hat, trifft ihr Zug nicht ein. Deshalb hat sie "kein Verständnis, dass man die Leute im Kalten stehen und frieren lässt".

Elke und Hans-Hermann Laube betreten mit den genervten Gesichtern den Bahnsteig Nummer 4, wollen aber die Contenance wahren: "Wir haben uns fest vorgenommen, uns nicht aufzuregen", sagt Hans-Hermann Laube und man sieht ihm an, wie es in ihm brodelt: "Prinzipiell habe ich ja Verständnis dafür, aber wieso haben die Benutzer der Bundesbahn darunter zu leiden, wenn wegen der Angestellten der privaten Bahnen gestreikt wird?", schüttelt er den Kopf.

Laut Ansage kommt ihr Zug nach Halle - sie wollen nach Dresden fahren - 15 Minuten zu spät. Auch nach Streikende um 10 Uhr muss sich der Bahnverkehr erst normalisieren. Als die Bahn dann tatsächlich eintrifft, heißt es für das Ehepaar Laube, wie auch für Ruth Bajorat: Nichts wie rein!

Rebecca Pahlke aber hat weiterhin Pech: "Der Zug nach Staßfurt fällt aus. Ich fahre wieder nach Hause", sagt sie und trottet vom Bahnsteig.

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