Kreisgrabenanlagen scheint es früher im Vor-Schönebeck jede Menge gegeben zu haben. Zwei mit 80 Metern Durchmesser auffallend große dieser von den Urahnen rituell genutzten Anlagen haben Archäologen in den vergangenen Jahren geortet. Etwa einen Kilometer von der bereits in vielen Medien dargestellten und ausgegrabenen Pömmelter Anlage entfernt, liegt nahe des Schönebecker Ortseingangs eine zweite. Mit dem gestrigen Tag begannen die Ausgrabungen.

Schönebeck. In das leise Rauschen, das von der Landstraße her kommt und in das Gezwitscher der Feldlerchen hat sich gestern Nachmittag auf einem Acker bei Schönebeck ein sonst hier nicht anzutreffendes Stimmengewirr gemischt. Wissenschaftler, Verwaltungsleute und Journalisten trafen sich, um den Beginn einer archäologischen Ausgrabung zu dokumentieren. Bedeutsames kündigt sich an in der Feldeinsamkeit zwischen einstigem Wasserwerk und Flugplatz Pömmelte. Unweit einer von 2005 bis 2008 vollständig ausgegrabenen Kreisgrabenanlage haben Archäologen auf Luftbildern ein zweites dieser mysteriösen Gebilde entdeckt. Die Anlage soll nun akribisch freigelegt und später der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Gestern legten Ausgrabungsleiter André Spatzier und der wissenschaftliche Mitarbeiter der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Maik Evers, mit einer sogenannten geomagnetischen Prospektion los. "Veränderungen im Erdboden können auf diese Weise sichtbar gemacht werden", erläuterte Maik Evers vor Ort auf Nachfrage der Volksstimme.

Eine solche Untersuchung hat bereits vor sieben Jahren stattgefunden, fügte André Spatzier an. "Jetzt aber steht uns noch modernere Technik zur Verfügung", betonte er. Ja, es sei sogar denkbar, dass sich unter den Funden Metallenes befindet, Schätze sozusagen.

"Die Anlage datieren wir in den Zeitraum zwischen 2136 und 1776 vor Christus", sagte Dr. Alfred Reichenberger vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle/Saale. Er führte weiter aus: "Sie ist wohl nach der planmäßigen Aufgabe der Pömmelter Anlage angelegt worden. Wir erwarten, dass hier astronomische Bezüge festgestellt werden." Damit verwies er auf eine der einstigen Bedeutungen der Kreisgrabenanlagen. Nachgewiesen ist bereits, dass sie am Rande von Siedlungen lagen und zu rituellen Zwecken, wie Opferungen und Begräbnissen, genutzt worden sind.

Die Kosten der Ausgrabung liegen bei etwa 50 000 Euro. Etwas preisintensiver wird die spätere touristische Gestaltung, denn die Anlage soll, ähnlich wie Stonehenge in England, der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Knapp 3,5 Millionen Euro sind dafür veranschlagt, das Land trägt davon 90 Prozent. Zudem gibt es wohlwollende Zuschüsse aus der hiesigen Wirtschaft, der CDU-Politiker Gunnar Schellenberger, der maßgeblich an den Vorbereitungen der Ausgrabung beteiligt war, nannte diesbezüglich die Salzlandsparkasse.

Stadt Schönebeck und Salzlandkreis wollen mit ihren Möglichkeiten unterstützen, versicherten der stellvertretende Landrat Ulrich Reder und Schönebecks Baudezernent Guido Schmidt.

Zum Ausgrabungsstart war gestern auch Kultusstaatssekretär Valentin Gramlich nach Schönebeck gekommen. (siehe auch Seite 2 Sachsen-Anhalt)