Für die zwei Stadtbild prägenden evangelischen Kirchen St. Johannis und St. Jakobi engagiert sich eine Vielzahl Ehrenamtlicher. Sie organisieren sich in den jeweiligen Kirchbauvereinen. Was die Freiwilligen Unterstützer der Sakralbauten im vergangenen Jahr erreicht haben und was sie 2011 vorhaben, berichteten die beiden Vorsitzenden der Volksstimme.

Schönebeck. "Es ist erstaunlich, wie es am Ende doch immer wieder klappt", sagt Michael Gremmes, Vorsitzender des Kirchbauvereins der Jakobi-Kirche. Denn die Freiwilligen fühlen sich zu Beginn eines Bauprojektes immer so, als stünden sie vor einem riesigen Berg, den zu erklimmen unmöglich scheint. Doch ein Ende ist irgendwann doch immer wieder in Sicht. Derart geschehen im vergangenen Jahr.

Großer Höhepunkt war für die Vereinsmitglieder das Einsetzen des Jakobusfensters. "Wir haben rund anderthalb Jahre gebraucht, bis es zur baulichen Umsetzung gekommen ist", erinnert sich Michael Gremmes, Vorsitzender des Jakobi-Kirchbauvereins. Obwohl sich die Gruppe Ehrenamtlicher erst 2002 gegründet hat, wissen die Mitglieder inzwischen um die Zeitschienen, mit denen man bei solchen Bauprojekten rechnen muss. Dabei hatte der Schönebecker sogar gedacht, dass es bei weitem länger dauern würde, bis das erste erneuerte Fenster in der Jakobikirche glänzt. Was ihn auch beeindruckt hat: "Das Thema war über das Jahr hinweg mit den Vereinsmitgliedern gewachsen." Und weil Jakobus so gut geklappt hat, soll die Fensterrestaurierung in der Jakobi-Kirche eine Fortsetzung erfahren. "2011 gehen wir das Johannisfenster im nördlichen Seitenschiff an."

Michael Gremmes zeigt sich recht zuversichtlich. Einerseits motiviert durch den Erfolg mit dem ersten Fenster. Andererseits auch, weil Kirchenkreis und Gemeinde dieses Projekt bezuschussen. "Dadurch ist ein entsprechender Grundstock vorhanden.",

Da dieser Spendenaufruf für Jakobi-Verhältnisse "überschaubar" sei, "wollen wir in diesem Jahr zweigleisig fahren", verrät der Kirchbauvereinsvorsitzende. Damit meint Gremmes, dass die Vereinsmitglieder in diesem Jahr sogar schon an einem Projekt arbeiten wollen, das erst zwölf Monate später in Erfüllung gehen soll. Denn im Hintergrund beschäftigen sie sich schon mit dem Kauf einer zweiten Glocke, gibt der Schönebecker ein nicht ganz so geheimes Vorhaben bekannt.

Fachleute bereiten Projekte lange vor

"Wir brauchen für solch ein Projekt einen Vorbereitungszeitraum von rund einem Jahr", schätzt er ein. Denn verschiedene Fachleute müssen kontaktiert werden. "Das heißt also, wir beziehen die Schönebecker für die Glocke noch nicht aktiv ein, sondern beginnen mit dem Johannisfenster und können dann einen nahtlosen Übergang zum nächsten Jahr haben und ins bereits vorbereitete Projekt starten."

Während sich die Jakobi-Unterstützer vor allem auf die baulichen Gegebenheiten konzentrieren, hat sich der Johannis-Kirchbauverein ein eher breitgefächertes Aufgabenfeld gestellt. Das Kulturelle wird hier vor allem gelebt. Wintervergnügen, Konzertsommer, Flohmärkte und Busreisen, der Sakralbau im Herzen Salzelmens wird auf die Art immerzu ins Bewusstsein der Schönebecker gebracht, und als positiver Nebeneffekt: Das Sparschwein wird ein wenig gefüttert. Das ist auch nötig. "Wir haben monatlich 400 Euro Kosten", berichtet der Vereinsvorsitzende Dr. Michael Feldbach. Der Kirchbauverein zahlt nämlich einen Kredit ab, der 2004 in Höhe von 38 000 Euro für neue Bänke im Sakralbau aufgenommen wurde. Ein paar Jahre haben die Ehrenamtlichen mit dieser Abzahlrate noch vor sich. "Dieser Druck ist nicht unbedingt angenehm, aber hätten wir gewartet, bis wir die Gesamtsumme zusammengespart haben, würden wir heute noch auf den alten Bänken sitzen", schätzt Feldbach den Vorstoß ein, den die Mehrheit im Verein trägt. Vor allem in der Anfangszeit habe auch die Aktion geholfen, dass sich Spender durch den Kauf eines Sitzplatzes oder einer Kirchenbank eine bleibende Erinnerung in der restaurierten Kirche setzen können.

Die monatlichen Raten halten den gemeinnützigen Verbund jedoch nicht davon ab, sich nicht weiter an dem von ihnen geliebten Bauwerk zu engagieren. "Wir haben noch viel vor", sagt Feldbach. Ein Glitzern kommt in seine Augen, während er seine Visionen im Kopf durchspielt.

"Der Orgelprospekt war einst barock", beginnt der Vereinsvorsitzende seinen Wunsch zu beschreiben. Ende des 19. Jahrhunderts soll er jedoch als Brennholz verkauft worden sein. "Wenn wir eine Zeichnung, ein Bild von dem früheren Prospekt hätten, könnten wir ihn vielleicht nach diesem Vorbild wieder herstellen lassen", nennt Feldbach einen Traum.

Klangschöne Glocken für St. Johannis

Damit nicht genug. Feldbach muss gar nicht lange überlegen, schon fallen ihm die drei Glocken ein, die ein weiteres anstrebsames Projekt werden könnten. "Weil unsere Bronzeglocken im Krieg eingeschmolzen wurden, haben wir jetzt nur Stahlglocken", erklärt er. "Sie sind erstens zu schwer für das Gestühl und zweitens klingen sie nicht so schön", zählt Feldbach die Nachteile der derzeitigen Alternative auf.

Das sind erst einmal nur Träume, gesteht Feldbach schnell ein. "Aber keine unmöglichen", schmunzelt der zuversichtliche Vereinschef. Weiß er doch um die Spendenbereitschaft der Schönebecker und Vereinsfreunde aus ganz Deutschland.

"Zum Glück ist die Decke bisher für keinen zu kurz geworden", drückt derweil Michael Gremmes seine Freude über die nahezu gleichbleibende Hilfeleistung aus. Obwohl beide Kirchbauvereine emsig um Sponsoren und Helfer werben, bleibe für jeden "genug über" - einmal salopp gesagt. Die Jakobikirche zeichne sich durch eine breite Mischung aus, verdeutlicht er. So würden Radfahrer sowie ehemalige Konfirmanden manchen Euro in die Kasse geben genauso wie die Jakobi-Kirche auch Spender aus ganz Deutschland für sich verbuchen kann.

"Wir machen überschaubare Projekte, mit denen sich die Spender identifizieren können", nennt Gremmes das Jakobi-Rezept. Auf die Art kann man offenbar auch vereinzelt hohe Einzelspenden für sich einbringen. "Für das Jakobusfenster hat eine Person allein 1000 Euro gespendet", erinnert sich der Vereinsvorsitzende an einen auch für ihn überraschenden Glücksfall.

Neuer Kulturverein

Auch wenn sich der Kirchbauverein für die St.-Jakobi-Kirche erst seit 2002 engagiert, haben die rund 57 Mitglieder bereits einige Traditionen für sich entwickelt. Das Singer- und Songwriterkonzert ist ein Beispiel. "Es ist vielleicht nicht massenwirksam, aber wir erreichen damit eine gute Zuschauergruppe", schätzt Gremmes ein. Und darum geht es im Wesentlichen. Der Sakralbau soll einfach nicht vergessen werden.

Umso mehr freut sich Gremmes, dass sich ein weiterer Verein für die Jakobi-Kirche gegründet hat. "Kuk 26" nennt sich die Gruppe, die vor allem das kulturelle Leben in dem Sakralbau fördern will. Von Konkurrenz keine Spur. "Wir sind gemeinsam in eine Richtung unterwegs." Priorität habe schlicht, dass bei allen Projekten eine positive Grundstimmung unter den Mitgliedern herrscht. "Es ist toll, zu erleben, wie sich die Menschen für all das begeistern können und sich hinreißen lassen."