Heute feiert der rührige Pömmelter Ortschronist Heinz Warnecke seinen 90. Geburtstag. Er erblickte 1921 in Schora (Anhalt-Zerbst) als Sohn eines Lehrers das Licht der Welt. Warnecke leistet für seine Wahlheimat Pömmelte und Barby seit Jahrzehnten hervorragende Geschichtsarbeit. So recherchierte er die Schicksale von Juden und Antifaschisten, worauf heutige Chroniken aufbauen.

Pömmelte. Da Heinz Warnecke alles aus der Zeitung schneidet, was Pömmelte und Umgebung betrifft, wird er auch diesen Volksstimme-Beitrag archivieren. Nicht, weil es ausnahmsweise mal um ihn geht, sondern der chronistischen Pflicht wegen. Also wird man in 50 Jahren mal wissen - so seine meterlangen Bestände später mal in sorgfältige Hände gelangen - was es für einer war, der ehemalige Lehrer Heinz Warnecke aus Pömmelte.

Lebenslinie nach dem Muster seiner Zeit

Und weil \'s dem Heimatgeschichtler gefallen wird, soll am Anfang der Geschichte die (Familien-) Historie stehen.

Nach dem Besuch des Zerbster Franzisceums absolvierte Heinz Warnecke eine Drogistenlehre. Hier machte der junge Mann Bekanntschaft mit der Fotografie, die ihn bis heute nicht losgelassen hat.

Die weitere Lebenslinie entsprach dem Muster der damaligen Generation: Reichsarbeitsdienst, Einberufung zur Wehrmacht, Kriegseinsatz, Verwundung ... Warnecke hatte das Glück, nicht in Kriegsgefangenschaft zu geraten. 1945 arbeitete er in einer Calbenser Drogerie: "Dort wurde in dieser Notzeit vom Geschäftsinhaber Mangelware nur verschoben und mir mein Beruf vollkommen verleidet", schreibt Warnecke in seinen Erinnerungen. 1946 bewarb er sich als Neulehrer, trat bald darauf eine Stelle in Pömmelte an. Hier traf ihn Amors Pfeil: Heinz verliebte sich in die hübsche Toni Krabbes. Beide heirateten im Mai 1947.

Doch der Reihe nach: Das Schicksal wollte es, dass die "Große" der siebenköpfigen Familie Krabbes ihre Eltern bei schulischen Elternabenden vertrat, weil diese keine Zeit hatten. Heinz wird jedesmal gehofft haben, dass nicht der alte Ziegeleichef kam, sondern seine Tochter, wenn es um Disziplin, Kartoffelkäferleseaktionen oder die Versorgung mit Schulmilch ging.

Von welchem Schrot und Korn Jahrgänge wie Toni (85) und Heinz sind, beweist folgende Episode. Weil ihn Arbeitspflicht und Liebe trieben, legte Heinz Warnecke den Weg vom elterlichen Schora nach Pömmelte zu Fuß zurück. Strecken, die heute aus Gründen der Fitness von der Radwanderbewegung absolviert werden, waren nach dem Krieg per Pedes Normalität.

Worüber damals kein Mensch ein Wort verlor.

Bemerkenswert ist aber, wie Heinz Warnecke über die Elbe kam. Zwischen Dornburg und "Schweineglück" bei Glinde durchschwamm er sie nämlich. Nach einer guten halben Stunde in Pömmelte angekommen, war er dann wieder warm, trocken und hoffnungsvoll. Den Krieg als Kradmelder gut überstanden, wollte sich der junge Mann nun beim Aufbau der neuen Friedensordnung als Lehrer einbringen.

Seitdem fotografiert und recherchiert er. Was für Heinz Warnecke vor 50 Jahren aktuell war, ist heute bereits Geschichte. In den 70er Jahren erwarb er sich mit der Recherche über Schicksale von Barbyer Opfern des Faschismus Verdienste. Warnecke nahm zu Überlebenden des Holocaust Kontakt auf, die zum Teil im Ausland lebten. Heutige Chroniken anderer Autoren bauen darauf auf.

Der alte Mann im Kirschbaum

Als 2000 Pömmelte im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden - Unser Dorf hat Zukunft" Sieger wurde, kletterte der damals 79-Jährige auf Baurüstungen herum, um auf einem Maurerkübel sitzend die alten Schriftzüge historischer Haustafeln nachzumalen. Der Heimatfreund wollte für seine Arbeit keinen Pfennig haben. Er empfand die Sanierung als "I-Tüpfelchen" der schönen Häuser. Ein Idealismus, den man heute mit der Lupe sucht.

Um nochmal am Anfang der Geschichte anzuknüpfen, wo es um das Schrot und Korn dieses Jahrgangs-Jahrzehnts ging: Als ich vor wenigen Jahren die wandelnde Chronik Heinz aus Pressegründen mal besuchte, sagte Ehefrau Toni: "Den finden Sie im Garten, der pflückt Kirschen."

Dort angekommen vermutete ich den Rentner artig die unteren Zweige aberntend. Doch von wegen. Kein Warnecke da. Nach meinem "Halloooo" identifizierte sich aus dem Wipfel des alten Baumes ein noch älterer Mann.

Keine weiteren Fragen.

Und noch was: Heinz Warnecke forscht nicht nur nach wie vor heimatgeschichtlich, sondern fährt auch mit dem Fahrrad (!) nach Schönebeck. Wenn er mal etwas für den modernen Laptop braucht, mit dem er seine uralten historischen Fotos einscannt.

Bilder