Einen Blick über den Tellerrand schlug unlängst Schönebecks Oberbürgermeister Hans-Jürgen Haase vor: Wie haben die Berliner und die Sachsen mit den Tagebauen das Grundwasserproblem gelöst? Aus diesem Grund besuchte kürzliche eine Arbeitsgruppe aus der Stadt an der Elbe die Wasserwerke an der Berliner Spree.

Schönebeck/Berlin (ok). Um sich ein Bild vom Umgang der Stadt Berlin mit dortigen Grundwasserproblemen zu machen, besuchten Mitglieder der Schönebecker Arbeitsgruppe 1 "Grundwasser", darunter Vertreter der Bürgerinitiative und OEWA GmbH, auf Einladung der Berliner Wasserbetriebe deren Wasserwerk Johannisthal, wo die zuständige Leiterin der Wasserversorgung Elke Wittstock und ihr geohydrologischer Mitarbeiter Joachim Günther den Gästen ausführlich Auskunft gaben. Neben der Infoveranstaltung hatten die Teilnehmer Gelegenheit zu einer kurzen Besichtigung des Wasserwerks und einer sich in unmittelbarer Nähe befindenden Brunnengalerie.

Nachdem Baudezernent Guido Schmidt zusammenfassend auf die Situation in Schönebeck eingegangen war, erläuterte Elke Wittstock zunächst Einzelheiten der Trinkwasserversorgung Berlins, um dann auf die Kellervernässungen besonders im Stadtteil Rudow zu sprechen zu kommen. So werde im Einzugsbereich des nach der Wende aufgegebenen Wasserwerks Johannisthal der Grundwasserstand auf einem "siedlungsverträglichen Niveau" gehalten, in dem mit noch arbeitsfähigen Altbrunnen sowie einer ganzen Reihe neuer Vertikalfilterbrunnen Grundwasser gefördert und ohne Nutzung in den einen Kilometer entfern- ten Teltowkanal geleitet werde.

Die Fördermenge beträgt hier bis zu 25 000 Kubikmeter am Tag. Der Betrieb erfolgt durch die Berliner Wasserbetriebe, das Land Berlin finanziert die Maßnahme. Der Senat hat die rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen und eine Grundwassersteuerungs-Verordnung erlassen. Das heißt, bei Ordinatenüberschreitungen, also einer akuten Situation, werden die BWB verpflichtet, Grundwasserhal- tungen zu betreiben beziehungsweise Wasserwerke zu bewirtschaften.

Da das Wasserhaushaltsgesetz bloße Grundwasserabsenkungen nicht vorsieht, wird diese Wasserförderung in Berlin jedoch gleichzeitig zur Ermöglichung der in dieser Stadt partiell notwendigen Altlastensanierung des Grundwassers betrieben.

Auch in Berlin gibt es übrigens ein Urstromtal, wenn die Unterschiede der Höhenmeter auch nicht sehr deutlich sind. Das Tal zieht sich etwa von Nordwest nach Südost durch Stadtgebiete wie Spandau, Friedrichshain und eben Rudow-Johannisthal, womit auch die Problemgebiete genannt sind.

Die Gründe für die Kellervernässungen in Berlin liegen ähnlich wie in Schönebeck neben verstärkten Niederschlagsmengen vor allem auch in der Aufgabe von Wasserwerken nach der Wende 1989. So ist der Grundwasserspiegel in manchen Stadtgebieten um 40 bis 80 Zentimeter angestiegen. Insgesamt zeigte sich, dass die Situation in Berlin kaum oder nur sehr bedingt mit jener in Schönebeck vergleichbar ist.

Die Schönebecker bedankten sich indessen herzlich für die dennoch wertvollen Informationen bei den Berlinern - auch im Namen des Oberbürgermeisters.