Beim letzten Wespener Winterkonzert dieser Saison traten am Sonntag die "Aschersleber Turmbläser" in der Schrotholzkirche auf. Wie so oft bei dieser Konzertreihe war das Gotteshaus voll besetzt.

Wespen. "Es ist schwer, die Lehmwände dieser Kirche zum Schwingen zu bringen. Es wird den Aschersleber Turmbläsern aber gelingen, Ihre Herzen in Schwingung zu versetzen", begrüßte Pfarrer i.R. Ernst Neugebauer die vielen Besucher des Winterkonzerts.

Der Hintergrund: Beim "Soundcheck" hatte es sich herausgestellt, dass die Akustik für diese Art von Musik offenbar nicht optimal ist.

Und Neugebauer sollte recht behalten. Mit zwei Trompeten und zwei Posaunen präsentierten die Musiker ein breit gefächertes Programm von der Barockmusik bis zum Jazz, das durch kleine Orgelstücke noch farbiger wurde. Thomas Wiesenberg, Kreiskantor und Kopf der Gruppe, wusste zu den einzelnen Titeln so manche interessante Begebenheit zu berichten. So beispielsweise zu Antonio Solers "Sonata de Clarines". "Spanische Orgelstücke werden in Deutschland wenig gespielt", begründete er die Auswahl dieser barocken Musik.

Der Kreiskantor hatte sie nicht zuletzt wegen der Möglichkeiten von Wespens kleiner Orgel ausgesucht. Denn spanische Organisten würden "sparsam mit dem Pedal umgehen".

"Klar, haben wir: In meinem kleinen Apfel"

Auch die 2003 eingeweihte Orgel hat "nur ein angehängtes Pedal". Soll heißen: Damit werden prinzipiell Pfeifen zum Klingen gebracht, die auch vom Manual bedient werden.

Trotzdem dudelte das Flötenregister, krachten die Trompeten und Bässe - Wiesenberg, der als Kantor vergleichsweise viel größere Instrumente gewöhnt ist, hatte offensichtlich seine Freude an der kleinen Orgel und zeigte sich als fantasievoller Meister der Begrenzung.

Die musikalische Leidenschaft zu Gott kam in dem Choral "Von Gott will ich nicht lassen" in einem "Tango aferrado" von Thomas Riegler zum Ausdruck. Wiesenberg sprach nicht nur hier von "versteckten Melodien". Auch in einer Mozart-Komposition steckte ein bekanntes Kinderlied. "Haben sie es erkannt?", fragte Wiesenberg am Ende das Publikum. "Klar, haben wir: In meinem kleinen Apfel", antwortete jemand von der Empore herab. Um genauer zu sein: Es handelt sich um Musik aus der Oper "Die Zauberflöte".

Doch das nur nebenbei.

Nach modernen Stücken des Zeitgenossen Michael Schütz und einer irischen Volksweise verabschiedeten sich die Musiker von einem gut gelaunten Publikum, bei dem zuweilen die Füße wippten.

Pfarrer Ernst Neugebauer freut sich darüber, dass die "Wespener Winterkonzerte" zum "Selbstläufer" geworden sind. Bei allen drei Terminen dieser Saison hätten die Unkosten gedeckt werden können. Die Evangelische Kirchengemeinde erhebt keinen Eintritt, sondern hofft auf die großzügige Spendenbereitschaft der Besucher am Ende der Veranstaltung.

Die Sanierungsarbeiten an der Schrotholzkirche sind derweil abgeschlossen. Wie originelle Dekoration stapeln sich in dem Gotteshaus bündelweise nicht verwendete Fichtenholzschindeln von 1997, die übrigens zum Verkauf stehen. Ansprechpartner ist die Gemeinde.

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