Die IBA, die Internationale Bauausstellung, wirkt in Schönebeck nach. Die verwilderte Salineinsel soll wieder urban nutzbar gemacht werden. Ein Plan, der während der IBA-Zeit geäußert wurde. Noch ist alles Theorie, doch es liegt bereits eine Projektierung vor. Wer will, kann sich ein Bild machen. Dieses Bild frei Haus bekamen die Mitglieder und Gäste des Bauausschusses am Montagabend.

Schönebeck. Auf alten Fotos wirkt das Terrain beeindruckend. Die Salineinsel an der Elbe stellt sich dar mit wuchtigen Industriegebäuden und hochaufragenden Schornsteinen. An den Kaianlagen sind viele Binnenschiffe festgemacht, andere dampfen in Richtung Hamburg auf und davon. Die umfängliche Salzproduktion in Schönebeck ist längst Geschichte. Von der preußischen Saline, einem einstigen Vorzeigebetrieb, ist wenig geblieben: das Verwaltungsgebäude etwa, das bis vor drei Jahren Sitz der Kreisverwaltung war. Oder ein so genanntes Salzmagazin, ein Fachwerkbau, heute leerstehend und nahe am Verfall. Geblieben sind Schuttberge, üppig mit Gras überwachsen sowie jede Menge giftige, im Erdboden enthaltene Stoffe, etwa Blei und Arsen, wie sie typisch sind für alte Industrieflächen.

Die Salineinsel führt ein Schattendasein. Da soll der knapp zwölf Hektar große Bereich aber bald heraus geholt werden. Die aufgrund der Nähe zur Elbe maritim anmutende Fläche war während der IBA in das Blickfeld der Ideenfinder geraten. Jetzt liegt eine umfassende Projektierung vor, die Hoffnung macht auf ein neues Stück Schönebeck, in dem Freizeit, Sport und Erholung eine Rolle spielen sollen.

Die in Halle/Saale lebende freie Landschaftsarchitektin Elisabeth Köllmann ist von der Stadtverwaltung Schönebeck beauftragt worden und hat sich umfassend Gedanken gemacht, wie die Salineinsel der Zukunft aussehen könnte. Ihre Projektierung hat sie am Montag-abend im Bauausschuss vorgestellt. Und die kam bei den Anwesenden gut an.

"Ich möchte mit den Gegebenheiten arbeiten und nicht alles abräumen", sagte die Planerin. Ihr Anliegen ist es also, vorhandene Materialen - und sei es die einstmals angefallene Schlacke - für die Gestaltung der Salineinsel zu nutzen, in dem Fall als Grundlage für den Wegebau. Sie hat ihre Projektierung den Arbeitstitel "Bürgerpark Salineinsel" gegeben, ein Erlebnisbereich soll geschaffen werden für Anwohner und Tagestouristen. Köllmann führte folgende Vorhaben auf:

- Haupt- und Nebenwege

- ein zentraler Platz

- Bootsanleger

- Plätze für Angler

- Zugänge zur Elbe wie etwa ein Strandbereich

- Pavillons

- ein multifunktionell nutzbares Spielfeld

Köllmann hat sich für ihren Plan Leitthemen gegeben, wie Saline, Salz, Wasser und Natur beziehungsweise Naturschutz. Immerhin würden auf der jahrzehntelang quasi ungenutzten Salineinsel seltene Tier- und Pflanzenarten leben, wie der Biber, der Eisvogel, der Komoran. Andere Vertreter der Fauna sind bereits vor Ort: nämlich die Hunde, Katzen und Hühner des Schönebecker Tierheimes. Damit sich beide Seiten vertragen, unterteilt Köllmann das Terrain in zwei Bereiche: eine aktive und beruhigte Zone. Die Landschaftsarchitektin spricht von einer beabsichtigten "friedlichen Koexistenz".

Was sie sich auch vorstellen kann, sind Stahlrahmenpavillons, die mit versalztem, also am Gradierwerk nicht mehr benötigten Schwarzdorn gefüllt werden. "Dieser Schwarzdorn müsste sonst nur entsorgt werden", sagte Köllmann. Sie regte auch zu einem Symposium an, in dessen Ergebnis die Stadt (analog zum Bildhauer-Symposium vor einigen Jahren) einen Altmetall-Skulpturen-Park etablieren könnte.

Speziell mit der Sanierung des Salzmagazins hat sich der Architekt Professor Ralf Niebergall beschäftigt. Auch er referierte vor den Stadträten. Sein Vortrag in wenigen Worten ausgedrückt: Das alte, im Fachwerkstil errichtete Gebäude sei zwar durch das einstmals eingelagerte Salz und den Zahn der Zeit schwer geschädigt, trotzdem zu retten. Es könnte, stehend auf dem zentralen Platz der neuen Salineinsel, für Veranstaltungen genutzt werden. Niebergall zeigte entsprechende Simulationen. Die Kosten würden, je nach Zielstellung, zwischen 1,5 bis 2,3 Millionen Euro liegen.

Für die Gestaltung der übrigen Salineinsel schätzte Köllmann den finanziellen Aufwand auf 1,1 Millionen Euro, sie sprach hier vom Netto-Preis.

Die Vorträge im Bauausschuss dienten der Information der Stadträte. Eine Beschlussvorlage ist in diesem Fall nicht erforderlich. Schönebecks Baudezernent Guido Schmidt sagte gegenüber der Volksstimme, dass die Leistungen zur Umsetzung "in loser Folge" bewerkstelligt werden. Ein Bebauungsplan liege bereits vor. Die neue Salineinsel wächst heran.