Seit 107 Jahren steht der massive Bismarckturm weithin sichtbar auf dem Wartenberg und ist ein Wahrzeichen der Saalestadt. Nichts scheint ihm etwas anhaben zu können. Doch wer genauer hinsieht, erkennt, dass es um seinen baulichen Zustand schlecht bestellt ist. Regenwasser dringt ein und hat die sogenannte Gedenkhalle im Fuß des Turms beschädigt. Eine Situation, die Rudolf Kramer nicht traurig, sondern eher wütend macht.

Calbe. Mit den Händen fährt Rudolf Kramer über den hellen Putz im Inneren der runden Gedenkhalle. Lange dauert es nicht, bis Stücke abplatzen und auf den Boden fallen. Schnell wird klar: Die Wände sind feucht, geben dem Putz keinen Halt mehr. "Furchtbar sieht es aus", sagt der pensionierte Lehrer, der sich seit zehn Jahren ehrenamtlich für die Sanierung, den Erhalt und den Besucherbetrieb des Calbenser Wahrzeichens auf dem Wartenberg einsetzt.

"Starke Regenfälle und strenger Frost haben dem Turm zugesetzt"

Normalerweise würde er jetzt mit den Vorbereitungen für die neue Besuchersaison im Turmgewölbe beginnen, das einen Durchmesser von acht Metern und eine Höhe von zehn Metern aufweist. Darin müssten wieder die mit Unterstützung von Calbensern gefertigten Schautafeln aufgehängt werden. Darauf erhalten Besucher Informationen über Dinge, die alle im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Wartenberg stehen: die Geschichte von Turm und Namensgeber Reichskanzler Otto von Bismarck, Geografie und Geomorphologie (Oberflächenform) oder die Flora und Fauna der Region.

"Daran ist jetzt überhaupt nicht zu denken", erklärt Kramer und blickt in die Höhe. Im oberen Bereich der Halle sind große Nässeflecken zu erkennen. Wer über 158 Treppenstufen im Turminneren hinaufsteigt, erkennt das Übel. Durch ein Fenster an der Wetterseite der Turmwand sind große Mengen Regenwasser eingedrungen und an der Wand aus Sandstein hinabgelaufen. "Probleme mit Nässe gab es im Turm schon immer", sagt Kramer. "Doch so schlimm wie jetzt war es noch nie." Starken Regenfällen im September folgte eine strenge Frostperiode, die an vielen Stellen Risse im Gemäuer verursachte.

"Es scheint, als hätte die Stadt kein Interesse mehr am Turm"

Auf der Aussichtsplattform angekommen, zeigt der Calbenser auf ein weiteres Übel. An den Mauerkanten kann das Wasser ebenfalls in das Turm-innere eindringen. "Hier muss etwas getan werden, schließlich gehört der Bismarckturm zur Stadt", sagt Kramer. Der Stadtrat weiß nur zu genau, dass ein millionenschweres Defizit auf der Rolandstadt lastet und das Geld für solche freiwilligen Aufgaben eigentlich nicht da ist. "Was mich ärgert, ist das Desinteresse am Turm. Die Nachfragen aus dem Rathaus beziehen sich nicht darauf, wie es um den Zustand des Turms bestellt ist oder ob vielleicht Hilfe benötigt wird, sondern ob der Turm zu Ostern öffnet oder nicht", sagt Kramer, der sich oft als Einzelkämpfer für den Erhalt des Turmes fühlt.

Lobend erwähnt er jedoch die Unterstützung durch das Teutloff-Schulungszentrum in Calbe. Im Rahmen von Projekten wurden Sitzbänke für den Außenbereich gebaut oder der Grünbereich um den Turm gepflegt.

"Die Gedenkhalle kann nicht wie gewohnt zum 1. Mai öffnen"

Fakt ist: Zur Eröffnung der neuen Saison am 1. Mai muss die Gedenkhalle geschlossen bleiben, bis die gröbsten Mängel beseitigt sind. Zwei Teutloff-Mitarbeiter nahmen gestern die Schäden unter die Lupe. Offen bleibt bislang, ob eine Maßnahme gefunden wird, die eine stellenweise Sanierung in Angriff nehmen kann.

Für Rudolf Kramer bleibt dennoch die Hoffnung, dass vor dem Hintergrund der anstehenden 1075-Jahr-Feier sich Firmen oder Privatpersonen mit materieller oder personeller Unterstützung für das Calbenser Wahrzeichen einsetzen.

"Die Besucherzahlen belegen es: Der Turm ist und bleibt ein beliebtes Ausflugsziel, auch wenn es häufig Auswärtige sind, die sich für ihn interessieren", sagt Kramer, der weiter für den Erhalt kämpfen will.

 

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