Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) informiert derzeit in Schönebeck und den Ortsteilen über die Revitalisierung der Alten Dornburger Elbe. Acht Millionen Euro will der BUND in Kooperation mit dem Bundesamt für Naturschutz und Umweltprogrammen des Landes Sachsen-Anhalt aus Eigenmitteln investieren. In der Diskussion stehen jetzt die Folgefinanzierung und parallel laufende Projekte der Unterhaltungsverbände.

Schönebeck/Pretzien. Das Projekt steht bereits seit Jahren auf der Agenda, jetzt nimmt es konkrete Züge an: Der BUND will den rund 15 Kilometer langen Altelbarm zwischen Dornburg und Magdeburg, einer der längsten (noch) erhaltenen Altadern in Europa, aufwerten und zu neuer Belebung verhelfen. Kurz gesagt: Die derzeit quasi stehende Alte Elbe soll teil- beziehungsweise zeitweise wieder ein fließendes Gewässer werden. Verschiedene Aspekte spielen für das Engagement der Naturschützer eine Rolle. Es geht um Naturschutz und den Erhalt von zahlreichen Pflanzen- und Tierarten. Ganz aktuell wird auch die bessere Regulierung der Wassersituation in der Region als Pluspunkt für eine wiederbelebte Dornburger Alte Elbe ins Feld geführt. Nicht umsonst spricht BUND-Projektleiter Christian Kunz von einem "riesigen Meliorationsgraben" (Volksstimme berichtete am 3. Februar).

So konkret der BUND weiß, was er vorhat, so groß ist auch der Redebedarf in den betroffenen Kommunen. Das wurde jetzt beim Ortschaftsrat in Pretzien deutlich. Grundsätzlich zeichnet sich bei den Ortsvertretern Zustimmung für das Vorhaben ab. "Es ist wichtig, den Elbarm zu erhalten. Er ist Teil der Geschichte Ostelbiens und wasserführende Flächen entspannen die Hoch- und Grundwassersituation ungemein", sagt Pretziens Ortsbürgermeister Friedrich Harwig. Er hat dabei vor allem die Zeit im Blick, wenn das Pretziener Wehr gezogen, die Ranieser Vorflut voll läuft und das Wasser bis Elbenau drückt. Auch die CDU-Fraktion im Ort kann da mitgehen: "Der Verlandung der Alten Elbe muss entgegengewirkt werden", sagt Frithjof Meussling. Die Christdemokraten wissen aber genau wie Ortschef Harwig um viele offene Fragen. Die beziehen sich vor allem auf Landwirte und bereits bestehende Gräbenunterhaltungsverbände genau so wie auf mögliche Folgekosten, die nach dem Ausbau entstehen könnten. Das Projekt ist laut NABU-Auskünfte über Bundes-, Landes- und Eigenmittel zu finanzieren.

Keine parallelen Strukturen schaffen

Immer wieder ist die Rede von einem Trägerverband, der für die Folgezeit gegründet werden müsste. "Die Kommunen können hier nicht zusätzlich belastet werden", sagt Friedrich Harwig und weist auf mögliche Parallelstrukturen hin, denn für die Gräben Ostelbiens gibt es bereits den "Ehle-Ihle"-Verband. Der Kreis hält sich aus dem Thema noch heraus und wartet die Gespräche in den Orten ab, während Magdeburg als weitere beteiligte Kommune einem möglichen Verband schon grünes Licht gegeben hat.

Ein aktuelles Beispiel für Überschneidungen finden die Pretziener Räte. "Ehle-Ihle" will rund um die Alte Elbe ab der Haberlandbrücke arbeiten. Die Maßnahmen gehören aber nicht zum BUND-Projekt. So fordert Friedrich Harwig, bevor man über die Revitalisierung politisch spreche, dass sich Verband und BUND für gemeinsame Abstimmungen ins Benehmen setzen.

Bevor es dazu kommt, müssen auch noch Widerstände ausgeräumt werden. Die kommen am stärksten bisher aus der Landwirtschaft. Riesige Mengen Schlamm, von 350000 Kubikmetern wird gesprochen, müssen ausgebaggert und auf Spülfelder verteilt werden. Schutzstreifen werden entstehen. Die Bauern wollen zum einen das Ackerland nicht hergeben, zum anderen sagen sie, dass der Schlamm durch den Altbergbau vor Jahrhunderten belastet sei.

Elbenau und Pechau bei Hochwasser bedroht?

So unglaublich es klingt, aber es ist so: Giftige Stoffe wie Blei und Arsen aus dem Mittelalter lagern in der heute urwüchsig anmutenden Natur entlang der Alten Elbe. In der gesamten Aue bis nach Hamburg sei die Erde mit diesen Schwer- und Halbmetallen belastet, heißt es.

Im Schönebecker Bauausschuss ist das Thema Revitalisierung der Alten Elbe kürzlich thematisiert worden. Vertreter des BUND und des Ehle-Ihle-Verbandes legten dar, wie sie sich die Umsetzung des Projektes vorstellen. Es gibt Unterschiede, aber auch viele Gemeinsamkeiten. Die Stadträte sollten darüber befinden, ob die Stadt Schönebeck, neben dem Salzlandkreis und der Stadt Magdeburg, Mitglied in einem Trägerverband werden soll. Dieser Verband werde das Projekt begleiten.

Den Stadträten fiel es schwer, über diese Frage zu entscheiden. Sie fühlten sich fachlich ungenügend unterrichtet. Baudezernent Guido Schmidt sagte zwar, dass es erst einmal nicht um die fachliche Einschätzung gehe, sondern um die Frage nach der Mitgliedschaft im Trägerverband. Doch das überzeugte nicht. "Ein schwieriges Thema", befand Stadträtin Annemarie Stange (SPD). Man müsse sich auf jeden Fall fachlich kundig machen. Ihr Fraktionskollege René Wölfer gab zu bedenken, dass Schönebeck rein geografisch nun einmal an der Alten Elbe liege und die Kommune deshalb an einer eventuellen Revitalisierung Anteil nehmen sollte.

Der Ranieser Ortsbürgermeister Klaus Maser (er erhielt nach einigem Hin und Her Rederecht im Bauausschuss) sieht das Projekt gelassen. "Ich kenne das Vorhaben seit Jahren, verstehe es aber noch immer nicht richtig. Auf jeden Fall wird ein Eingreifen in den Wasserlauf Folgen haben. Ich sehe im Extremfall, etwa wenn das Pretziener Wehr lange offen ist, Probleme in Elbenau und Pechau. Wir hingegen würden unser Wasser schneller loswerden." Die Stadträte wollen das Thema nun in ihren Fraktionen diskutieren.