Ohne ein Dach über dem Kopf sind seit zwei Monaten die Kinder und Jugendlichen, die zu den Stammkunden des Jugendclubs "Young Generation" gehören. Aus dem Gebäude in der Straße der Jugend mussten sie ausziehen, weil dieses abgerissen werden soll. Das neue Domizil in der Welsleber Straße ist jedoch noch nicht bezugsfertig. Ungeduld macht sich unter den jungen Clubgängern breit.

Schönebeck. Ungeduld und Zuversicht können manchmal eng beieinander liegen. So zeigt es sich derzeit beim Jugendclub "Young Generation". Seit dem 1. Februar ist das ehemalige Domizil in der Straße der Jugend geschlossen. Die Kinder und Jugendlichen um Leiterin Trixi Ziener haben demnach kein Clubdach mehr über dem Kopf.

Unterschlupf finden sie unter anderem im "Piranha" in der Bahnhofstraße. Doch das kann und soll kein Zustand von Dauer sein, sind sich die Stadtverwaltung und der Träger, der Verein "Rückenwind", einig. Am 1. Mai soll das neue Gebäude für die Jugendeinrichtung in der Welsleber Straße bezogen werden. So lautete bisher der Plan.

"Meine Kinder wollen endlich den Farbtopf in die Hand nehmen", macht Trixi Ziener deutlich, wie ungeduldig ihre jungen Clubnutzer langsam werden. Denn bisher ist zumindest äußerlich noch nicht zu erkennen, dass das neue Gebäude termingerecht bezugsfertig wird.

Die Rede ist von der ehemaligen Sparkassenfiliale in der Welsleber Straße. "Die Geschäftsstelle wurde nicht mehr derart angenommen, so dass wir uns entschieden haben, diese zu einer SB-Stelle umzubauen", informiert Sparkassenvorstand Hans-Michael Strube auf Volksstimme-Nachfrage.

Rückenwind-Chef entkräftet Gerüchte

Um keinen Leerstand im Unternehmen zu verursachen, war die Salzlandsparkasse an die Stadt Schönebeck herangetreten. Schnell sei man dann auch mit dem Verein "Rückenwind" überein gekommen, dass sich das 220 Quadratmeter große Gelände für den Jugendclub "Young Generation" anbieten würde.

Damit hatte eine Odyssee ein Ende. Denn Stadt und Rückenwind hatten im Vorfeld lange nach einem neuen Gebäude gesucht. Grund: Die Kindertagesstätte "Regenbogen" hat am 1. Februar ihren Neubau in der Wilhelm-Hellge-Straße bezogen. Dadurch stand der Großteil des Gebäudes in der Straße der Jugend leer. Der Club "Young Generation" wäre einem gallischen Dorf gleich der einzige Nutzer gewesen, bis der Komplex irgendwann einmal von der Stadt abgerissen wird.

"Da es keine separaten Versorgungsleitungen gibt, hätten wir nur wegen des Clubs das gesamte Haus heizen müssen", erklärte damals Erdmute Köppe, Sachgebietsleiterin Kinder, Jugend und Senioren, warum gleichzeitig mit der Kita "Regenbogen" auch der Jugendclub "Young Generation" aus dem Haus ausziehen musste. Die Zusatzkosten wären für die Stadt nicht tragbar gewesen.

Umso mehr hatten sich alle Beteiligten über die Nachricht von der Salzlandsparkasse gefreut. "Wir haben lange nach einem neuen Objekt gesucht", macht Rückenwind-Chef Steffen Uhlig deutlich. "Ich habe jetzt endlich das Gefühl, dass das etwas wird", bringt er auf Volksstimme-Nachfrage seine Erleichterung zum Ausdruck.

"In dem Gebiet Straße der Jugend soll es auch weiterhin einen Jugendclub geben", betont Steffen Uhlig. "Unsere Intention ist es nicht, die Zahl der Jugendeinrichtungen in Schönebeck zu verringern." Damit versucht der Rückenwind-Chef Gerüchten den Wind aus den Segeln zu nehmen, dass der "Young Generation" für immer geschlossen bleiben könnte. Vielmehr hebt er mit Nachdruck hervor, dass er sich vor allem durch die Stadt, die mit ihrer klammen Haushaltslage zu kämpfen hat, unterstützt fühlt.

Sparkasse bleibt bei ihrem Angebot

Den Rücken gestärkt bekommt der Verein zudem im wahrsten Sinne des Vereinsnamens durch die Salzlandsparkasse. "Wir freuen uns, dass Rückenwind unser neuer Mieter wird", sagt Hans-Michael Strube. Vorgespräche seien bereits gelaufen. "Wir werden mit dem Verein noch eine preiswerte Miete vereinbaren", stellt der Sparkassenvorstand in Aussicht.

Und: "Wir werden alles daran setzen, dass das klappt." Frei nach dem Motto "Ein Mann - ein Wort", betont Strube, würde das Kreditinstitut von seinem Angebot nicht abweichen und der Stadt sowie dem Verein entgegenkommen. "Die einen suchen Räumlichkeiten und wir haben sie", begründet Hans-Michael Strube schlicht die Entscheidung. "Für die Stadt ist es zudem eine Bereicherung an dieser Stelle, wenn dort erstens kein leeres Gebäude steht und zweitens der Jugendclub sein Domizil findet."

Nur bei der Terminfrage will sich der Sparkassenvorstand derweil nicht festlegen. Zwar sei der 1. Mai bekannt, doch das hänge unter anderem von notwendigen Umbauarbeiten ab. "Wir müssen den SB-Bereich sicher vom Rest des Gebäudes abtrennen", erklärt Strube. "Die Bauarbeiten sind bereits angeschoben."

Während die einen also recht zuversichtlich sind, werden die Kinder und Jugendlichen vom "Young Generation" ungeduldig. "Alle warten sehnsüchtig auf den Startschuss", sagt Clubleiterin Trixi Ziener, die sich derzeit vor allem um das Hab und Gut des Clubs Sorgen macht.

Mehrmals soll in das Gebäude in der Straße der Jugend, wo die Einrichtung übergangsweise untergestellt ist, eingebrochen worden sein. Sowohl der Gebäudekomplex, wo vorher die Kindertagesstätte "Am Regenbogen" gewesen ist, als auch der Jugendclub ist den Randalen bereits zum Opfer gefallen. Die Zeit drängt also tatsächlich.