Lange haben die Plötzkyer Ortschaftsräte am Mittwochabend beieinander gesessen. Es ging schließlich auch um wichtige Themen, wie die Auswertung des Hochwassers und die Beratung zur Haushaltsplanung. Und dann stand da noch eine schwarze Kiste auf dem Tisch.

Plötzky. Wuchtig ist der Kanister, der auf einem Tisch im Bürgerhaus Plötzky steht. Es ist Mittwochabend, Ortschaftsratssitzung. Doch die "Black Box" soll keineswegs die Gespräche aufzeichnen. Olaf Godlofski vom Schönebecker Ordnungsamt hat die Kiste mitgebracht, als Anschauungsobjekt. Der kommunale Krisenmanager zieht vor Ortsbürgermeister Herbert Schmeißer und den Ortschaftsräten Bilanz, er lässt das Winterhochwasser vom Januar Revue passieren.

Eigentlich hat alles ganz gut geklappt, doch es gibt eben nichts, was nicht noch verbessert werden kann. Um die Versorgung der Deichwachen künftig zu gewährleisten, werden Behälter der oben beschriebenen Art zur Verfügung gestellt, die vielerlei Dinge enthalten. Wasserabweisende Textilien zum Beispiel, aber auch einen Kaffeekocher und - die haben im Januar gefehlt - Stabtaschenlampen. "Die helfen bei einem Dammbruch auch nicht, aber die Leute sollen natürlich im Dunkeln erkennen, wo sie hintreten", kommentiert Herbert Schmeißer den Effekt der Handleuchten. Die Auswertung des Hochwasers nimmt längere Zeit in Anspruch. Karten werden aufgeklappt, Schwachstellen benannt, der Name Gartenstraße fällt. Hier drohe das Wasser im Extremfall von einem Grundstück aus auf die Straße zu laufen. Godlofski will sich das demnächst näher ansehen. Der Bürgermeister glaubt, dass für dieses Jahr Schluss ist mit Hochwasser. "Abgesoffen, vertrocknet, erfroren. Auch solche Jahre hatten wir schon. Wir hoffen auf ein gutes Jahr. Und außerdem haben wir ja jetzt die Kiste", stellt Schmeißer trocken fest.

Ehe Geld verfügbar ist, ist der September ran

Dafür fehlt es dem neuen Schönebecker Ortsteil an finanziellen Mitteln für ein Heimatfest. Da Plötzky im Schönebecker Haushalt "aufgehoben" ist, lasse sich nur schwierig planen. Ehe Geld verfügbar ist, sei der September heran und dann noch etwas auf die Füße zu stellen, sei kaum möglich, heißt es abwägend. Immerhin 2500 Euro müssten zusammen kommen, Geld, das auch von Sponsoren eingeworben werden könnte. "Aber irgendwann kriegt man ja einen roten Kopf vom vielen Türeklopfen", winkt Herbert Schmeißer ab. Ein Heimatfest in diesem Jahr? Wenn überhaupt, dann ohne Jugendtanz am Freitag, so wie sonst.

Um Geld geht es auch bei der Beratung zur Haushaltsplanung. Doris Spengler von der Kämmerei ist nach Plötzky gekommen, um einige Summen zu nennen, die mit dem ostelbischen Ortsteil in Zusammenhang stehen. So sollen 20000 Euro für die Gestaltung des Ortseingangs Richtung Pretzien aufgewendet werden. Plötzky steht auch Eingemeindungsgeld zu, das das Land vergeben hat: 20 Euro pro Einwohner. Das macht in diesem Fall knapp 22000 Euro. "Ließe sich das nicht für eine Vereinigungsfeier mit der Stadt Schönebeck verwenden", fragt Ortschaftsrat Erhard Wetzel an.

Nein, geht nicht, wehrt Doris Spengler das wohl nicht ganz so ernst gemeinte Ansinnen ab. "Das Geld muss im investiven Bereich eingesetzt werden, das ist so festgelegt", sagt sie. Wetzel bedauert: "Wir hätten es sonst bei der Bank of Scotland angelegt." Bürgermeister Schmeißer mahnt Ernsthaftigkeit an. "Beim Geld hört der Spaß auf", meint er.

In punkto Finanzen hat er Vertauen in Schönebecks Oberbürgermeister Hans-Jürgen Haase. Der nämlich soll vom Ortschaftsrat ermächtigt werden, operativ einen laufenden Kredit umzuschulden. Die Zinsbindung für eine aus dem Jahr 1991 aufgenommene Geldsumme bei der KFW Bank läuft am 15. Mai aus. Jetzt können die noch offenen rund 38000 Euro umgeschuldet oder eine neue Bank gesucht werden, die weniger Zinsen verlangt. Das werde Herr Haase schon zum Vorteil von Plötzky hinbekommen, überlegt Schmeißer laut.

1 Million Euro sind in Plötzky vergraben

Jörg Naumann von der Stabsstelle Trinkwasser und Abwasser der Stadtverwaltung referiert kurz über das Geld, das in Plötzky im Boden vergraben ist. Gemeint ist der Wert der Abwasseranlagen, die Naumann aktuell mit rund 1 Million Euro beziffert. Ortschaftsrat Wetzel ahnt kommende Belastungen für die Plötzkyer. "Wir haben es bisher immer geschafft, die Kosten über die Gebühren zu decken", sagt er und will wissen, ob künftig Beiträge erhoben werden sollen. Das Ortsrecht, erklärt Naumann, ende im Dezember 2011, dann gelte für Plötzky das Schönebecker Stadtrecht, das einheitliche Gebühren für alle Bürger im Stadtgebiet vorsieht. Kann Plötzky, sieben Kilometer von Schönebeck entfernt, nicht als extra Zone betrachtet und eine gesonderte Gebühr erhoben werden, will Wetzel wissen. Die Frage bleibt mit Beendigung der Sitzung im Raum stehen, ebenso die Black Box, die Olaf Godlofski inzwischen geöffnet hat. Vielleicht lassen sich Rollen zum besseren Transportieren anbringen, wird vorgeschlagen. Wenn der Ortschaftsrat Plötzky tagt, ist ein gewisser Unterhaltungswert garantiert.