Groß Rosenburg. Die Freiwillige Feuerwehr Groß Rosenburg lud Freitagabend anlässlich ihres 110-jährigen Bestehens zur Festsitzung. Beinahe hätte dieses Jubiläum erneut verschoben werden müssen, weil die Kameraden kurz zuvor zu einem Einsatz ausrücken mussten.

Freitagnachmittag wurde die Rosenburger Wehr zu einem Wohnungsbrand nach Zuchau gerufen. Deswegen wäre beinahe die wenig später geplante Jubiläumsveranstaltung erneut ins Wasser gefallen. Sie war ursprünglich für Januar angesetzt. Doch damals ließen Hoch- und Drängwasser keine Feierlaune aufkommen.

Ortswehrleiter Tino Puder überließ es Ortsbürgermeister Michael Pietschker, die gesamte Brandhistorie zu beleuchten. Er erinnerte nur an die vergangenen zehn Jahre.

"Damals wurden große Pläne erarbeitet, aber bis heute ist nichts passiert"

Als einen Höhepunkt bezeichnete er die Übergabe des Tanklöschfahrzeuges TLF 16/25 beim Kreisfeuerwehrtag im September 2001. Ein Jahr später wurde dann ein ausgemusterter Rettungswagen vom Landkreis übernommen, den die Kameraden zum Mannschaftstransporter umbauten

Mit Blick auf das Jahr 2003 bezeichnete Tino Puder bereits vor acht Jahren "nicht das Hochwasser, sondern bereits das Grund- und Drängwasser als Hauptproblem". Im Schöpfwerk Breitenhagen kamen durch den Landkreis organisierte Großpumpen zum Einsatz, um die gewaltigen Wassermassen zu bewältigen.

"Eins möchte ich dazu anmerken: Damals wurden große Pläne erarbeitet, wie das Grabensystem wieder hergestellt werden soll, aber bis zum heutigen Tag ist nichts passiert", kritisierte Puder. Die Leidtragenden seien nach wie vor Einwohner und Betriebe.

2005 trafen die Kameraden zwei Verkehrsunfälle besonders hart, bei denen zwei Personen um Leben kamen. "Das sind für uns Ereignisse, die besonders an den jüngeren Kameraden nicht spurlos vorübergehen", unterstrich der Wehrleiter.

Puder erinnerte an die Installation einer Absauganlage für Abgase der Dieselfahrzeuge in der Fahrzeughalle. Damit seien erhebliche Kosten für den Gemeindehaushalt entstanden.

2007 wurden die Rosenburger zu 24 Einsätzen gerufen. Dazu zählte neben dem Kyrill-Orkan auch die Rettung eines Pferdes, das aus einem alten Schwimmbadbecken herausgeholt werden musste.

Im Vergleich war 2009 mit nur acht Einsätzen das entgegengesetzte Extrem. Dennoch ereignete sich am Bahnübergang Sachsendorf ein Unfall, den die Kameraden kaum vergessen werden. Dort wurde ein Pkw vom Güterzug erfasst und 500 Meter mitgeschleift. Der Fahrer war sofort tot und musste durch die Wehr geborgen werden. "Solche Einsätze sind für alle Einsatzkräfte nicht nur eine große physische, sondern vor allem eine psychische Belastung", betonte Tino Puder.

Zur Jahreshauptversammlung 2010 wurde ein neuer Ortswehrleiter gewählt, weil Detlef August die Funktion des Stadtwehrleiters der Einheitsgemeinde übernahm und die Satzung keine Doppelfunktion erlaubt.

"Es sollte bis 1901 dauern, ehe eine organisierte Wehr gegründet wurde"

Ortsbürgermeister Michael Pietschker zitierte im Anschluss aus der Rosenburger Chronik. Danach gehen die Anfänge des Feuerlöschwesens auf das Jahr 1750 zurück, als eine Pferdespritze angeschafft wurde. "Es sollte bis zum Januar 1901 dauern, ehe eine organisierte Wehr gegründet wurde", so Pietschker. Ihr stand der Oberlehrer Otto Wolf vor.

Jugendwart Martin Zahlbach blickte ebenfalls in die Vergangenheit: 1965 gründete man in Groß Rosenburg die "Jungen Brandschutzhelfer", die 1993 zur "Jugendfeuerwehr" wurden.

Abgesehen von Detlef August nahmen an der Jubiläumsveranstaltung Freitagabend auch zwei ehemalige Wehrleiter teil: Erhard Krause (1970 bis 1988) und Bernd Puder (1989 bis 1996). Letzterer ist der Vater vom "Aktuellen", Tino Puder. Seine Familie stellt damit den personellen "Leitungs-Rekord" dar: Auch Tinos Großvater Georg stand der Groß Rosenburger Feuerwehr in den Jahren 1960 bis 1969 vor.