Ende des 19. Jahrhunderts müssen die Schulverhältnisse in Pömmelte katastrophal gewesen sein. Lehrer wurden irrsinnig oder ergaben sich dem Trunke. Diese historische Begebenheit fand Heimatforscher Heinz Warnecke heraus, der selbst in Pömmelte und Barby lange Zeit Lehrer war.

Pömmelte. "Als ich 1946 nach der damals üblichen Umschulung als Lehrer nach Pömmelte kam, deutete mir der fast 40 Jahre in Pömmelte gewesene Schulleiter Hermann Schmidt an, dass die hiesigen Schulverhältnisse vor allem im 19. Jahrhundert besonders ungünstig gewesen seien, dass man hierher nicht immer die besten Lehrer versetzt habe", schrieb der Pömmelter Ortschronist vor 25 Jahren zum Thema Schulen.

Er und seine Kollegen stellten aus eigenem Erleben auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer wieder fest, "dass es im Gegensatz zu Glinde, dessen Kinder seit 1946 von uns mit beschult wurden, in Pömmelte eine Reihe von Familien gab, die zumindest an der schulischen Entwicklung ihrer Kinder kaum interessiert oder bei völliger Unsachlichkeit die Lehrer bevormunden wollten".

Vielleicht lag das in der historischen Entwicklung des Dorfes, das nahezu über Nacht vom gewachsenen Bauerndorf zum Industrieort explodierte und zahlreiche Arbeitskräfte aus der Fremde kamen. Ende des 19. Jahrhunderts hielt der Braunkohlebergbau mit verarbeitender Industrie Einzug.

Lehrer mussten strafversetzt werden

Wie Heinz Warnecke herausbekam, wurden die Lehrer damals nach Pömmelte strafversetzt. Ein Beispiel aus dem Jahre 1897 soll einen solchen Fall beleuchten.

In einem Schreiben an die Königliche Regierung in Magdeburg bat Pfarrer Weihspflock als Schulvorstand um "Abhülfe der hiesigen ungünstigen Schulverhältnisse": "Wir zeigen gehorsamst an, dass der erste Lehrer, Küster, Kantor und Organist Wilhelm Palm in der Nacht zum Palmsonntag irrsinnig wurde und auf Antrag seiner Frau, welche für ihr und ihrer Kinder leben fürchtete ..., in die Nervenklinik Halle überführt worden ist."

Weiter heißt es: "Dem ersten Lehrer Palm, der die jetzt zu Tage getretene Nervenkrankheit gewiss schon längere Zeit gespürt hat, fehlte es demzufolge an der zum Unterricht nötigen Energie und Freudigkeit."

Der Schulvorstand nimmt diese Begebenheit zum Anlass, über weitere, lang anhaltende Missstände zu berichten. Wir erfahren, dass auch der Lehrer Horl 1891 dem Wahnsinn verfiel. Dessen Kollege Reiche führte einen sehr anstößigen, liederlichen Lebenswandel. "Beide wurden schließlich aus ihrem hiesigen Amte entfernt und ließen ihre Klassen in jämmerlichen Zustande zurück", wird der Regierung berichtet.

Es wird deutlich, dass die schulischen Bedingungen Ende des 19. Jahrhunderts in Pömmelte alles andere als rosig waren. Durch die vielen Zuzüge besuchten die kleine Dorfschule 146 Kinder, die von zwei (!) Lehrern unterrichtet wurden. Als Fortschritt galt schon, dass die Kinder auf zwei Klassen verteilt wurden. Die erste erhielt fünf Jahrgänge mit 75, die zweite drei Jahrgänge mit 71 Schülern.

Lehrer klagen bei Schulleitung

Man kann sich vorstellen, welche Unruhe trotz legaler Züchtigungsmethoden in einem Klassenraum herrschte.

Doch damit nicht genug. Auch mit dem zweiten Lehrer Thiele hatte der Schulvorstand seine Probleme. Thiele teilte mit, dass er der großen Arbeitslast nur noch wenige Wochen gewachsen sei. Schulvorstand Pfarrer Weihspflock schrieb: "Als Kantor und Organist ist Thiele gar nicht zu gebrauchen. Zwar ist er mit der Verpflichtung angestellt, den ersten Lehrer und Kirchenbeamten zu vertreten, da er aber vorgibt, vom Singen heiser zu werden und die Orgel gar nicht spielen kann, so musste dies bisher der Ortspfarrer tun." Wen wunderte es, dass Schulvorstand Weihspflock im Auftrage der ganzen Gemeinde darum bittet, "geordnete Schulverhältnisse" herzustellen.