Wie geht es weiter mit der Jugendarbeit in Schönebeck? Die Stadt greift dem Trägerverein zwar mit mehr als 40000 Euro unter die Arme. Doch reicht die Summe aus oder muss sich der Verein aus bestimmten Gebieten zurückziehen?

Schönebeck. Der Haushalt der Stadt Schönebeck ist eng gestrickt. Dass der Jugendarbeit trotz der prekären Finanzsituation über 40000 Euro zur Verfügung gestellt wird, freut Steffen Uhlig, Chef des Vereins Rückenwind. "Ich fühle mich durch den Stadtrat unterstützt", stellt er klar. Trotzdem bringt er im Volksstimme-Gespräch zum Ausdruck, dass eine größere Finanzspritze für den Träger der Jugendarbeit mit offenen Händen aufgenommen werden würde. Die Jugendarbeit kann nur durch öffentliche Mittel gewährleistet werden, stellt Uhlig klar. Zwar habe sich Rückenwind in den vergangenen 19 Jahren ein Netzwerk von Sponsoren geknüpft, "doch allein dadurch können wir nicht die Fixkosten wie für das Personal stämmen." Nichtsdestotrotz freut er sich, in der Region Partner gefunden zu haben, auf die sich der Verein verlassen kann.

"Wir haben schmerzlich erfahren müssen, was passieren kann, wenn man eine Region vernachlässigt", geht Uhlig kurz auf negativ-öffentlichkeitswirksame Vorkommnisse der jüngsten Vergangenheit ein. "Um so etwas zu verhindern, wollen wir vor allem auch in der ländlichen Region offene Jugendarbeit leisten", nennt er die Zielstellung. Auf die Art werden momentan die ostelbischen Orte Pretzien, Plötzky und Ranies sowie Gnadau, Förderstedt, Atzendorf, Brumby sowie Groß Rosenburg und Breitenhagen fachlich durch Rückenwind betreut. Hinzu kommen die Schönebecker Clubs "Young Generation", "Future" und "Piranha".

Alternativen bieten

"Man muss den Kindern und Jugendlichen Alternativen bieten", spricht der Vereinschef das A und O der Jugendarbeit an. "Wenn es in einem Ort beispielsweise nur eine Jugendgruppe gibt, dann versuchen sich die Kinder in diese zu integrieren", verrät Uhlig kein Geheimnis. Problematisch könne das werden, wenn die einzige Gruppe im Ort sich etwa der rechten Szene zugehörig fühlt. Deshalb will Rückenwind auch künftig in der ländlichen Gegend weitgehend flächendeckend in Kontakt sein mit den Jugendlichen. "Die Kinder finden bei uns einen Ort, auf den sie sich verlassen und an dem sie stabile Beziehungen aufbauen können", nennt er sein Verständnis der offenen Jugend.

Er baut dabei in erster Linie auf die Teilhabe der Clubgänger. "Sie sind dann eben nicht nur Besucher, sondern gestalten das Leben in der Einrichtung mit", erklärt Uhlig. Dass dazu auch Freizeitgestaltungen wie Tischtennisspielen gehören, eine Selbstverständlichkeit für den Vereinschef, der im gleichen Atemzug mit den Vorurteilen aufräumen will, dass es in der Jugendarbeit nur um Kaffeeklatsch ginge. "Der Club ist ein Ort mit klaren Regeln, an die sich die Nutzer halten müssen, auf die sie sich aber auch verlassen können." Gerade die von Uhlig betonten stabilen Beziehung entstehen erst über gemeinsame Aktivitäten, durch die sich schließlich helfende Gespräche entwickeln können.

Auch wenn Uhlig die Bedeutung der Rückenwind-Arbeit verdeutlichen kann und finanzielle Unterstützung erhält, so kann er ebenso nicht von der Hand weisen, dass "wir in den zurückliegenden Jahren massiv Ressourcen einsparen mussten". Im Zuge dessen sei zwar niemand gekündigt worden, dafür wurden teils die Stunden der Mitarbeiter gekürzt und teils Stellen nicht neu besetzt. Übrig geblieben sind für den Bereich der offenen Jugendarbeit acht Fachkräfte. Sie kümmern sich wohlgemerkt um die genannten zwölf Orte. Dass so die Öffnungszeiten nicht aufrechterhalten, geschweige denn Krankheitsfälle abgefedert werden können, darauf verweist Steffen Uhlig in diesem Zusammenhang. "Unterstützung erhalten wir durch Maßnahmen wie die Ein-Euro-Jobs", erklärt er wohl mit dem Wissen, dass auf die Art nicht immer der fachliche Hintergrund gegeben ist. "Wir haben unseren eigenen Qualitätsstandard", ergänzt Uhlig. Überall, wo Rückenwind tätig ist, soll eine pädagogische Fachkraft involviert sein.

Nicht zurückziehen

Die Ziele des Vereins, der 2012 sein 20-jähriges Bestehen begeht, steckt Steffen Uhlig mit Blick auf die Finanzen lieber klein ab. Jedoch Vorstöße, die jüngst im Stadtrat diskutiert worden, in der Elbestadt möglicherweise nur noch einen Jugendclub vorzuhalten, weist der Rückenwind-Chef vehement zurück. Zwar nicht offen zur Diskussion, aber gerüchteweise heißt es derzeit beispielsweise, dass der Club "Young Generation" in der Straße der Jugend nicht wieder eröffnet werden soll. Genährt werden die Vermutungen bislang dadurch, dass der geplante Neueröffnungstermin am 1. Mai in der Welsleber Straße nicht gehalten werden kann. "Aus dem Stadtgebiet dürfen wir uns nicht zurückziehen", nennt Uhlig wiederum deutlich die Marschrichtung, die Rückenwind in dem gern als Ghetto verschrienen Stadtteil auch künftig vorgeben will.