Im Altkreis Schönebeck werden einige Orte innerhalb des Nahverkehrs über so genannte Rufbusse bedient. In Zens (Gemeinde Bördeland) gab es da in den letzten Wochen Probleme. Leser meldeten sich bei der Volksstimme.

Zens/Bernburg. Erika Bethge aus Zens ist sauer. Bereits sechs Mal stand sie in den vergangenen Wochen an der Bushaltestelle ihres Heimatortes und wartete auf den Bus. Sechs Mal, sagt sie am Redaktionstelefon, konnte sie unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen. Zwar hatte sie bei der Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) angerufen und den Bus "bestellt", der Zens nur auf Anfrage anfährt. Doch sie und weitere Leute aus dem Ort warteten umsonst. "Wir müssen aber dringend in die Stadt, in Schönebeck am Kaufland haben wir Apotheke und Hausarzt", sagt die 71-Jährige.

Ab und an wurde ihr geholfen, dann sprang ein Mitarbeiter der KVG aus Calbe ein und fuhr sie mit dem Privatwagen. "Aber das kann doch nicht Prinzip sein. Man muss sich doch auf das Rufsystem verlassen können", sagt Erika Bethge.

Bei der KVG in Bernburg sei das Problem nicht völlig unbekannt, sagt René Schubert, Assistent der Geschäftsführung. Doch oft komme es auch vor, dass der Bus gerufen werde und niemand an der Haltestelle stehe.

René Schubert erklärt das Prinzip. Die Ortschaft Zens ist in den Linienweg der Linie 115 eingebunden. Da das Fahrgastaufkommen aus Zens gering sei, werde die Haltestelle Zens, die Wartehalle, in der Regel als Rufbushaltestelle bedient. "Das bedeutet auch, dass der ¿normale\' Linienweg von Calbe aus über Kleinmühlingen verläuft. Zur Bedienung der Haltestelle in Zens muss also eine so genannte Stichfahrt durchgeführt werden." Der Bus fährt von der Hauptroute ab in den Ort und wieder hinaus, um Leute abzuholen. Grund für diese Art der Bedienung durch den öffentlichen Personennahverkehr sei zudem, dass die Straße zwischen Zenser Teich und Zens einen sehr schlechten Zustand aufweise. Fahrten, die unumgänglich aufgrund ausbleibender Mitfahrer seien, könnten so getrost wegfallen.

Eine Fahrt von der Rufbushaltestelle kann bis 60 Minuten vor Fahrtantritt in der Einsatzleitung in Bernburg unter der Rufnummer (03471)35690 telefonisch geordert werden. "Jede Bestellung wird im betreffenden Dienst hinterlegt beziehungsweise dem Fahrer über Funk mitgeteilt, wenn sich dieser bereits im Dienst befindet."

Dass es zu den Problemen kam, ist für den KVG-Mitarbeiter nur teilweise zu erklären, denn jeder Fahrer habe die Pflicht, Rufbusbestellungen gewissenhaft abzuarbeiten. René Schubert sagt aber auch, dass eine Kontrolle der Durchführung nicht flächendeckend möglich sei.

Außerdem werde bei der KVG auch nicht ausgewertet, ob der Bus - im umgekehrten Fall - gerufen, dann aber umsonst in den Ort fuhr, weil niemand an der Station stand. "Das passiert zum Teil immer wieder."

Die KVG bittet für die entstandenen Umstände um Entschuldigung, aber macht auch deutlich, dass der Mitfahrwunsch an der Haltestelle deutlich angezeigt werden müsse. Bei Problemen sollte man zudem sofort die Einsatzleitung anrufen, damit in Bernburg sofort nachvollzogen werden könne, was passiert sei.

Im Altkreis Staßfurt fährt die Personennahverkehrs GmbH keine Rufbusse. Geschäftsführer Bernd Duschek setzt auf konstante Linien mit festen Zielen und Abfahrtszeiten. Er hält dies für das verbindlichere Angebot.