Gott zu würdigen gibt es viele Wege. Zumal: Wenn Ostern vor der Tür steht, plant so mancher Glaubende den Kirchgang und mehr. Wie man einen Gottesdienst aber auch abhalten kann, zeigten jetzt die Amerikaner aus der Partnerstadt Farmers Branch. Bei der Christusgemeinde Schönebeck frönten sie ihrer Art, Halleluja zu sagen.

Schönebeck. Erstmal wird man von allen Seiten gedrückt und umarmt, wenn man zu den Texanern tritt. Immer noch munter und lässig, wie beim Rathausempfang des Bürgermeisters (Volksstimme berichtete) sagen sie "Darling" und "Join us, join us" (Mach mit). Am Dienstagabend hielten sie gemeinsam mit den Schönebecker Christen einen der ekstatischen Gottesdienste ab, der jeden Tag auf dem gemeinschaftlichen Programm standen.

"Wir sind hier wegen des Glaubens", sagt Millie Green kurz vor dem Gottesdienst, im lang gezogenen amerikanischen Englisch. Die Texanerin ist mit ihren zwölf Kameraden schon seit dem vergangenen Mittwoch zu Gast beim Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM). Sie sind auf einer Mission. Und das ist nicht nur die Mission im kirchlichen Sinne, "Mitteilungen von Gott zu den Leuten zu bringen", wie es der Afroamerikaner Charles Knowles sagt.

"Für unsere Predigerprüfung üben wir hier"

Die 13 Texaner sind auch hier, weil sie Priester werden wollen. Sie kommen vom "Charis Bible College" und machen dort eine Ausbildung zum Prediger. Mit dem Zertifikat können sie dann Gottesdienste in amerikanischen Kirchen abhalten - natürlich in denen, wo die etwas freiere Art des Gottesdienstes gelebt wird.

"Wir haben unsere Prüfung im Mai. Aber bevor wir diese ablegen können, müssen wir einen Gottesdienst in einer Gemeinde abgehalten haben. Also üben wir hier", so der angehende Prediger Charles Knowles. Daher machten die Amerikaner Nägel mit Köpfen. Teil ihres einwöchigen Aufenthalts in Schönebeck waren die allabendlichen Gottesdienste, gemeinsam mit dem CVJM und der Christusgemeinde. "Aber es kamen auch Anhänger ganz anderer Gemeinden. Wir sind da ja sehr offen", meint Gemeindeleiter Dietmar Jersch.

Ganz lässig gibt er sich beim Beginn des Gottesdienstes. Er steht vorn mit einer Übersetzerin, die Hände in den Taschen seiner Jeans und schlendert vor der Bühne entlang. "Ich grüße Euch. Ist das ein guter Tag?", fragt er die Gemeinde. "Yeah", kommt von den Amerikanern zurück, die gemütlich in den Stühlen des Gemeindesaals am Stadtfeld lümmeln.

"Gott ist es egal, wie du deinen Glauben beim Gottesdienst äußerst, ob du singst oder tanzt oder einfach still sitzt und genießt", erklärt Charles Knowles. Und schließlich werde auch in der Bibel getanzt, deutet er auf die Figur des biblischen David hin. Mit Inbrunst geht es nach Dietmar Jerschs interaktiver Rede ans Beten. Immer wieder kommen "Hallelujas" und "Yeahs" aus den Reihen der Amerikaner.

"Und dann haben auch die Schönebecker getanzt"

Auch die Deutschen lassen sich etwas mitreißen und nicken ab und an mit dem Kopf. Da es der letzte gemeinsame Gottesdienst vor der Abfahrt ist, segnet man nochmal die Stadt Schönebeck. "Wir haben für Schönebeck gebetet und dafür, dass die finanzielle Lage der Stadt in Ordnung kommt", plaudert Dietmar Jersch weiter und wieder bekräftigt ihn ein "Yeah".

Der Texaner Gunar Gerthe schlendert auch um die Menge herum. Er ist nämlich der Lehrer, also bereits selbst Prediger, und bringt seinen "Students" den Glauben und die Praxis des Gottesdienstes bei. "Wir sind stolz auf unserer Schüler. Jeder hat an einem Abend einen Gottesdienst hier in Schönebeck abgehalten. Alle haben sich wunderbar gemacht", erzählt seine Ehefrau.

Das Beten mit geschlossenen Augen und wankenden Bewegungen geht in einen vorsichtigen Tanz über, als die Band leise anfängt zu spielen. Die Schönebecker Musiker spielen christliche Lieder, auf Deutsch und auf Englisch. Die Amerikaner singen beides mit, auch wenn sie die Aussprache der deutschen Wörter nur mutmaßen können.

Erst etwas überrascht über den ungezwungenen Tanz der Amerikaner, der immer ausdrucksvoller wird, wippen dann auch die ortsansässigen Christen mit - natürlich noch vorsichtig und bedacht darauf, dass sie die Volksstimme-Kamera nicht gerade im Moment der äußersten Verzückung erwischt.

Charles Knowles freut sich, dass auch die Schönebecker ein bisschen aufgetaut sind: "Yes, yes", feixt er mit seinem breiten Lächeln, "die Leute haben angefangen zu tanzen, als wir vorgestern hier Hip Hop gespielt haben." Er schäme sich nie beim Tanzen vor anderen, sagt er.

So entspannt er beim Gespräch ist, ist er auch beim Gottesdienst, ob zu Hause oder auf Reisen. Wichtig sei nur die "Love", die Liebe. "Und das haben wir mit den Leuten hier gemeinsam."