Wer war zuerst da? Der Osterhase oder das Ei? Pünktlich zum österlichen Fest hat die Volksstimme einige Häschen erwischt, die von ihrem Metier das eine oder andere preisgeben. Denn: Suchen ist vergleichsweise leicht, Verstecken aber will gelernt sein. Damit die Suche den kleinen und großen Kindern auch Spaß macht, plaudern professionelle Verstecker ihre Geheimtipps aus.

Schönebeck. Alte Hasen in punkto optimales Verstecken gibt es viele: Eltern, Erzieher und sogar der Oberbürgermeister gehört dazu. In den Schönebecker Kitas liefen wochenlange Vorbereitungen für das große Suchen am vergangenen Mittwoch. Das war in mehreren Einrichtungen der letzte Kitatag vor Ostern. "Die Aufregung vor dem Osterfest war groß", berichtet Ingrid Schiwy. Sie leitet die Kita Kinderoase in Schönebeck, wo auch sie zur Helferin des Osterhasen avancierte. Die Erzieherinnen verteilen zu Ostern schöne Körbchen an die Eltern. "Die füllen die Eltern dann mit Süßigkeiten, einem Ei und einem Hasen", sagt Ingrid Schiwy, wobei natürlich der Schokohase gemeint ist.

Um das Kind nicht zu frustrieren, wird am großen Tag dann die Fläche zum Suchen eingegrenzt. "Von der Sammelstelle aus laufen sie frohen Mutes los und kommen auch mit dem gefundenen Körbchen wieder dorthin zurück", erklärt Ingrid Schiwy. Vor allem damit die Leiterinnen auch selbst den Überblick behalten und jedes Kind zum Ei kommt, werde so lange gesucht, bis alles gefunden sei. "Besonders die offensichtlichen Verstecke werden nicht gleich entdeckt, da müssen die Kinder die Augen offen halten." Wie etwa beim Versteck im Fahrradkörbchen, bei neuem Spielzeug im Sandkasten oder beim Osterhasen auf dem Tisch, an dem das Kind zehnmal vorbeilaufen kann, ohne das Offensichtlichste wahrzunehmen.

Die Kinder zur Weißglut treiben sollte man aber - schon um des Familienfriedens willen zu Ostern - nicht. "Ein bisschen vor den Büschen und Bäumen sollte das Körbchen doch hervorgucken", sagt auch Jutta Ziem, Erzieherin im Montessori Kinderhaus. Weiterhin versetze man sich in die Augenhöhe der Kinder, verstecke auch in Reichweite.

Jutta Ziem treibt ihre Kinder jedes Jahr mit den Worten "Das Häschen ist im Park gewesen" hinaus. Mit Eltern wird dann im Park nebenan gesucht. Allerdings geht der Osterhase dort immer sehr penibel beim Verstecken vor: "Manchmal haben wir auch nicht alle Eier wiedergefunden. Dann brachten uns die Spaziergänger die Eier Tage später zurück", lacht die Erzieherin.

"Wir haben übers Jahr Süßigkeiten gesammelt"

Noch ein weiteres fleißiges Oster-Häschen ist in Schönebeck zu finden: Hans-Jürgen Haase schlich früher jedes Jahr durch den Garten seines Hauses und versteckte persönlich für seine Tochter: "Jetzt verstecke ich nicht mehr, einer meiner Enkel ist außerdem noch zu klein zum Suchen", beschreibt er die aktuelle Situation. Aber wenn dieser Enkel ins suchfähige Alter kommt, würde es Haase nicht übertreiben wollen: "Diese Übersättigung heutzutage finde ich nicht gut", zuviel der Kommerzialisierung des Osterfestes sollte es nicht sein.

Ein Oster-Ha(a)se der alten Schule also: "Damals hat man die Schokolade versteckt, die man kriegen konnte. Es gab ja nichts. Da hat man übers Jahr alle Süßigkeiten gesammelt", sagt der OB. Deshalb war der Osterhase auch fest in die familieneigene Osterproduktion eingebunden: "Wir haben viel selbst gebastelt und Figuren aus Salzteig geformt", erzählt Haase. Die Figürchen waren damals leicht herzustellen: Aus Salz, Mehl und Wasser wurden sie geknetet, dem Ideenreichtum waren keine Grenzen gesetzt. Mit einfachen Farben konnte man die Osterfiguren verzieren, bevor sie im Backofen in der Küche gehärtet wurden.

Die Eier stammten bei Familie Haase von den hauseigenen Hühnern, vom Hof der angeheirateten Schönebecker Schwiegereltern. "Die Figuren haben wir dann in Körbchen gelegt und im Garten versteckt. Am besten unter die Sträucher gestellt oder an die Bäume gehangen", erklärt der Experte. Natürlich wurde das Töchterchen derweil vom Rest der Familie abgelenkt, bis man - ohne zu lügen - verkünden konnte "der Osterha(a)se war da!"

Natürlich wird der Schönebecker Oberbürgermeister seine Versteckkünste nicht vergessen, schließlich werden es die Enkel von ihm irgendwann wieder einfordern.