Die Städtepartnerschaft zwischen Farmers Branch und Schönebeck ist nichts Neues. Regelmäßig besuchen sich die Texaner und Schönebecker gegenseitig. Jetzt aber haben die befreundeten Städte einen zweiten gemeinsamen Nenner gefunden und eine neue Art des Austauschs begründet - einen christlichen.

Schönebeck. Munter und fröhlich schlenderten sie gestern ins Rathaus - 13 Texaner hatte es diesmal nach Schönebeck verschlagen und wieder einmal gehörte der offizielle Empfang im Rathaus dazu. Nachdem sie vor einer Woche angereist waren, erlebten die Amerikaner somit einen Tag vor dem Rückflug noch einmal einen Höhepunkt. Schon vor dem Gebäude war aus dem Gemurmel der Amerikaner immer wieder ein Wort herauszuhören: "The Burger-Meister", was in der Aussprache irgendwie an den leckeren "Hamburger" erinnerte.

Schließlich waren die Texaner auf Hans-Jürgen Haase äußerst gespannt - hatten sie ihm doch etwas ganz Besonderes mitgebracht: einen Brief von ihrem "Burger-Meister", Tim O\'Hare, der "die besten Wünsche aus Farmers Branch an den Oberbürgermeister überbringt. Natürlich auf Englisch. Dieser wurde im großen Rathaus-Saal verlesen. "Auch wenn es hier nicht um die offizielle Städtepartnerschaft zwischen Farmers Branch und Schönebeck geht, lassen wir uns es nicht nehmen, die Gäste bei uns zu begrüßen", freute sich auch Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz.

Diesmal ist etwas anderes der Grund für den Besuch: Dietmar Jersch, Kirchengemeindeleiter der Christusgemeinde Schönebeck, lernte während der vielen Austauschreisen zwischen den Städten die Texaner und vor allem Gunar Gerthe näher kennen. Dass dessen Name sich so deutsch anhört, kommt nicht von ungefähr: Mit 13 Jahren ist er mit seinen Eltern von Dessau in die USA ausgewandert und hat dort sein Glück, vor allem seine Gläubigkeit, gefunden, wie er erzählt.

Und mit dem Thema Glauben stieß er bei Dietmar Jersch nicht auf taube Ohren: Die Christusgemeinde Schönebeck setzt auf den etwas freieren Gottesdienst. Man versammelt sich zu Gesprächsrunden, spricht über die Bibel und tanzt auch mal ausgelassen zu Popmusik.

"Wir sind hier auf Glaubensmission", sagt Kitty Potts, eine der Besucherinnen. Ihre zwölf Freunde und sie sind allesamt von der Kirchenschule "Charis Bible College" im Bezirk Dallas, wozu Farmers Branch gehört. "Wir lernen dort den Glauben und das bessere Verstehen der Bibel", sagt die Texanerin. Alle 13 machen dort einen Lehrgang, der sie auch zum Predigen, wie man es in der lockeren Art und Weise aus amerikanischen Filmen kennt, ermächtigt. Mit den Texanern ist die lockere Art jetzt auch in die Bibelrunden der Christusgemeinde Schönebeck eingekehr:

"Wie die Leute mit den Amerikanern tanzen, was für eine lockere Stimmung da ist, einfach unglaublich", freut sich Dietmar Jersch über die Treffen, zu denen Mitglieder aller Gemeinden kamen. Rapper und andere Musiker haben die Gläubigen seit Mittwoch schon in den Versammlungsraum am Stadtfeld gezogen. Abends beteten sie gemeinsam und sprachen über Gott, bevor es ins Parkhotel ging, wo der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) die Amerikaner beherbergte.

Dort fühlten sie sich sehr wohl. "Sie haben wirklich alles für uns arrangiert", meint die Texanerin Millie Green, "sie gaben uns zu Essen, ein Bett, haben die Touren organisiert und waren sehr geduldig mit uns", sagt sie weiter im Hinblick auf die Tatsache, dass die Amerikaner nicht ganz so pünktlich seien wie die Deutschen. Die Treffen mit den Schönebecker Christen waren auch sehr fruchtbar: "Die Leute hier sind total lieb und wir spüren, dass sie uns gerne bei sich haben", so Millie Green.

Und auch Schönebeck kommt ihr fast wie ein Paradies vor. "Es ist so eine schöne, frische Luft, besonders am Morgen gehe ich hier gerne spazieren, um durchzuatmen". Ihr Kollege Charles Knowles meint: "Es ist alles so friedvoll und ruhig hier. Und es ist so süß, wie die Leute ihre Gärten pflegen und Tulpen pflanzen."

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