Mit Ernteeinbußen muss Landwirt Hans Joachim Klietz in diesem Jahr fest rechnen. Aufgrund der enormen Vernässung der Felder musste der Egelner den Großteil seiner 450 Hektar Ackerfläche ein zweites Mal bestellen. Das hat ihn bis dato 40000 Euro Mehrkosten beschert.

Egeln. Ein gelbes Blütenmeer präsentiert sich dem geneigten Betrachter, fährt man die Ascherslebener Straße aus Egeln heraus in Richtung Schneidlingen. Der Raps steht in seiner vollen Pracht. Mittendrin steht Hans Joachim Klietz. Behutsam nimmt er hier und da eine Blüte in die Hand, schaut nach Insekten und redet seinen Pflanzen gut zu. Diese knapp 50 Hektar Ackerfläche lassen den Egelner Landwirt lächeln. Sorgenfalten wiederum zeichnen sich auf der Stirn des 59-Jährigen ab, blickt er auf die andere Straßenseite. Da hat der Landwirt in dritter Generation ebenfalls Ackerfläche. Nur dort blüht momentan noch nichts. Kann auch nicht. Denn der Egelner musste hier den Großteil seiner landwirtschaftlichen Fläche neu bestellen. Wohl gemerkt ein zweites Mal, nachdem die erste Aussaat vom Herbst aufgrund der enormen Vernässung zu Beginn des Jahres verdorben ist. Allein das hat dem Landwirt bis dato 40000 Mehrkosten beschert. Da sind die zu erwartenden Ernteeinbußen noch nicht eingerechnet.

"Wir sind von der Vernässung besonders stark betroffen", berichtet der 59-Jährige. Wie in jedem Jahr habe der erfahrene Landwirt seine Felder bestellt. Dann kamen die enormen Niederschlagsmengen. Fast alles stand unter Wasser. Noch heute sind vereinzelt Stellen zu erkennen, die zu feucht sind. Es gleicht einer Anomalie. Denn die hohe Sonneneinstrahlung der vergangenen Wochen hat derweil grundsätzlich die Äcker ausgetrocknet, die Erde zeigt an vielen Stellen Trockenrisse.

Statt Winterweizen wächst Sommerweizen

"Ich musste mir nun etwas einfallen lassen, um die Einbußen so gering wie möglich zu halten", sagt Hans Joachim Klietz. Also hat er mit seinem Sohn Andreas, mit dem er seinen Betrieb gemeinsam führt, dort Sommerweizen gedrillt, wo eigentlich Winterweizen sprießen sollte. Zwar bringt der Sommerweizen nicht den selben Ertrag - aber besser das als gar nichts, sagt sich der Unternehmer. "Der Ertrag wird geschwächt sein", damit hat sich Klietz bereits abgefunden. In welchem Maß sich aber der Einbruch bewegen wird, das kann er jedoch noch nicht abschätzen. "Der Sommerweizen ist von seiner Genetik her schnellwüchsig", nennt der Egelner einen Fakt, der ihn etwas positiv stimmt. "Ich hoffe, dass ich mit einem blauen Auge aus der Sache herauskommen werde."

Und damit sich sein Wunsch auch tatsächlich erfüllt, ist Hans Joachim Klietz täglich im Gespräch mit seinen Pflanzen. "Das sind doch auch Lebewesen", sagt er selbstverständlich. Jeder Halm sei anders. Erfahrung, die der Landwirt in dritter Generation mit Sicherheit vorweisen kann, ist da die eine Seite. Das tägliche Beobachten und Begutachten der Aussaat die andere. Zum Beispiel beim Raps. "Wenn ich mehr als acht Rapsglanzkäfer in einer Rapsblüte finde, ist das ein Indiz für mich, dass ich mit einem Insektizid arbeiten muss", erläutert Hans Joachim Klietz. Und so pirscht er sich von einer Ecke in die andere im Rapsfeld, nimmt behutsam eine Blüte in die Hand und zählt die Insekten. Pauschal geht der Landwirt nicht mit der Chemiekeule an seine Pflanzen - eine Grundsatzregel. "Ich behalte die Schadstellen im Auge und setze erst dann die entsprechenden Mittel ein", erklärt der Landwirt. Eine generelle Anwendung, so Klietz, würde letztlich qualitätsmindernd wirken, also genau das Gegenteil erreichen.

Dass Hans Joachim Klietz mit Leib und Seele Landwirt ist, merkt man schnell. Seit 1912 steht sein Familienname in Egeln für den landwirtschaftlichen Betrieb. Weizen für die Ernährungswirtschaft, Wintergerste, Raps, Erbsen sowie Rüben und Hafer werden auf den 450 Hektar Ackerfläche bei Egeln angebaut. 1990 hat der heute 59-Jährige das Familienunternehmen übernommen. Sein Nachfolger steht schon längst fest. Sein Sohn Andreas, mit dem er das Zwei-Mann-Unternehmen seit geraumer Zeit führt, wird die Familientradition fortführen.

Über 110 Hektar sind ein zweites Mal bestellt

Währenddessen die Nachfolge also geklärt ist, bleibt es wohl eher ein Rätsel, wie es sich mit den Wetterkapriolen in Zukunft in der Landwirtschaft überleben lässt. Klietz ist zumindest der Meinung, dass sowohl die Niederschläge als auch die Winde über die Jahre zugenommen haben. Das Problem mit der Vernässung habe sich seiner Beobachtung nach bereits im Herbst angedeutet. Bereits damals habe der Landwirt mehr Diesel für die Tracker verbraucht, als es unter anderem darum ging, die Flächen zu walzen und die Bestockung anzuregen, erinnert der Egelner. Dass sich dazu aber auch die zweite Aussaat noch hinzugesellen würde, davon war der Landwirt nicht ausgegangen. Allein 110 seiner 450 Hektar Ackerfläche hat Klietz in den vergangenen Wochen mit Raps, Erbsen, Mais und Rüben neu bestellt. Jetzt hofft er auf ein wenig Regen. In der Landwirtschaft scheint es wie im wahren Leben zu sein: Man will immer das, was man gerade nicht hat.

Bilder