Der hohe Grundwaserstand beschäftigt weiter Bürger und die Stadtverwaltung in Barby. Jetzt haben Bürgermeister Jens Strube und Stadtratsvorsitzender Ernst Neugebauer einen Brief an den Umweltminister geschrieben.

Barby. In dem Schreiben an Sachsen-Anhalts Umweltminister Hermann Onko Aeikens protestieren Bürgermeister und Stadtratsvorsitzender "gegen die zögerliche Aufarbeitung der Grundwasserthematik". Hintergrund ist die Einsetzung von Arbeitsgruppen landesweit durch das Ministerium. Die Arbeitsgruppen - aus Fachleuten bestehend - sollen sich mit der Thematik beschäftigen und Lösungsvorschläge gegen die aktuell hohen Wasserstände unterbreiten.

Bislang sei allerdings in den vergangenen zwei Monaten nicht viel passiert, bemängelt Bürgermeister Jens Strube. So habe der Stadtrat kritisiert, dass die Unterhaltungsverbände Taube-Landgraben und Elbaue nicht bereit seien, die vom Umweltministerium geforderten Unterhaltungspläne für Schwerpunktgewässer zu erstellen.

Dabei streiten sich die Experten offenbar immer noch, was unter einer ordentlichen Gewässerunterhaltung zu verstehen sei, merkt Strube an. Denn erst jetzt soll für die Unterhaltungsverbände offenbar ein Fachpapier zu dem Thema entwickelt werden. Daneben gebe es außerdem rechtliche Einschränkungen, die noch nicht aus dem Wege geräumt werden konnten, kritisiert der Bürgermeister weiter.

Anstatt die Probleme konkret anzupacken, beschäftige sich die Arbeitsgruppe lieber mit Grundsatzdebatten, wirft der Bürgermeister dem Ministerium vor. Einen Forderungskatalog hat der Barbyer Stadtrat ebenfalls formuliert. Danach soll das Umweltministerium sicherstellen, dass sich das Land umgehend jeglichen ingenieurtechnischen Fachverstandes bediene.

Außerdem verlangt der Stadtrat die Erarbeitung schnellstmöglicher und großräumiger Lösungen, die außerdem mit Terminen und Verantwortlichkeiten festzulegen seien. Daneben fordert der Stadtrat die um Barby befindlichen Kiesseen mit in die Planung einzubeziehen. Bei Wasserhöchstständen sollten die Seen direkt in die Elbe entwässern können. Daneben sollen die Fachleute ebenso die Unterlagen für den Bau des Saalekanals dahingehend betrachten, wie sich der Bau auf das Grund- und Oberflächenwasser auswirke.

Wie stark die Vernässung in Barby ist, lässt sich gut auf den Feldern um die Stadt ablesen. Hier stehen teilweise noch große Flächen unter Wasser. Das ist ein Problem für die Landwirte der Region. Lange müssen sie teilweise warten, bis sie auf ihre Flächen mit Fahrzeugen fahren können.

Dass der Grundwasserspiegel so dicht an der Elbe immer mal wieder natürlichen Schwankungen unterworfen ist, wissen die Einwohner. Allerdings hat sich in der jüngsten Vergangenheit die Entwicklung nur in eine Richtung bewegt. "Das Wasser steigt und damit auch die Sorgen der Menschen", sagt der Bürgermeister.

Einen großen Schaden durch den hohen Wasserstand hat momentan ebenso die Stadt selbst mit ihrem Seepark. Der Kiessee, den die Stadt auf einer Seite touristisch erschlossen hat, ist ungewöhnlich stark gestiegen in den vergangenen Monaten. Das Wasser hat den feinen Sandstrand überflutet. Es sei unklar, ob der See in diesem Jahr überhaupt für die Bevölkerung geöffnet werden kann, heißt es aus dem Rathaus. Noch verbreitet Bürgermeister Jens Strube Optimismus. Allerdings weiß auch er, dass die Stadt momentan kaum große Investitionen an dem beliebten Badegewässer stemmen kann. Die Stadt verfügt noch über keinen Etat für 2011.

Generell fordern Bürgermeister und der Barbyer Stadtrat deswegen das Umweltministerium auf, mehr Druck auf die eingesetzten Arbeitsgruppen auszuüben, damit die Arbeitsgruppe auch wirklich zu einem Ergebnis kommt. Allerdings müssen zunächst einmal die genauen Ursachen für die hohen Wasserstände analysiert werden, ist sich Strube sicher. Nur so könne langfristig eine Lösung gefunden werden, damit sich die aktuellen Probleme in der Zukunft nicht ständig wiederholen. Denn auch im niederschlagsarmen Monat April habe sich die Situation mit dem hohen Wasserstand kaum verändert.

Aus dem Landwirtschaftsministerium heißt es inzwischen, dass im Juni "Vor-Ort-Gruppe" zum Thema Wasser gebildet werden sollen.