Schönebeck. Mit der Auswertung eines architektonischen Wettbewerbes ist gestern im Rathaus ein besonderes Bauprojekt auf den Weg gebracht worden. Unter dem Motto "Mut zur Lücke" hatten neun Architekturbüros aus Sachsen-Anhalt Entwürfe für die Wiederbebauung des Grundstücks Steinstraße 6 entworfen. Ein hier befindliches Haus ist im vergangenen Jahr abgerissen worden: zum Verdruss der Denkmalbehörde in Halle. Doch das zuständige Amt beim Landkreis hatte grünes Licht gegeben. Zu marode sei die Bausubstanz für eine Sanierung gewesen, hieß es.

Jetzt könnte die Wiederbebauung der Steinstraße 6 zu einem Paradebeispiel innerstädtischen Wohnungsbaus geraten. Ein privater Investor, das Ehepaar Susanne und Mohamed Papiç aus Eggersdorf, will das Grundstück mit einem Neubau versehen. Die Bauherren in spé bedienten sich bei der Projektierung eines Wettbewerbes, den die Architektenkammer Sachsen-Anhalt 2008 initiiert hatte. "Mut zur Lücke" ist dieser Ausscheid überschrieben. Der im Titel beinhaltete Aufruf richtet sich an Häuslebauer und appelliert, die in ostdeutschen Innenstädten oft durch Wegzug und Verfall entstandenen Baulücken für ihre Bauvorhaben zu nutzen. Unterstützt wird der Wettbewerb vom Bauministerium Sachsen-Anhalt, so dass gute Chancen für die Ausreichung von Fördermitteln bestehen.

Das geistige Fundament für das Schönebecker "Mut-zur-Lücke"-Projekt ist mit dem Architekturwettbewerb und dessen gestriger Auswertung gelegt. Eine Jury, der auch Oberbürgermeister Hans-Jürgen Haase (parteilos) angehörte, hat zwei Entwürfe quasi gleichberechtigt favorisiert. Einen ersten Preis gibt es also nicht. Ein weiterer Entwurf erhielt eine Anerkennung. Die Preise sind mit insgesamt 5500 Euro dotiert.

Entstehen sollen in der Steinstraße 6 (1900 Quadratmeter, zwei Flurstücke) vier Wohnungen mit einem jeweiligen Gartenbereich für junge Familien. Die Entwürfe sind bis 13. Mai im Rathaus zu besichtigen. Die Schönebecker sind aufgerufen, per Stimmzettel ihren Favoriten zu wählen.

Die beiden zweiten Preise belegten: Architekten Leuschner, Gänsicke, Beinhoff (mit Büros in Hamburg und Lutherstadt Wittenberg) sowie Anja Brennecke, Architektin aus Biederitz. Eine Anerkennung erhielt die Meta Architektur GmbH Magdeburg.

Bei der Preisverleihung waren unter anderem die drei Stadträte Markus Baudisch (CDU), Arnold Krüger (UWG/Grüne/Schall) und Manfred Pöschke (Rettet die Altstadt) zugegen. Arnold Krüger gegenüber der Volksstimme: "Schade, dass sich kein Schönebecker Architekturbüro am Wettbewerb beteiligt hat."