Barby.Eine fünfte Klasse der Barbyer Jakob-Friedrich-Fries-Schule hat 250 Euro auf ein Hilfskonto für die Kinder Japans überwiesen. Bei der öffentlichen Sammlung machten die Schüler ganz unterschiedliche Erfahrungen. "Liebe Mitschüler, seit dem schweren Erdbeben und dem darauf folgenden Tsunami in Japan stelle ich mir die Frage, was kann ich tun, um den Kindern, die ihr Zuhause verloren haben, ein klein wenig zu helfen."

Mit diesen Worten begann ein Spendenaufruf des elfjährigen Fries-Sekundarschülers Michél Herbeke aus der Klasse 5 b. Den Text hatte er der optischen Wirkung wegen mit japanischer Landkarte und Kanji-Buchstaben eingerahmt, die auf deutsch "Hoffnung" bedeuten. Sein Vater unterstützte ihn bei dieser Aktion.

Michéls Ethik-Lehrerin freute sich über dieses Engagement und übernahm das Thema in den Unterricht.

Um es nicht nur bei der Geste zu belassen, planten der Elfjährige und seine 5 b einen Flohmarkt im Magdeburger Allee-Center, um Geld zu sammeln. Doch dazu kam es aus organisatorischen Gründen nicht.

Doch die 5 b ließ sich nicht entmutigen. Weil man in der Schule gerne Didaktisches mit Praktischem verbindet, wurden im Hauswirtschaftsunterricht sechs Bleche Pizza gebacken und in der großen Hofpause verkauft. Dabei kamen 50 Euro zusammen. Ein guter Start für die Spende, freuten sich Michél und die 5 b.

Doch damit nicht genug. Die Klasse schwärmte wenig später zu einer Sammlung in Barby aus, sprach Leute auf der Straße an, putzte Klinken. Voraussetzung war natürlich die offizielle Bestätigung der Schule dafür.

Wobei die Kinder nicht nur 149 Euro, sondern auch unterschiedliche Erfahrungen sammelten. Einige Leute zeigten sich skeptisch, des Alters wegen. Würden die Elfjährigen das Geld auch wirklich für Japan und nicht für Eis und Schokolade verwenden? Ein Mann machte sie darauf aufmerksam, dass Straßensammlungen erst ab 18 Jahren zulässig seien, andere mahnten, das Geld "ja an die richtige Hilfsorganisation" zu überweisen. Justine aus Wespen machte die Erfahrung, dass man in ihrem Dorf derart öffentlich organisierter Hilfe zugeknöpft gegenüberstand: Sie bekam nur einen Euro.

Aber auch offene Ablehnung erfuhren die jungen Samariter der Friesschule. Eine ältere Dame knallte ihnen ungehalten die Tür vor der Nase zu. Auch Ausreden bekamen sie zu hören. Einige Angesprochene mussten wegen eines wichtigen Termins "schnell weg" oder hatten "ausgerechnet jetzt kein Geld im Haus".

Trotzdem, oder gerade wegen der unterschiedlichen Reaktionen, freuten sich die Kinder am Ende riesig. Sie hatten eine Stange Geld gesammelt und dabei die unterschiedlichsten "Mentalitäten" kennengelernt, die ihnen im späteren Leben noch oft begegnen werden.

Die Summe wurde auf 250 Euro aufgerundet. Wie?

Das zu erklären, sei an dieser Stelle ebenfalls ein paar Zeilen wert. Sie nahmen es aus der Klassenkasse, in die jedes Kind pro Monat zwei Euro einzahlt. Das kollektiv Ersparte finanziert normalerweise die jährlich Klassenfahrt.

Jetzt werden sich Japans Kinder darüber freuen, die andere Sorgen haben als Klassenfahrten.